Werder-Frauen verlieren Spitzenspiel in Leipzig mit 1:2

In einer unterhaltsamen Partie mussten sich die Werder-Frauen mit Torschützin Lisa-Marie Scholz in Leipzig knapp geschlagen geben.
Frauen
Sonntag, 17.10.2010 // 14:34 Uhr

Werder Bremen musste sich im Spitzenspiel des 10. Spieltags der 2. Bundesliga Nord dem Tabellennachbarn 1. FC Lok Leipzig mit 1:2 (1:0) geschlagen geben. Nach früher Führung und guter erster Halbzeit fehlte den weiter mit argen Verletzungssorgen geplagten Grün-Weißen die Kraft, die drei Punkte mit nach Hause zu nehmen. Zwar war Maren Wallenhorst, die im rechten Mittelfeld begann, wieder einsatzbereit, doch musste Werder-Trainer Holger Stemmann neben den sieben länger verletzten Spielerinnen kurzfristig auch auf Katharina Hamann und Torhüterin Jennifer Martens verzichten.

 

Dennoch erwischten die Werder-Frauen einen guten Start, begannen aggressiv und störten die Gastgeberinnen zu Beginn früh beim Spielaufbau. Und der Einsatz wurde belohnt: Nach einem Notthoff-Freistoß aus dem Halbfeld setzten sich die Bremerinnen in der Hälfte der Leipzigerinnen fest, Josefine Holsten passte von der linken Seite quer auf die andere Innenverteidigerin Lisa-Marie Scholz, die an der Strafraumkante völlig frei stand. Werders Nummer sieben fackelte nicht lange und brachte Grün-Weiß mit einem platzierten Flachschuss aus der Drehung mit 1:0 in Führung (6.).

 

Nur zwei Minuten später hatte Werder die Chance aufs 2:0. Doch eine Leipziger Verteidigerin klärte vor der einschussbereiten Cindy König, die nach starkem Zusammenspiel zwischen Nahrin Uyar und Wallenhorst im Sechzehner angespielt wurde. Im direkten Gegenzug wurden die Gastgeberinnen erstmals gefährlich. Nach gescheitertem Klärungsversuch von Laura Kersting, kam Herrmann im Strafraum an den Ball und auf ihrem Weg zur Grundlinie im Zweikampf mit Holsten zu Fall. Die Schiedsrichterin wertete die Aktion als Foul und gab Strafstoß, doch Maria Doll hielt den mittig geschossenen Elfer von Heller (9.)

 

Werders Frauen blieben am Drücker und vergaben nur wenige Augenblick später die nächste dicke Chance. König kam nach einem Notthoff-Freistoß von der Mittellinie zum Kopfball, aber das Leder flog gegen den rechten Pfosten (12.). In der Folge wurden die Leipzigerinnen besser und setzten sich immer öfter in Bremens Hälfte fest. Die vielen langen Bälle auf Nyembo und Toth und ein paar Distanzschüsse sorgten jedoch nicht für große Gefahr. Nach 22 Minuten wurde es dann erstmals richtig gefährlich, doch die Werder-Defensive konnte in letzter Sekunde gegen Toth klären, die am Fünfmeterraum zu lange brauchte, um den Ball zu kontrollieren. Ein starkes Solo von Lysann Schneider, die über das halbe Feld marschierte und frei vor Doll abziehen wollte, wurde ebenfalls in höchster Not durch eine Grätsche von Eva-Marlen Votava gestoppt (27.).

 

In der Schlussviertelstunde der umkämpften ersten Halbzeit gab es weitere Gelegenheiten auf beiden Seiten, für Werder vergaben Wallenhorst (32.) und Uyar (33.), die es nach Zuspiel der Top-Torjägerin allein vor Leipzigs Torfrau Härling mit einem hohen Schlenzer versuchte, den die Keeperin jedoch herunterpflücken konnte. Für Lok vergaben Nyembo, weil Doll einmal mehr nach langem Pass auf die Angreiferin aufgepasst hatte und herauskam (38.) und Szuh, deren Distanzschuss aus 25 Metern knapp über den Kasten flog (39.).

