Pizarro: "Wir alle haben uns ein wenig anders Verhalten"

Claudio Pizarro sprach mit WERDER.DE in seinem persönlichen Saisonrückblick über Familie, Fußball und Fans.
Profis
Sonntag, 22.05.2011 // 13:31 Uhr

Er mag Pferde, liebt gutes Essen und hat stets ein Lächeln auf den Lippen. Kein anderer Werder-Profi kennt so viele Facetten von Thomas Schaaf, wie er. Er ist der einzige, für den ein absolutes Saisonhighlight noch folgt. WERDER.DE erwischte Claudio Pizarro in seiner ersten Urlaubswoche auf Ibiza. Der Peruaner nahm sich zwischen Badehose, Cocktails und Sommerfeeling die Zeit, um noch einmal zurückzublicken. 

TEIL 1

Claudio, Werder absolviert in diesen Tagen die letzten Testspiele der Saison. Wo erwischen wir dich gerade?
In Absprache mit Werder habe ich meinen Urlaub in diesem Jahr vorgezogen und bin derzeit mit meiner Frau auf Ibiza. Wir mussten diese Regelung treffen, weil ich im Juli bei der Copa America spiele und dann von der Sommervorbereitung mit Werder nicht so viel verpassen will.

Für dich heißt es also abschalten. Geht das überhaupt mit drei kleinen Kindern?
Es ist schwierig, weil die Kinder dich den ganzen Tag auf Trapp halten. Deshalb bin ich die erste Woche meines Urlaubs nur mit meiner Frau verreist. Die Kinder gehen weiter zur Schule. Ich versuche mich jetzt auszuruhen und zu relaxen. Es war schließlich eine harte Saison mit vielen Verletzungen und ich will nicht, dass mir so etwas in dieser Häufigkeit noch einmal passiert.

Das hast du dir verdient. Würdest du mit etwas Abstand denn behaupten wollen, dass es für dich die schwierigste Saison in deiner Karriere war?
Ja, ich glaube schon. Nicht nur für mich persönlich war vieles anders und sehr kompliziert, auch für die Mannschaft war es nie leicht. Viele wichtige Spieler waren verletzt. Wir haben überhaupt keine Konstanz in unser Spiel bekommen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir gehören nicht dahin, wo wir am Ende gelandet sind.

Kann man denn so kurz nach Saisonende mit dem Thema schon abschließen, oder begleiten dich die zurückliegenden Monate täglich im Urlaub?
Wir haben erreicht, worauf wir hingearbeitet haben. Es war unser Minimalziel. Sobald du in den Urlaub gehst, schaltest du ab. Trotzdem gibt es ruhige Momente, in denen du dich zurückerinnerst. Du überlegst, was du verbessern kannst, du versuchst aus den Fehlern zu lernen. Ich schaue dabei aber lieber nach vorne, als zurück.

Auch bei Thomas Schaaf hat die Saison sicherlich Spuren hinterlassen...
Für Thomas war es alles andere als leicht, weil er kaum zwei Mal in Folge mit der gleichen Mannschaft in ein Spiel gehen konnte. Ich glaube, wir alle haben uns ein wenig anders verhalten als sonst. Alle hatten enormen Stress und mussten noch intensiver arbeiten.

Zum Glück habt ihr euch aber rechtzeitig gefangen und den Klassenerhalt dann am vorletzten Spieltag perfekt gemacht. Erleichtert?
Ja, klar. Wir alle hatten ein Ziel vor Augen. Wir wussten, dass die Mannschaft viel besser ist, als das, was wir oftmals gezeigt haben. Jetzt kann man erst einmal abschalten, da fällt der Druck von einem ab.

Druck gibt es doch aber auch, wenn man um die Champions League-Plätze oder gar die Meisterschaft mitspielt. Spürt man den Unterschied?
Ja, es geht schließlich um den Abstieg. Das ist schon ein enorm negativer Druck, den du da mit dir herumträgst. Wenn du verlierst, kannst du plötzlich in der zweiten Liga spielen. Aufgrund meiner jahrelangen Erfahrung und meinem Vertrauen in das Team, habe ich aber ehrlich gesagt nicht mehr Druck als sonst auch verspürt. Ich habe mir da nicht so viele Sorgen gemacht.

Ihr habt im Abstiegskampf speziell auf Teambuildingmaßnahmen gesetzt. War das auch ein Schlüssel zum Erfolg?
Ich glaube, dass es gut war, in einer solch schwierigen Situation auf Teambuilding zu setzen. Es hat scheinbar etwas gebracht. Denn, wenn man sich unsere Bilanz der letzten elf Spiele anschaut, dann haben wir davon nur zwei Partien verloren. Man muss alles versuchen, um wieder erfolgreich zu sein.

Torsten Frings wird seine aktive Karriere bei Werder beenden. Damit bist du jetzt der zweitälteste und Werder-erfahrenste Spieler im Kader.
(Überlegt). Bin ich wirklich schon so alt?

Erfahren, nicht alt! Aber wird sich dadurch für dich etwas ändern?
Nein, ich glaube nicht. Ich bleibe in meiner jetzigen Rolle, ob Thomas mir noch andere Aufgaben gibt, muss er entscheiden. Ich möchte jungen Spielern etwas von meiner Erfahrung weitergeben.

An deiner Seite Erfahrungen gesammelt hat sicher auch Hugo Almeida. Habt ihr noch Kontakt zueinander?
Ja, Hugo ist in den Jahren hier ein guter Freund geworden. Wir sprechen des Öfteren, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet.

Ihr zwei seid es auch, die die Saison als erfolgreichste Werder-Bundesliga-Schützen abschließt. Hat er dir als Sturmpartner in der Rückrunde manchmal gefehlt?
Es ist schon etwas anderes gewesen, ohne ihn. Vor allem weil wir uns auch privat immer gut verstanden haben. Das ist, als wenn du mich fragst, ob ich Ailton vermissen würde. Ich hatte viele positive und erfolgreiche Jahre mit ihm, aber ich habe gelernt, dass im Fußball nichts für immer ist.

Relativ neu an deiner Seite ist Sandro Wagner. Habt ihr euch auf dem Platz bereits aneinander gewöhnen können?
Das Geschäft bringt es mit sich, dass Spieler den Verein wechseln. Ich denke, dass die Zeit mit Hugo sehr schön war, aber Sandro und ich müssen jetzt versuchen das Beste für die Mannschaft zu geben. Wir trainieren jeden Tag miteinander, wollen unser Zusammenspiel verbessern und hoffen dann in der nächsten Saison davon profitieren zu können.

Lesen Sie morgen Teil 2 des Pizarro-Interviews. Claudio spricht über seinen Ambitionen mit der peruanischen Nationalmannschaft, die Schaaf-Nachfolge auf Werders Trainerbank und Ziele, die er mit den Grün-Weißen unbedingt noch erreichen will.

 

Das Interview führte Marco Niesner