Werder-Frauen: Das große Zittern hat begonnen

Die riesige Enttäuschung ist den erschöpften Werder-Frauen nach Abpfiff ins Gesicht geschrieben.
Frauen
Sonntag, 01.06.2008 // 18:07 Uhr

Im entscheidenden Relegationsspiel der Werder-Frauen gegen den Ratzeburger SV kamen die Bremerinnen am Sonntagnachmittag nicht über ein 1:1 hinaus. Vor gut 500 Zuschauern auf Platz 12 des Sportgeländes am Weser-Stadion gab das Team von Trainerin Birte Brüggemann somit den eigenen Matchball aus der Hand und muss nun auf Schützenhilfe des Niendorfer TSV hoffen.

 

Aus dem furiosen Beginn wurde ein Traumstart

 

Anders als noch vor Wochenfrist im ersten Relegationsspiel in Niendorf brauchten die Gastgeberinnen keine Sekunde, um ins Spiel zu kommen, waren von Anfang an am Drücker und zeigten keine Spur etwaiger Nervosität. Der vom selbstbewussten Auftreten der Werderanerinnen sichtlich beeindruckte Schleswig-Holstein-Meister zog sich direkt tief in die eigene Hälfte zurück. Der furiose Beginn wurde sogar zum Traumstart, als Stephanie Schröder nach schöner Hereingabe von Eva-Marlen Votava in der dritten Minute zur vielumjubelten Führung einschob. Damit gelang "Luigi", wie sie von ihren Teamkolleginnen liebevoll genannt wird, nach dem goldenen Tor in Niendorf bereits der zweite Treffer in der laufenden Relegations-Runde.

 

Die Grün-Weißen trotzten den tropischen Temperaturen, rannten weiter an und wollten nicht den Hauch eines Zweifels aufkommen lassen, wer hier heute als Sieger den Rasen verlässt. So war es abermals Stephanie Schröder, die in der zehnten Minute schon endgültig zur "Relegations-Heldin" hätte werden können: Von Saskia Mauckisch punktgenau und sehenswert durch die Schnittstelle der Gäste-Abwehr frei in Szene gesetzt, konnte sie aus zwölf Metern die gut aufgelegte Antje Bauer aber nicht überwinden.

 

Lähmungserscheinungen nach dem Ausgleichs-Schock

 

Mitten in die Sturm- und Drangphase hinein legte Ratzeburgs Nadine Petersen in der ersten wirklich ernstzunehmenden Offensivbemühung der Gäste für Sturmpartnerin Verena Fricke auf, die eiskalt Jennifer Martens zum 1:1 überlupfte (15.). Der unerwartete Schock lähmte die gerade noch flüssigen Kombinationen. Und Ratzeburg erinnerte sich zunehmend der im Vorfeld von Birte Brüggemann gelobten Kompaktheit. Von Minute zu Minute agierten sie sicherer und lauerten auf Fehler in den Bremer Reihen.

 

Vor allem Chadia Freyhat zog beinah magnetisch meist bis zu drei Gegenspielerinnen in ihren Aktionsradius, auch auf die emsige Katharina Hamann auf der rechten Außenbahn konzentrierte sich die Defensive. Werder verlor zunehmend den spielerischen Faden, die Angriffe verpufften, indem zu überhastet, oft schon aus dem Halbfeld, und über zu wenig miteinbezogene Stationen der Ball in die Tiefe probiert wurde.

 

Nach einer halben Stunde setze Freyhat dann ein Ausrufzeichen, schüttelte im Mittelfeld in unnachahmlicher Weise ihre Bewacherinnen ab, war auf dem direkten Weg zum Tor, bis sie unsanft direkt an der Strafraumkannte von den Beinen geholt wurde. Der anschließend von ihr getretene Freistoss zischte flach am linken Pfosten vorbei.

 

Das Ausrufezeichen wirkte. Direkt darauf hob Mirja Krämer gefühlvoll den Ball auf den Elfmeterpunkt, wo er Katharina Haar in aussichtsreicher Position unglücklich versprang. Kurz danach düpierte Katharina Hamann per Schere im Strafraum ihre Gegenspielerin, scheiterte jedoch aus spitzem Winkel an Torhüterin Bauer.

