"Wir lassen uns nicht unterkriegen und machen weiter"

Über Ruhe in der Mannschaft und den Umgang mit Rückschlägen

Die Mannschaft des SV Werder Bremen nach dem Spiel gegen Dynamo Dresden.
In die Mannschaft des SV Werder ist Ruhe eingekehrt (Foto: WERDER.DE).
Profis
Mittwoch, 04.05.2022 / 17:38 Uhr

Von Solveig Haas

Die Saison ist fast vorbei. Zwei Spieltage sind noch zu spielen. Unter Ole Werner hat die Mannschaft unseres SVW jetzt einmal gegen jeden Gegner der zweiten Bundesliga gespielt. Zu Buche stehen seitdem elf Siege, vier Remis, zwei Niederlagen und ein ordentlicher Sprung nach oben in der Tabelle ...

Ruhe ist drin in der Mannschaft, seit Ole Werner Trainer bei Werder Bremen ist, „Werner hat für Ruhe und Vertrauen im Team gesorgt“, schrieb unter anderem der Weserkurier, man kletterte von Tabellenplatz zehn zwischenzeitlich sogar bis ganz an die Spitze. Nun ist ‚Ruhe in der Mannschaft‘ ein Faktor, der sich nur schwer messen lässt. Aber tatsächlich müssen die Werderfans seit Ende November 2021, als Ole Werner die Mannschaft übernahm, deutlich weniger zittern: Die Grün-Weißen gehen souverän mit Rückständen um, erreichten zweimal ein Unentschieden und dreimal einen Sieg aus einem anfänglichen Rückstand. Gegen Paderborn lag man sogar zweimal hinten, feierte am Ende einen 3:4 Auswärtssieg. „Ole hat uns eine klare Struktur gegeben, hat uns als Team Rückhalt gegeben und für jede Position individuell Lösungen an die Hand gegeben“, sagte Niclas Füllkrug bereits Tage nach Werners Amtsantritt, nämlich nach dessen 4:0-Einstands-Sieg gegen den FC Erzgebirge Aue. Den Vergleich zu damals möchte Ole Werner aber ungern ziehen. „Die Situationen sind ja nicht zu vergleichen. Damals war das etwas ganz anderes, weil die Mannschaft uns als Trainerteam ja überhaupt nicht kannte und wir in einer ganz anderen tabellarischen Situation waren. Die Mannschaft hat sich in den letzten Monaten entwickelt.“

Inzwischen, so Werner, habe man sich eine sehr positive Situation erarbeitet. Und auch wenn sein Amtsantritt wohl den Anstoß dazu gab, betont der Cheftrainer immer wieder, dass jeder Erfolg eine Leistung des gesamten Teams ist. Auch Milos Veljkovic sagte nach dem Erfolg gegen Aue: „Die Mannschaft hat die turbulente Zeit in den letzten Wochen super weggesteckt. Wir haben in dieser Zeit mehr Gespräche geführt und sind viel kommunikativer geworden. Wir halten noch stärker zusammen und das überträgt sich auch auf den Platz. Ich kann der Mannschaft nur ein Lob aussprechen – das war keineswegs eine einfache Zeit." Mit dem neuen Zusammenhalt in der Mannschaft ging es nach Regensburg, wo die Grün-Weißen dennoch zunächst in Rückstand gerieten – Steve Breitkreuz traf bereits in der fünften Spielminute. Erschüttern konnte das die Mannschaft nicht, erklärte Leonardo Bittencourt nach dem Spiel: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir das Spiel heute verlieren.“

Vor dem 4:1-Sieg in Hannover standen die Werderaner noch auf dem neunten Tabellenplatz, aber auch damals war das Rennen schon äußerst knapp. „Der neunte Platz sieht vielleicht auf den ersten Blick etwas doof aus, aber es sind nur drei Punkte auf den dritten Platz. Wir arbeiten hart und intensiv, um unsere Serie fortzusetzen. Wir wollen mit einem guten Gefühl das Jahr beenden“, gab Torjäger Marvin Ducksch damals die Linie vor. Das gelang, Ducksch selbst traf im Spiel gegen 96 einmal selbst und legte den Treffer zum 4:1 von Marco Friedl vor. Auch der Start ins Jahr 2022 lief beinahe ideal, es folgten die Siege gegen Düsseldorf, Paderborn, Karlsruhe und Rostock.
Besonders im Spiel gegen Paderborn bewies Werder sich als Mannschaft, die sowohl mit Rückständen als auch mit widrigen Verhältnissen gut umgehen kann. „Das Spiel hat gezeigt, wie viel Moral das Team hat und wie sehr die Spieler bei den Dingen bleiben, die man vorher bespricht. Von daher können wir viel aus diesem Spiel rausziehen“, sagte Trainer Ole Werner damals über seine Mannschaft. Auch Marvin Ducksch war voll des Lobes: „Das Spiel zeigt, welchen Weg wir eingeschlagen haben. Da zeigt sich auch, dass der Trainer uns einen klaren Plan mitgibt. Zudem wird deutlich, welchen Spirit wir haben. Egal, ob im Spiel oder im Training. Allein wie die Bank während des Matches aufspringt, zeigt vieles. Dieses Gefühl brauchen wir." Und auch aus der Mannschaft kam nun ein Sonderlob für die Ruhe des Trainers. „Ole Werners gelassene Art auch außerhalb des Platzes trägt zum ruhigen Arbeiten bei. Wir sind als Mannschaft zusammengerückt, das sieht man auch auf dem Platz. Deshalb bin ich sehr froh, dass er unser Trainer ist", so Marco Friedl.