 

Nach der Halbzeit kam im Leipziger Bruno-Plache-Stadion die Sonne heraus, offenbar kein gutes Zeichen für die Gäste. Denn Lok wurde nun immer stärker und vergab kurz nach Wiederanpfiff in Person von Nyembo, die nach Vorarbeit von Janitzki frei aus zehn Metern zum Schuss kam, die Riesenchance zum Ausgleich (48.). Janitzki drehte auf ihrer rechten Seite nun auf und versuchte es kurz darauf selbst, scheiterte aber am Außennetz (50.). Die Bremerinnen hatten zusehends Probleme sich hinten zu befreien und kaum noch eigene Aktionen. Folgerichtig kassierten sie den Ausgleich, als sie den Ball nach einem Eckball nicht klären konnten und die agile Herrmann von der Strafraumkante zum Abschluss kam. Der abgefälschte Ball flog unhaltbar für Doll in den linken Torwinkel (56.).

 

Nach dem 1:1 wachte Werder jedoch wieder auf. In der 57. Minute nahm Uyar es gleich mit drei Gegenspielerinnen im Strafraum auf und wurde zu Fall gebracht, doch dieses Mal entschied die Unparteiische nicht auf Strafstoß. Wenig später kam Uyar dann nach Pass von Cindy König zum Abschluss, verfehlte mit einem satten Schuss aber knapp den Kasten (58.). Das 1:2 fiel in dieser Phase wie aus heiterem Himmel, nicht zuletzt deswegen weil sich Nyembo, die Toths Treffer vorbereitet hatte (64.), bei ihrer Vorarbeit selbst darüber zu wundern schien, warum beim Zuspiel auf sie nicht auf Abseits entschieden wurde.

 

Bis zur 70. Minute vergaben Wallenhost (65.) und König (67./69.) nach Notthoff-Vorlagen drei sehr große Chancen, ehe Notthoff selbst an der gegnerischen Torfrau scheiterte (69.). Danach hatten die Bremerinnen jedoch Glück, dass die immer stärker aufspielenden Leipzigerinnen nicht das dritte Tor markierten. Szuh (72.), Janitzki (73.), Nyembo (76./79./90.+2) und Toth (81.) zielten am Tor vorbei oder scheiterten an Werders sehr starker Torfrau Doll im Eins-gegen-Eins. Kurz vor Spielende vergab Scholz, die sich in den Schlussminuten in die Offensive eingeschaltet hatte, die große Gelegenheit zum Ausgleich, doch traf sie den Ball freistehend aus 15 Metern Torentfernung nicht richtig (86.). Auch Wallenhorst hatte bei ihrem Schussversuch in der Nachspielzeit kein Glück: Härling wehrte zur Ecke ab, so dass es beim sicher nicht gänzlich unverdienten, aber dennoch aus Werder-Sicht unglücklichen 1:2-Endstand blieb.

 

Entsprechend unzufrieden war Werder-Coach Holger Stemmann nach der Partie: „Ich ärgere mich über diese Niederlage, weil sie so nicht notwendig war. Unterm Strich haben die Leipzigerinnen zwar verdient gewonnen, da sie latent stärker waren, doch wir haben viele gute Chancen fahrlässig vergeben und am Ende aufgehört zu spielen, obwohl wir nur mit einem Treffer zurück lagen.“

 

Christoph Muxfeldt

 

 

1. FC Lok Leipzig: Härling – Freitag, Herrmann, Hädrich, Ganser, Heller, Szuh, Schneider, Janitzki, Toth, Nyembo

 

Werder Bremen: Doll – Kersting, Scholz, Holsten, Votava – Golebiewski (63. Haar), Notthoff, Freyhat, Wallenhorst – Uyar (74. Bopp), König

 

Tore: 0:1 Scholz (6.), 1:1 Herrmann (56.), 2:1 Toth (64.)

 

Gelbe Karten: Hädrich (Leipzig)

 

Schiedsrichterin: Anke Seemann (Oldisleben)

 

Bruno-Plache-Stadion: 350 Zuschauer