Werder-Almanach 2010 - Y und Z: Ansporn im Bauch

Beim 3:0-Sieg im Rückspiel gegen Inter Mailand machte Dominik Schmidt auch gegen Superstar Samuel Eto'o eine gute Figur.
Profis
Montag, 03.01.2011 // 09:42 Uhr

Die Werder-Profis durchlebten sportlich schwierige Herbsttage. Die Ergebnisse stimmten nicht und zu allem Übel verschlimmerte sich die eh schon wochenlang prekäre Personalsituation vor dem Champions-League-Auswärtsspiel ...

Zwölf Monate sind wie im Flug vergangen. Höhen und Tiefen, Jubel und Enttäuschung, Abschiede und Rückkehrer. 2010 - wieder ein Jahr mit schönen Momenten und einem besonderen Jubiläum. Nicht leicht, dabei den Überblick zu behalten. Deswegen bietet WERDER.DE zum Jahresende einmal mehr den grün-weißen Almanach an. Werder 2010 von A bis Z, zum Erinnern und Schmunzeln. Heute: Teil 9 - Y und Z:

Y - Youngster, die:

Die Werder-Profis durchlebten sportlich schwierige Herbsttage. Die Ergebnisse stimmten nicht und zu allem Übel verschlimmerte sich die eh schon wochenlang prekäre Personalsituation vor dem Champions-League-Auswärtsspiel bei Tottenham Hotspur Ende November ins Drastische. Die turmhohe Ausfallliste aufgrund von Verletzungen und Sperren ging ins Zweistellige. Darunter tummelten sich unter anderem so wichtige Stammkräfte wie Kapitän Torsten Frings, Claudio Pizarro, Naldo oder Wesley. Allein sieben U 23-Akteure auf einen Streich standen deswegen im Kader. Und etwas Ironie kann in angespannten Lagen auch mal förderlich sein. „Ich habe in der Kabine jedem die Hand gegeben. Sie haben zwar nicht mit Konfetti geworfen, doch wir wurden sehr herzlich aufgenommen", verriet der erst 18-Jährige Clemens Schoppenhauer der ‚Kreiszeitung‘ mit einem Schmunzeln. Zwei der Youngster feierten ihre Premiere auf der größtmöglichen europäischen Bühne sogar gleich von Beginn an: Felix Kroos im rechten Mittelfeld und Dominik Schmidt als linker Verteidiger. Während des Spielverlaufs wurden Onur Ayik und Lennart Thy noch eingewechselt. 0:3 musste sich die wehrhafte Bremer Elf letztendlich an der „White Hart Lane" geschlagen geben und war vorzeitig aus dem internationalen Wettbewerb ausgeschieden. „So kurz nach dem Spiel überwiegt natürlich die Enttäuschung über das Ausscheiden", sagte der 20-jährige Kroos, „ich denke aber, dass ich mich dann in ein paar Tagen über mein Debüt freuen kann." Zu recht. Per Mertesacker zollte stellvertretend für die an diesem Abend wenigen erfahrenen Werderaner auf dem Feld: „Auch wenn wir heute natürlich gerne möglichst viele Spieler dabei gehabt hätten, muss man denjenigen ein Kompliment aussprechen, die heute zum ersten Mal in der Champions League gespielt haben."

Z - Zadok the priest:

Diese bekannten, aber eine Saison lang vermissten Klänge durchzogen am Abend des 14. September harmonisch das Weser-Stadion. Ein Loblied für Ohren und Seele. Endlich ertönt sie wieder, die inzwischen unverkennbare Melodie in Anlehnung an Georg Friedrich Händels Krönungshymne „Zadok the priest", die allen Fußball-Fans signalisiert: Es ist Champions League. Zum siebten Mal hatte sich Werder Bremen qualifiziert. Der Auftakt bescherte das Aufeinandertreffen mit den Gästen von Tottenham Hotspur. Binnen nur 18 Minuten waren die Londoner auf 2:0 enteilt, ehe Hugo Almeida und Marko Marin noch für den 2:2-Endstand sorgten. Auch wenn sich die Grün-Weißen nicht in Gänze für ihre ansprechende Aufholjagd nach verschlafenem Beginn belohnten und fünf weitere schwere Prüfungen in der Gruppe A bevorstanden: „Ausgangsposition: Nicht perfekt, aber alles drin" diagnostizierte WERDER.DE. Fast drei Monate darauf, am 7. Dezember, leitete die Hymne selbstverständlich auch die letzte Gruppen-Partie gegen den amtierenden Titelträger Inter Mailand ein. Die bittere Erkenntnis: Sie sollte unter grün-weißer Beteiligung leider vorerst das letzte Mal gespielt werden. Das stand bereits vorher fest. Denn Werder besaß keine Chance mehr, sich für die KO-Runde zu qualifizieren. Auch das Überwintern in der Europa League war nicht mehr erreichbar. Die Summe aus dem 0:4 bei Inter, 1:1 bei Twente, 0:2 daheim gegen Twente und 0:3 bei Tottenham hatte dies verursacht. Aber wenigstens die Verabschiedung war mehr als aller Ehren wert. Thomas Schaafs Elf agierte von Minute zu Minute besser, wirkungsvoller, befreiter und bezwang die Nerazzurri glatt mit 3:0 (Tore: Prödl, Arnautovic, Pizarro). Für den Cheftrainer nur ein kleiner Trost, aber auch Impuls für die Zukunft: „Es ist viel, viel Ärger mit dabei, dass wir unsere Leistung nicht so abrufen konnten, wie wir uns das vorgestellt haben. Bei mir ist sogar ein bisschen Wut im Bauch. Wenn es im Frühjahr weitergeht, dann werde ich mich auch vor dem Fernseher noch darüber ärgern. Aber das spornt mich an, es besser zu machen."