Werder-Almanach 2010 - G bis I: Alarm für Christoph 31

Werder qualifizierte sich in einem wahren Fußball-Krimi gegen den italienischen Vertreter Sampdoria Genua für die diesjährige Champions League.
Profis
Samstag, 25.12.2010 // 11:37 Uhr

Zwölf Monate sind wie im Flug vergangen. Höhen und Tiefen, Jubel und Enttäuschung, Abschiede und Rückkehrer. 2010 - wieder ein Jahr mit viele schönen Momenten und einem besonderen Jubiläum ...

Zwölf Monate sind wie im Flug vergangen. Höhen und Tiefen, Jubel und Enttäuschung, Abschiede und Rückkehrer. 2010 - wieder ein Jahr mit viele schönen Momenten und einem besonderen Jubiläum. Nicht leicht, dabei den Überblick zu behalten. Deswegen bietet WERDER.DE zum Jahresende einmal mehr den grün-weißen Almanach an. Werder 2010 von A bis Z, zum Erinnern und Schmunzeln. Heute: Teil 3 - G bis I:

G - Gladiolen

DFB-Pokalspiele kennen nur Gewinner, es ereignen sich keine Remis, dafür sorgen in allernötigsten Fällen auch Verlängerungen oder in letzter Konsequenz unbarmherzige Elfmeterschießen. Sechs Cup-Triumphe, davon fünf in den letzten 20 Jahren, beweisen, dass Mannschaften von Werder Bremen seit jeher bestens mit diesen besonderen Situationen dieses besonderen Wettbewerbs umzugehen wissen. Auch die letztjährige Austragung führte die grün-weißen Titelverteidiger dank Siegen über Union Berlin, St. Pauli, Kaiserslautern, Hoffenheim und Augsburg erneut bis ins Endspiel nach Berlin. Zum zweiten Mal in Folge, zum zehnten Mal insgesamt. Ko-Entscheidungen, Alles oder Nichts, Tod oder Gladiolen. Tod oder was...? Die Verbreitung dieser nun im deutschen Raum schon zu mittlerer Berühmtheit gelangten, blumig-martialischen Redensart aus den Niederlanden geht nachweislich auf den von dort stammenden Fußballlehrer Louis van Gaal zurück. Der trainiert hauptberuflich bekanntermaßen den FC Bayern - und erlebte mit seiner Mannschaft ein rauschhaftes Frühjahr, was neben dem Meistertitel und Champions-League-Finale auch zum Aufeinandertreffen mit Werder Bremen im Pokalfinale führte. Jedoch konnte sich Thomas Schaafs Team dem „Fußball vom Allerfeinsten" (spox.com), welchen der FCB in jenen Wochen zelebrierte, in der Endabrechnung leider nicht widersetzen. 0:4 hieß es nach Schlusspfiff. „Eines der besten Spiele von Bayern München" hatte van Gaal bewundern dürfen. „Heute muss man ehrlich sein, dem FC Bayern zu einer starken Leistung und dem verdienten Pokalsieg gratulieren", gestand Kapitän Torsten Frings. Ende Oktober, bei der abermalig gemeinsamen Pokal-Begegnung in Runde 2, sprangen die Münchner dem metaphorischen Tod allerdings - im wahrsten Sinne des Wortes - gerade so von der Schippe. Werder führte auswärts 1:0, besaß großartige Gelegenheit en masse, kassierte den Ausgleich, ging durch Sebastian Prödl eigentlich erneut in Front... Nun ja, der bekannte Rest würde zu sehr das weihnachtliche Gemüt verstimmen, um erneut weitererzählt zu werden.

