Werder-Almanach 2010 - P bis R: "El numero uno es Peruano"

Geschafft: Claudio Pizarro hat gegen Borussia Mönchengladbach das 134. Bundesliga-Tor geschossen.
Profis
Mittwoch, 29.12.2010 // 11:27 Uhr

Zwölf Monate sind wie im Flug vergangen. Höhen und Tiefen, Jubel und Enttäuschung, Abschiede und Rückkehrer. 2010 - wieder ein Jahr mit schönen Momenten und einem besonderen Jubiläum ...

Zwölf Monate sind wie im Flug vergangen. Höhen und Tiefen, Jubel und Enttäuschung, Abschiede und Rückkehrer. 2010 - wieder ein Jahr mit schönen Momenten und einem besonderen Jubiläum. Nicht leicht, dabei den Überblick zu behalten. Deswegen bietet WERDER.DE zum Jahresende einmal mehr den grün-weißen Almanach an. Werder 2010 von A bis Z, zum Erinnern und Schmunzeln. Heute: Teil 6 - P bis R:

P - Polen:

Worum die Gedanken von Sebastian Boenisch wohl kreisten, als er am 4. September im Widzew-Stadion zu Lodz topkonzentriert und hochmotiviert in einem bis dato noch nie getragenem Trikot den Anpfiff herbeisehnte. Immerhin stand das erste Länderspiel für sein Geburtsland unmittelbar bevor - dazu gleich die prestigeträchtige Freundschaftspartie zwischen Polen und der Ukraine, den beiden Gastgebern der EM 2012. 1:1-Unentschieden trennten sie sich, Boenisch spielte 90 Minuten durch. Ebenso drei Tage darauf bei der 1:2-Niederlage gegen Australien. Von „einer spannenden Woche" durfte er danach verständlicherweise berichten. Ebenfalls davon, warum er sich für eine Länderspielkarriere in Polen und nicht etwa für den DFB entschied, mit dessen U 21 er 2009 immerhin Europameister geworden war: „Natürlich hat die EURO 2012 und die Chance, mit einer starken Mannschaft bei diesem Turnier in meinem Geburtsland dabei zu sein, eine Rolle gespielt. Mich hat aber auch die Vehemenz, mit der der Verband um mich geworben, sehr beeindruckt. Sie haben mir deutlich gemacht, dass sie mich unbedingt wollen." Doch nach diesen freudigen Ereignissen folgte eine Hiobsbotschaft. Gerade zwei Wochen später musste der Linksverteidiger aufgrund einer Gelenkverletzung im rechten Knie eine Arthroskopie über sich ergehen lassen, die ihn zu einer mehrmonatigen Zwangspause verurteilte. Aber Boenisch wäre nicht Boenisch, wenn er nicht gestärkt aus diesem Tal wiederkehren würde. Zurück in die Werder-Elf, zurück in die polnische Nationalmannschaft, um dann hoffentlich nicht nur bei der EM, sondern auf Lange Zeit hinaus zum Stammspieler zu reifen.

Q - Quinarius, der:

Im antiken Rom diente der Quinarius, eine Münze mit der ursprünglichen Wertzahl Fünf (‚V‘), als verbreitete Größe der gängigen Währungsmittel. Vor eine schier unlösbare Prägungsarbeit wären die alten Römer jedoch gestellt worden, hätten sie den Silberling in einer Größenordnung produzieren sollen, die über 2.000 Jahre später zur Veranschaulichung des abermaligen Rekordumsatzes der Werder Bremen GmbH & Co KG aA dienen müsste. Im Detail erwirtschafteten die Grün-Weißen im vergangenen Geschäftsjahr einen sagenhaften Ertrag von 126,4 Millionen Euro, wobei ein Gewinnüberschuss von insgesamt 1,1 Millionen Euro zu Buche steht. Durch diese Zahlen, die Klaus Allofs in seiner Funktion als Vorsitzender der Geschäftsführung Mitte November auf der Mitgliederversammlung des SV „Werder" von 1899 e. V. veröffentlichte, wurde das Umsatzergebnis des Vorjahres 2009 noch einmal um 5,7 Millionen Euro überflügelt. „Die Gesellschaft bleibt auch weiterhin ihrer Geschäftsphilosophie treu und operiert schuldenfrei. Zudem ist unser Kader hochwertig besetzt und enthält stille Reserven", bilanzierte Allofs, der gemeinsam mit seinen beiden Kollegen Klaus-Dieter Fischer und Klaus Filbry die Geschäftsführung bildet. Die GmbH & Co KG aA verzeichnete damit im sechsten Jahr ihres Bestehens auch die sechste Umsatzsteigerung.

 

R - Rekordschütze, der:

168 Tage, 168 lange Tage Geduld waren noch einmal von Nöten, bis eine nunmehr elfjährige Jagd ihre vorläufige Krönung fand. 168 lange Tage lagen zwischen Claudio Pizarros 133.- und dem anschließenden 134. Bundesliga-Tor seiner Karriere. Im ersten Schritt - am letzten Spieltag der Saison 2009/10 im Mai - schlenzte er eine flache Hereingabe von Clemens Fritz mit der Hacke am knieenden Frank Rost vorbei unter die Latte und egalisierte dadurch Giovane Elbers bisheriges Alleinstellungsmerkmal als ausländischer Rekordschütze. Via eigens kreierten T-Shirt machte der kaltschnäuzige Knipser, der personifizierte Torinstinktler auf seinen Eintrag in die Geschichtsbücher der Bundesliga aufmerksam: „El #1 es Peruano" - „Die Nummer Eins ist Peruaner." Das abschließende Werk, mit dem er schlussendlich auch noch den alten Spezi Elber aus gemeinsamen Tagen beim FC Bayern hinter sich ließ, vollbrachte der 32-Jährige am 23. Oktober in Gladbach. Eine Flanke von Wesley, reich an Effet, erspähte er wie so oft im richtigen Augenblick und brachte den Ball zum 4:1-Endstand im Tor unter. „Endlich habe ich es geschafft. Ich musste ja sehr lange darauf warten, nachdem ich schon in der letzten Saison mit Giovane Elber gleichgezogen hatte", bemerkte Pizarro mit großer Genugtuung über seine Fabelleistung. „Er ist ein fantastischer Spieler, der über außergewöhnliche Qualitäten verfügt. Ich bin froh, dass er bei uns spielt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er der alleinige Rekordhalter wird", pries Cheftrainer Thomas Schaaf und vergaß dabei nicht, auf die Zukunft hinzuweisen: „Es werden noch viele weitere Tore hinzukommen."