Später Ausgleich sorgt für "gefühlten Sieg" gegen BVC

Buntes Schuhwerk und vereinte Kräfte: Werders Fußballerinnen erkämpften einen Punkt gegen den BVC
Frauen
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Als Stephanie Goddard den Ball in der 88. Minute zum 1:1 in den linken Torgiebel schoss, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. In einem kampfbetonten Zweitbundesligaspiel, indem sich Werders Frauen sowie auch die Fußballerinnen des hochgehandelten BV Cloppenburg alles abverlangten, konnten die Grün-Weißen ihren Kontrahentinnen die Stirn bieten und bleiben auf dem fünften Tabellenplatz.

Es geht stramm auf die Winterpause zu. Dies war die erste Erkenntnis des Tages, die sich bereits schon vor dem Abpfiff auf Grund der eisigen Temperaturen ziehen lassen konnte. Immerhin, die Stimmung war alles andere als eisig: Vor allem die Anhängerschaft der ganz in rot gekleideten Gäste sorgten mit stimmgewaltigen Anfeuerungsrufen für eine ansprechende Atmosphäre im heimischen Stadion „Platz 12".

Anstoß Werder. Gleich in den ersten Minuten des Spiels wurde klar, dass sich die Gastgeberinnen nicht verstecken wollten vor dem aktuellen Tabellenzweiten. Mit mutigen Offensivvorstößen und der so wichtigen Souveränität in der Hintermannschaft gelang das gute Auftreten in der Anfangsphase des Spiels. Doch auch die Frauen des BVC spielten ansprechend mit, ein erster Warnschuss der polnischen Nationalspielerin Agnieszka Winczo ging allerdings weit daneben (8.). Wenig später hatte die Elf von Trainer Dirk Hofmann eine aussichtsreiche Gelegenheit: Stephanie Goddard steckte wunderbar durch zu Nahrin Uyar, die sich frei vor dem Tor in Schussposition brachte aber den Ball dann leicht über das Gehäuse beförderte (11.).

In der Folgezeit ließ sich ein leichtes Übergewicht bei Werder erkennen, der BVC über weite Strecken zu schwach und ungefährlich. Von der Favoritenrolle, die dem BVC vor dem Spiel zugesprochen wurde, war nichts zu erkennen, was auch Gästetrainerin Tanja Schulte lautstark an der Seitenlinie bemängelte. Die erste Halbzeit plätscherte kampfbetont aber chancenarm vor sich hin, wenngleich Werder auch die aussichtsreicheren Möglichkeiten in den gegnerischen Gefilden besaß. 38 Minute: Werder Kapitänin Lisa-Marie Scholz versuchte sich vor der Halbzeit mit einem Fernschuss, der jedoch sein Ziel verfehlte. Dann der Pfiff, Schiedsrichterin Jaqueline Herrmann aus Hamburg lud ein zum Pausentee. Den ersten Durchgang brachte ein Zuschauer auf der Werdertribüne auf den Punkt: „Noch war das kein Spiel zum warm werden, aber das kommt vielleicht noch."

Er sollte Recht behalten, die zweite Halbzeit begann ähnlich rassig und leidenschaftlich - und mit einem Tor für den BV Cloppenburg. Doch dann hob die Linienrichterin die Fahne: Abseits. Weiterhin 0:0 im Bremen-Cloppenburg-Derby. Das nicht gegebene Tor verlieh den Gästen allerdings Auftrieb. Immer mehr drängte der BVC in den Werder-Strafraum. In der 66. Minute war es dann ein Freistoß aus linker Position, gute 35 Meter, den Tanja Baumann auf den Kopf von Agnieszka Winczo brachte. Die Topstürmerin nickte den Ball ins lange Eck zur 1:0 Führung ein, Jennifer Martens im Werdertor machtlos. Das Spiel wurde danach noch temporeicher, noch hitziger. Goddard scheiterte mit dem Kopf (72.), ehe sie dann kurz vor Schluss doch noch zur Matchwinnerin werden sollte: 88. Spielminute, das Spiel scheint gelaufen. Plötzlich doch noch ein weiter Ball in die Spitze, Goddard nimmt hochklassig an und schießt den Ball links oben in den Winkel. 1:1 Ausgleich, Jubel in grün-weiß, Enttäuschung und Frust in rot. Die weiße dicke Nebelwand, die sich in den Schlussminuten langsam auf das Spielfeld geschlichen hatte, konnte es auch nicht mehr verdecken: Werders Frauen ringen dem BV Cloppenburg ein verdientes 1:1 Remis ab und bleiben in der Liga das dritte Spiel in Folge ungeschlagen.

Dementsprechend zufrieden zeigte sich Werder-Coach Dirk Hofmann nach dem Spiel: „Das ist heute ein gefühlter Sieg für uns. In der ersten Halbzeit waren wir schon leicht besser, hatten mehr Chancen und haben wenig zugelassen. Das Gegentor ist dann unglücklich gefallen, aber insgesamt haben wir heute genau das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben." Den fünften Treffer im neunten Spiel von Stephanie Goddard sah Hofmann so: „Ein Weltklassetor. Das hat sie wirklich gut gemacht, erst die Annahme und dann die Vollstreckung." In der nächsten Woche, bereits am Sonnabend um 14 Uhr, wartet der nächste Brocken: Der FF USV Jena II empfängt die Grün-Weißen und bittet zum nächsten heißen Tanz.

Von Cord Sauer

Werder Bremen: Martens - Moelter, William, Votava, Eckermann - S. Schneider (55. M. Schröder), Scholz, Notthoff, Goddard - König (90.+3 Jobe), Uyar

BV Cloppenburg: A. Schlösser - Kirchberger (58. Kösjan), Baumann, Aschauer, Klumpe - Wübbenhorst (73. Luker), Grad, K. Schlösser, Stobba - Pollmann, Winczo

Tore: 0:1 Winczo (66.), 1:1 Goddard (88.)

Gelbe Karten: Moelter, Scholz (beide Werder), K. Schlösser (Cloppenburg)
Schiedsrichter: Herrmann (Hamburg)
Stadion „Platz 12": 180 Zuschauer