H - Hubschraubereinsatz

Wie Angreifer Antonio Cassano da so schmerzverzerrten Gesichts um Hilfe flehend auf der Trage litt, war für zartbesaitete Herzen kaum mehr ertragbar. Um Folgeschäden an Leib und Seele des Italieners zu verhindern, wollten selbst die eingefleischtesten Werder-Fans in diesen Sekunden beinah zum Hörer greifen, damit der erstbeste einsatzbereite „Christoph 31" hätte einfliegen können. Und das trotz der Tatsache, in den gut 88 vorangegangenen Minuten selbst ein schon ungekanntes Ausmaß an Tristesse-Erfahrung verkraftet haben zu müssen. 0:3 lag Werder Bremen bei Sampdoria Genua im Rückspiel der Champions-League-Qualifikation zurück. Der schöne 3:1-Vorsprung aus der Vorwoche schien vollends verspielt. Giampaolo Pazzini gefiel sich auch im Rückspiel in der Rolle des treffsicheren Spielverderbers - sogar so sehr, dass er nach nur 13 Minuten einen Doppelpack geschnürt hatte. Noch vor Beginn der beiden Aufeinandertreffen teilte sein Angriffs-Partner Cassano den Journalisten mit, Werder stünde zwar „eine große Mannschaft" zur Verfügung, jedoch „wenn der Gegner Sevilla oder Tottenham gewesen wäre, dann hätte ich schon meine Zweifel gehabt. Bei den Deutschen aber nicht." Er griff später zu jeglichen Mittel, damit seine forsche Prophezeiung auch eintreten würde. Fünf Minuten vor Schluss netzte der 28-Jährige per Hacke zur vermeintlichen Vorentscheidung ein. Kurz darauf lag er in Folge eines harmlosen Zweikampfs am Boden, drängte gestenreich nach Auswechslung und hatte dabei doch nichts weiter im Sinn, als irgendwie Sekunden zu schinden. Schiri Kassai gewährte dementsprechende Nachspielzeit. In der dritten Minute dieser erschütterte Markus Rosenbergs urplötzlicher Treffer ins linke Eck die Genueser - so sehr, dass sie sich davon nicht mehr erholen sollten. Claudio Pizarro verkürzte in der Verlängerung auf 2:3 und bescherte seinem Team „die denkbar schönste Niederlage", wie ein glückseliger Geschäftsführer Klaus Allofs feststellte. „Was für ein Euro-Thriller", jauchzte derweil die Bild-Zeitung nach Atem ringend und meinte nicht etwa den Drahtseilakt einer Aufrechterhaltung der griechischen Staatsliquidität, sondern den aufwühlenden, bühnenreifen, einfach dramatischen Schlussakkord dieser Partie.

I - Internet

Auf allen Kanälen bildet Werder Bremen eine echte Hausmarke, die auf beeindruckende Sympathiewerte bis weit über europäische Grenzen hinaus verweisen kann. Erst im Mai 2010 belegte eine unabhängige Studie der TU Dortmund, dass sich die Grün-Weißen in einer Befragung von mehr als 6.000 Fußball-Fans als der attraktivste und beliebteste Klub Deutschlands herausstellten. „Das ist natürlich eine schöne Bestätigung für die Arbeit der letzten Jahre. Das ist ein Ergebnis, an dem unsere Spieler auf dem Platz, aber auch das gesamte Team hinter dem Team seinen Anteil hat", meinte Geschäftsführung Klaus Allofs. Zweifellos zählt dabei auch der Auftritt im Internet als eminent wichtiger Impulsgeber. Erst im Oktober kam Googles „DoubleClick Ad Planner" bei einer Gesamtrechnung auf 150.000 Unique Visitors, unterschiedliche Besucher, die sich auf www.werder.de mit den neuesten Informationen über den Bundesligisten versorgen. Damit liegen die Grün-Weißen - hinter dem FC Bayern, Borussia Dortmund und Schalke 04 - gemeinsam mit dem Hamburger SV auf Rang vier. Seit dem 21.12.2010 dürfen sich die Werder-Fans nun über einen neuen Internetauftritt freuen. Durch den Relaunch stellt sich die Seite nun noch übersichtlicher und emotionaler dar. „100 Prozent" Werder liefern die Grün-Weißen seit Ende Oktober ebenfalls über ihren offiziellen Facebook-Auftritt, der keine zwei Monate später bereits die Marke von 100.000 Wegbegleitern überschritten hat.