 

Katharina Haar verpasste den Befreiungsschlag

 

Mit einem nahezu identischen Spielzug wie dem nach einer halben Stunde spielte wieder Mirja Krämer wieder Katharina Haar frei, der diesmal die Annahme auf Höhe des Elfmeterpunktes glückte, aber erneut kein Tor: Ihren Schuss fischte Antje Bauer aus dem Ecke (44.). Es wäre der Befreiungsschlag im richtigen Augenblick gewesen.

 

Nach Wiederbeginnn traute sich Ratzeburg nach vorn. Doch Werders rechte Verteidigerin Anna Pötter rettete in brenzliger Situation vor der einschussbereiten Liva Zunker (49.). Die Partie verflachte darauf. Werder blieb zwar auch in der zweiten Hälfte komplett spielbestimmend, die Grün-Weißen kämpften aufopferungsvoll, mussten aber zusehends ihrem lange Zeit hohen Tempo unter der Gluthitze Tribut zollen. Ratzeburg agierte souverän, vor allem in der Defensive fast fehlerlos und ließ sich zu keiner Zeit herauslocken. Werder schien auch aufgrund der defensiven Abgeklärtheit der Gäste zu verkrampfen.

 

Ratzeburg blieb ein bereits gegebener Elfer verwehrt

 

Die eingewechselte Jana Beling brachte dank ihrer Quirligkeit und mutigen Spielweise noch einmal neuen Schwung. Auch Katharina Hamann mobilisierte in einem energiezehrenden Spiel ihre letzten Kräfte. So blieb ein toller Solo-Lauf von ihr aber unbelohnt (55.). Nochmals war Antje Bauer im Kasten von Ratzeburg auf ihrem Posten. Außerdem wurde eine kraftvolle Einzelleistung von Chadia Freyhat abgeblockt (64.). Und in die letzte große Tormöglichkeit Werders warf sich eine Abwehrspielerin: Nach Querpass von Katharina Hamann traf Jana Beling aus Nahdistanz auf der Linie lediglich eine Ratzeburgerin.

 

Große Aufregung herrschte noch in der Nachspielzeit. Denn Ratzeburgs Jüngste, die zuvor eingwechselte Johanna Weis, wurde im Strafraum zu Fall gebracht. Der Elfmeterpfiff ertönte. Aber nur Augenblicke später revidierte die Schiedsrichterin nach Beratung mit dem Linienrichter ihre Entscheidung. Glück für Werder. Es hätte der endgültige Genickbruch aller Aufstiegshoffnungen sein können. Danach war Schluss, die Grün-Weißen sanken erschöpft und traurig zu Boden. Ratzeburg jubelte ob des Punktgewinns.

 

Ein Quäntchen Hoffnung, das bleibt

 

Auch Trainerin Birte Brüggemann stellte nach der Partie geknickt fest: "Die Mädels haben so lange dafür gekämpft. Sie hätten den Aufstieg verdient. Es ist ernüchternd", aber "wir hätten es entscheiden müssen. Wir hatten zwar auch nicht viele, aber die besseren Chancen, waren spielbestimmend, wollten die Tore." Doch noch ist nichts verloren. Im abschließenden Spiel der Relegations-Dreierrunde erwartet Ratzeburg am kommenden Sonntag, 08.06.2008, nun den Niendorfer TSV.

 

Gewinnt Ratzeburg mit mindestens zwei Toren unterschied oder mit mindestens drei geschossenen Toren, steigt die Mannschaft von Gerhard Müller auf. Werder hilft zum direkten Aufstieg einzig ein Punktverlust der Ratzeburger. Ein letztes Hintertörchen bietet auch ein etwaiger 2:1-Sieg des Ratzeburger SV. Da Werder Nienburg mit 2:1 geschlagen hatte, wäre ein abermaliges Entcheidungsspiel gegen Ratzeburg notwendig. Birte Brüggemann appelliert deshalb an den in Sachen Aufstieg chancenlosen Hamburger Meister: "Ich hoffe auf die sportliche Fairness der Niendorfer."

 

 

Werder Bremen: Martens; Pötter, Votava, L. Möhlmann, Schröder (Aulich 70.), Krämer, Freyhat, Mauckisch, Stefanski, Hamann, Haar (Beling 55.)

 

Tore: 1:0 Schröder (03.), 1:1 Fricke (15.)