Grün-weiße Vollblutstürmerin

Maike Timmermann wechselte im Sommer vom Hamburger SV zu Werder.
Frauen
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Bislang läuft es bei der 23-Jährigen aber noch nicht so, wie sie es sich wünscht. In zwei DFB-Pokalspielen war sie zwar vier Mal erfolgreich, in sieben Liga-Spielen sprangen jedoch nur drei Treffer heraus: „Da kann ich noch mehr rausholen", weiß die gebürtige Husumerin, die selbst ihre größte Kritikerin ist: „Eigentlich war ich bislang immer recht zuverlässig was das Toreschießen anging. So eine Phase hatte ich noch nie. Da zerbreche ich mir schon manchmal den Kopf."

Der Einstand beim SV Werder Bremen hätte für Maike Timmermann kaum erfolgreicher sein können. Gleich neun Treffer steuerte die Angreiferin, die im Sommer vom HSV zu Werder gewechselt war, im ersten Testspiel bei. Diese Torgefahr möchte sie nun auch in der 2. Bundesliga unter Beweis stellen.

Bereits seit jüngster Kindheit war Maike Timmermann eine „Vollblutstürmerin". Ihre beiden älteren Brüder stellten sie zwar bei ihren ersten fußballerischen Gehversuchen in das Tor, doch „später habe ich dann draußen gespielt. Da war ich sogar teilweise besser als die beiden." Ihr erstes Trikot streifte sie 1995 für Blau-Weiß Friedrichstadt über. Nach weiteren Stationen beim 1. FC Binz, SV Frisia Risum-Lindholm und Tura Meldorf führte sie ihr Weg 2009 zum Hamburger SV - jedoch eher aus Zufall: „Eigentlich wollte ich zum FC St. Pauli", so Timmermann, die es aufgrund ihres Lehramtstudiums (Deutsch/Religion) nach Hamburg zog. „St. Pauli fand ich schon immer sympathisch. Leider fehlte mir dort die sportliche Perspektive. Daher bin ich dann zum Probetraining des HSV gegangen", verrät Timmermann. „Mein Ziel ist es zwar, immer das Bestmögliche herauszuholen, doch dass es dann so gut lief, hätte ich nicht erwartet."

Steile Karriere - schnelles Ende beim HSV

Auch dank ihrer Treffsicherheit schaffte die dritte Mannschaft des HSV den Aufstieg in die Regionalliga Nord (2010), im Jahr 2011 wurde sie mit der Zweiten im Jahr 2011 Meister der 2. Bundesliga („Einer der schönsten Tage in meiner Karriere") und eine Saison später lief sie bereits in der 1. Bundesliga auf (19 Spiele/5 Tore). „Sicherlich habe ich zu diesem Zeitpunkt von dem Chaos beim HSV profitiert. Die Zweite wurde gerade aus der 2. Liga zurückgezogen und ich rückte dann in den Kader der Bundesliga-Mannschaft auf", so Timmermann, die der Rückzug des HSV aus dem Frauenfußball mental stark mitgenommen hat. „Im März dachten wir noch, dass es weitergeht und wir sogar wieder mehr unterstützt werden, doch im Mai wurde dann gesagt, dass kein Geld mehr da sei. Für uns war es dann schon nicht einfach, sich auf die Spiele zu konzentrieren, wenn man weiß, dass es eh nicht mehr weitergeht."

Die Idee, ihre Karriere beim SV Werder fortzusetzen, kam letztendlich über den Kontakt mit ihrer jetzigen Teamkollegin Nadine Moelter auf, die ein Jahr zuvor vom HSV an die Weser wechselte. „Sie hat mich gefragt, ob ich mir das nicht vorstellen könnte. Im ersten Moment fand ich das absurd, wie sollte das mit meinem Studium gehen? Aber ich habe ein wenig drüber nachdacht und gesehen, dass ich in Oldenburg weiterstudieren kann. Dazu fand ich Werder schon immer einen sympathischen Verein, von dem ich nur Gutes gehört habe."

"Können mit allen Teams der Liga mithalten" 

Bereut hat die Pastoren-Tochter („Mama ist Pastorin, Papa war es und ist jetzt Lehrer") ihren Schritt bislang nicht: „Ich wollte zu einem Verein mit einem soliden, sozialen Umfeld, bei dem die Strukturen besser sind und ich nicht die Angst haben muss, dass der Frauenfußball schon bald abgeschafft wird. Alle, die mich kennen und mich jetzt sehen, sagen, dass ich fröhlicher wirke. Das bestätigt mich in meiner Entscheidung für Werder."

Sportlich sieht die leidenschaftliche Musikerin (Saxophon in der Band „Salestis) ihr Team auf einem guten Weg: „Wir müssen an die guten Spiele anknüpfen und eine Siegermentalität entwickeln. Vom Potenzial her können wir mit allen Teams der Liga mithalten. Kurz bis mittelfristig wollen wir unter die ersten Drei kommen. Ziel und Traum ist natürlich irgendwann der Aufstieg", erklärt Timmermann, die ihre Treffsicherheit schon bald wiederfinden möchte: „Ich versuche einfach weiterzumachen und nicht zu viel nachzudenken. Dann klappt es auch vor dem Tor wieder!"

Norman Ibenthal