Nabwire: "Ich war gerne ein Teil von Werder"

Doreen Nabwire und Bremen - das passte (Foto: Mennicke).
Frauen
Freitag, 18.06.2010 // 10:10 Uhr

Fast ein Jahr lang war Doreen Nabwire Omondi ein fester Bestandteil von Werder Bremen. In der vergangenen Woche wurde die 23-Jährige bereits von den Grün-Weißen verabschiedet. Bevor es jedoch im Juli endgültig zurück nach Kenia geht, sprach WERDER.de noch einmal mit „Dodo“ über ihre Zeit an der Weser.

Kaum zu glauben, dass du uns schon wieder verlässt. Wie schwer fällt dir der Abschied?
Meine Gefühlslage ist schwer zu beschreiben. Auf der einen Seite werde ich Werder und viele Menschen, die ich hier kennengelernt habe, sehr vermissen, vor allem die Mannschaft. Die Saison war sehr intensiv, man hat enge Kontakte geknüpft. Es ist nicht leicht, sich zu verabschieden. Auf der anderen Seite freue ich mich aber auch auf Kenia und mein Zuhause, meine Freunde, Familie und meinen kleinen Sohn.

Fast ein Jahr hast du deine Familie nicht gesehen, eine schwierige Zeit?
Natürlich habe ich sie sehr vermisst. Vor allem in einsamen Momenten, in denen ich an sie gedacht habe. Da habe ich mir manchmal gewünscht, ich hätte Flügel und könnte nach Kenia fliegen, um zu sehen, wie es allen geht. Aber eigentlich war es okay. Wir standen per Mail oder Telefon oft in Kontakt und wussten auch, dass die Zeit kommen wird, in der wir uns wiedersehen werden.

Was wirst du als erstes tun, wenn du in Kenia zurück bist?
So viel Zeit wie möglich mit meinen Freunden und meiner Familie verbringen. Schließlich gibt es viel zu erzählen. Ich freue mich schon richtig darauf.

Welche Erfahrungen nimmst du aus Bremen mit?
Sportlich aber auch abseits des Rasens war es das erste Mal, dass ich Erfahrungen auf einem so hohen Niveau sammeln durfte. Werder ist einer der größten Vereine in Deutschland und Europa. Viele Menschen träumen von so einer Chance, für mich ist der Traum wahr geworden. Ich habe auf so vielen Ebenen Erfahrungen gesammelt und bin glücklich, in den vergangenen Monaten ein Teil von Werder gewesen zu sein.

Was waren für dich die schönsten und traurigsten Momente?
So richtig traurige Momente gab es eigentlich gar nicht. Natürlich gab es den einen oder anderen Augenblick, an dem ich mich ein wenig einsam gefühlt habe, aber der ging dann auch schnell vorbei. Die schönen Erinnerungen überwiegen da schon mehr. Freimarkt war eine lustige Zeit oder die vielen Schulbesuche, die mir richtig viel Spaß gemacht haben. Auf dem Platz ist mir natürlich mein erstes Spiel gegen den HSV in Erinnerung. Ich war so nervös und habe viele Fehler gemacht. Und dann schieße ich auch noch zwei Tore. Einfach nur schön!

Was hat dich am meisten überrascht?
Ganz ehrlich? Ein kleiner Junge. Er ist mir in der Stadt hinterher gelaufen und hat irgendwann gefragt, ob ich Frau Omondi sei. Ich war so überrascht, dass ich auf der Straße erkannt wurde. Da war ich sprachlos. Ohnehin haben mich die Kinder sehr beeindruckt, mit welcher Begeisterung sie dabei sind, wenn es um Werder geht.

Was wirst du am meisten vermissen?
Mein Fahrrad! In Kenia ist es aufgrund des Verkehrs sehr gefährlich Fahrrad zu fahren. Das ist ganz anders als in Deutschland. Hier war ich fast nur mit dem Fahrrad unterwegs und habe die ganze Stadt damit kennengelernt.

Den langen Winter wirst du sicher gerne hinter dir lassen.
Naja, vermissen werde ich ihn nicht wirklich. Zum Fußballspielen war es sehr kalt und nass. Vor allem die Finger haben manchmal richtig weh getan. Aber ansonsten waren auch die Wintermonate schön. Eine weiße geschlossene Schneedecke ist auch sehr schön. Das hat für mich etwas sehr Friedliches. Ohnehin bin ich gar nicht so der Typ, der die ganze Zeit in der Sonne ist, da bekomme ich Kopfschmerzen. So ein nicht zu heißer Sommerabend ist genau das Richtige für mich.

Wie sieht deine Zukunft in Kenia aus?
Ich habe viele Erfahrungen gesammelt und einige Ideen im Kopf. Mal sehen, was dabei raus kommt. Auf jeden Fall werde ich an meinem Projekt „Girls unlimited“ weiterarbeiten. Dort arbeiten ca. 20 bis 25 Mädchen und junge Frauen zusammen, die älter sind als 20 Jahre und somit nicht mehr für MYSA spielen dürfen. Diesen Frauen möchten wir mit diesem Projekt eine Perspektive bieten. Wir knüpfen an die Arbeit von MYSA an, werden versuchen Mädchen für den Sport zu begeistern, sie trainieren, Schulen besuchen und ihnen eine Zukunft bieten. Das wird ein schwerer Weg, aber ich bin mir sicher, dass wir diese Herausforderung schaffen werden.

Wirst du in Kenia auch wieder Fußball spielen?
Erst vor ein paar Wochen ist in Kenia wieder eine Frauen-Liga gestartet, die von der Regierung gesponsert wird. Ich bin sehr gespannt, wie sie anläuft. Schließlich mischt die Politik nicht immer im positiven Sinne im kenianischen Fußball mit. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich dann auch wieder spiele. Bei welchem Verein weiß ich aber noch nicht.

Werden wir dich in Deutschland wiedersehen?
Viele Freunde und Bekannte fragen mich, warum ich denn überhaupt wieder nach Kenia zurückkehre. Natürlich kann ich mir vorstellen, noch einmal für ein, zwei Jahre in Europa auf diesem Niveau Fußball zu spielen. Schließlich war das immer mein Traum. Doch für mich stand auch schon immer fest, wieder nach Kenia zurückzukehren. Dafür liebe ich meine Heimat zu sehr.

Von der Mannschaft hast du ich ebenfalls schon verabschiedet. Werden dich einige Spielerinnen in Kenia besuchen kommen?
Die eine oder andere hat bereits gefragt, ob sie mich besuchen kann. Ich würde mich riesig freuen, wenn das wirklich klappen würde und ich ihnen das Land zeigen könnte.

Interview: Norman Ibenthal