Nach Rückschlägen zurückkommen können

Nach dem Spiel gegen Hansa Rostock, Werder Bremen hat inzwischen den zweiten Tabellenplatz inne, erfährt die Mannschaft ihren ersten Dämpfer. Gegen den Tabellenletzten Ingolstadt reicht es nur für ein 1:1. „Es fühlt sich unter dem Strich wie eine Niederlage an", rekapituliert Marco Friedl damals. Und das, obwohl Werder an diesem Spieltag sogar vorübergehend an die Tabellenspitze springt. Aber, so hält Ole Werner damals fest: Eine Siegesserie ist wenig aussagekräftig und kann jederzeit zu Ende sein. „Ich hätte heute gerne gewonnen, alles andere zur Serie interessiert mich nicht.“ Daran, wie dieses Remis damals medial eingeordnet wurde, erinnert der Cheftrainer sich noch heute: „Wie wurde nach dem Ingolstadtspiel geredet? Es hieß 'Wie kann man unentschieden spielen, gegen den Tabellenletzten?‘ Und dann sind wir nach Hamburg gefahren und haben die richtige Reaktion gezeigt“, so Werner. Eine Reaktion, an die sich alle Werderaner wohl noch lange erinnern werden: Der 2:3 Derbysieg gegen den Hamburger SV. Der Sieg brachte dem SVW nicht nur erneut die Tabellenspitze, sondern war auch Balsam auf der Grün-Weißen Seele – nicht nur bei den Fans, auch beim Team. Dennoch fangen Spieler wie Trainer die Emotionen schnell wieder ein, setzen den Fokus auf den Rest der Saison. „Wir müssen nächste Woche den Sieg von heute für die Tabelle vergolden. Emotional ist so ein Derbysieg, bringt aber leider trotzdem nur drei Punkte. Es sind noch zehn Spiele zu absolvieren und wir schauen von Woche zu Woche“, relativiert etwa Ole Werner.

Zehn Spiele noch, Werder führt die Tabelle an. Zuhause gegen Dresden reicht es für einen Sieg, auch wenn die Mannschaft sich erneut nach einem Rückstand zurückkämpfen muss. Und in Heidenheim wartet dann die erste Niederlage unter Ole Werner. Mit einem 1:2 kommt die Mannschaft, die auf Kapitän Ömer Toprak verzichten musste, aus Süddeutschland zurück. Doch auch hier finden die Spieler direkt nach dem Spiel sehr objektive Worte: „Wir bleiben ruhig und entspannt. Nächste Woche haben wir wieder ein wichtiges Spiel und müssen schauen, dass wir uns gut vorbereiten. Am letzten Spieltag wird abgerechnet, egal wie es läuft. Demütig bleiben und weitermachen", sagt etwa Niclas Füllkrug. Leonardo Bittencourt betont die bisherige Leistung der Mannschaft: „Von elf Spielen haben wir eins verloren. Daran sollten wir anknüpfen. Wir haben nächste Woche ein geiles Spiel vor der Brust."
Vor dem Spiel gegen Darmstadt trifft Werder dann ein personeller Rückschlag nach dem anderen, am Spieltag fehlen neben Ömer Toprak auch Marco Friedl, Mitchell Weiser und Marvin Ducksch. Trotzdem besinnt die Mannschaft sich auf ihre Stärken, gewinnt 1:0 unter Flutlicht im eigenen Stadion. Niclas Füllkrug lobt danach vor allem die Mannschaftsleistung:  „Es war die ganze Woche ein Rückschlag nach dem anderen. Aber für uns war von Anfang an klar, dass wir da durchmarschieren und es für dieses Spiel nur einen Sieger gibt – das wollten wir sein. Es war eine tolle Teamleistung. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, dass wir heute als Gewinner vom Platz gegangen sind.“

Nach den drei Unentschieden gegen Sandhausen, St. Pauli und Nürnberg und der zwischenzeitlichen Rückkehr der Rekonvaleszenten, folgte dann vor dem Spiel auf Schalke der nächste personelle Rückschlag: Gegen die Knappen fehlen Ömer Toprak, Milos Veljkovic und Christian Groß. „Dreimal unentschieden und dann die Personalsituation, was war vor Schalke los in den Medien?“, erinnert sich Ole Werner. Und auch darauf findet die Mannschaft eine furiose Antwort, gewinnt 4:1. Ole Werner fasst zusammen: „Die Mannschaft hat schon vieles erlebt, musste viele Rückschläge mit Verletzungen aushalten, aber wir lassen uns davon nicht unterkriegen und machen einfach weiter. Wir kümmern uns um die Dinge, die wir beeinflussen können.“

Mit diesem Selbstverständnis wird die Mannschaft nun auch in die letzten beiden Saisonspiele gehen: „Wir können mit dem Bewusstsein in die Spiele gehen, dass uns in den letzten Monaten oft gelungen ist, die richtigen Antworten auf Rückschläge zu finden“, sagt Cheftrainer Werner am Dienstag im Gespräch mit WERDER.TV (zum Video). „Diese Reaktion müssen wir jetzt wieder zeigen, Vertrauen haben in die eigene Stärke. Ich habe eine super Mannschaft, ich habe super Spieler, einen super Charakter in der Truppe und jetzt geht es nach vorne.“

 

 

 

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