Hexenkessel Millerntor wartet auf die Werder-Profis

Ivan Klasnic traf im DFB-Pokal in der Saison 2002/03 auf seinen Ex-Klub St. Pauli, konnte aber sichtlich enttäuscht kein Tor erzielen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Eine Hexenkessel-Atmosphäre erwartet die Grün-Weißen am kommenden Mittwoch, 25.01.2006, live ab 20.15 Uhr in der ARD, wenn die Elf von Cheftrainer Thomas Schaaf im Viertelfinale beim FC St. Pauli antritt. Dass das Publikum am Millerntor die Kiezkicker zum Sieg tragen kann, hat nicht nur das letzte DFB-Pokal-Spiel von St. Pauli gegen Hertha BSC bewiesen, als die Hauptstädter in der Verlängerung durch das Tor von Robert Palikuca zum 4:3 aus dem Pokal gekickt wurden. Auch Cheftrainer Thomas Schaaf weiß um die einmalige Atmosphäre: "Ob als Trainer, Spieler oder Zuschauer - es ist immer etwas Besonderes ans Millerntor zu kommen. Die Fans machen eine wahnsinnige Stimmung dort und das alles ganz ohne Gewalt", lobt der Bremer Coach die Anhänger der Kiezkicker.

 

Am Millerntor ist alles möglich: Wenn die Profis von Werder Bremen im Nordderby auf den "Weltpokalsiegerbesieger" vom 06.02.2002 (Pauli schlug Bayern München am Millerntor 2:1) treffen, ist der Ausgang der Partie zwischen dem Erstligisten aus Bremen und dem Drittligisten aus Hamburg eine spannende Angelegenheit. Im DFB-Pokal sind sie der absolute Überraschungskandidat. In der ersten Runde besiegten die Hamburger den Zweitligisten Wacker Burghausen in der Verlängerung mit 3:2, gingen in der zweiten Runde gegen den bis dahin in der zweiten Liga ungeschlagenen VfL Bochum als Sieger aus der Partie und stellten auch im Achtelfinale gegen Hertha BSC ihre Gewinner-Qualitäten unter Beweis.

 

Paulis Felix Luz traf das entscheidende Tor zur Verlängerung der Pokal-Partie Pauli gegen Hertha.

Die Erfolgsgeschichte der Paulianer in dieser Pokal-Saison basiert auf einer starken Vorstellung in der Regionalliga. Dort hat sich die Mannschaft nach dem jähen Absturz aus der Bundesliga, der 2002 einsetzte, gefangen und sorgt wieder für positive Schlagzeilen. Nach Platz acht und sieben in den beiden vorangegangenen Spielzeiten, spielen sie in diesem Jahr wieder um den Aufstieg mit. Die Braun-Weißen stehen mit 40 Punkten aus 20 Spielen auf Platz drei der Liga, nur vier Punkte hinter dem Spitzenreiter aus Kiel.

 

Die Euphorie am Millerntor wird aber auch von der erfolgreichen Vorbereitung auf die Rückrunde gestärkt. Die Testspiele vor dem Pokalkracher gegen Werder Bremen verliefen für die Kiezkicker hervorragend: Gegen den Niedersachsenligist Lüneburger SK gewann St. Pauli 6:0. Die Tore schossen Meggle (2), Boll (2), Sulentic und Luz.

 

Letzterer sorgte erst am Wochenende wieder für einen positiven Punkt. Sein Ausgleichstreffer zum 2:2 kurz vor dem Ende des Pokalspiels gegen Hertha BSC wurde zum zweitbesten Tor des Jahres (20,19%) in der ARD-Sportschau gewählt. Für Werder-Trainer Thomas Schaaf ist er einer von mehreren Kickern, auf die besonderes Augenmerk gelegt werden soll. "Mit Luz, Scharping und Mazingu haben sie wieder echte Typen, die viel für die Mannschaft bewirken können." Und zu was die Gastgeber im Stande sind, weiß Schaaf ganz genau. "Mit diesem Publikum im Rücken fällt es dir leichter, weiterzukämpfen, wenn die Beine müde werden. Eine Stärke von St. Pauli ist es, dass sie immer wieder die Ärmel hochkrempeln. So haben sie im Spiel gegen Hertha gleich zwei Mal einen Rückstand wieder aufgeholt. Das verdient großen Respekt."

 

Frank Baumann ist einer der drei Akteure, die schon vor drei Jahren in der Startformation der Grün-Weißen standen.

In der Saison 2002/03 standen sich die beiden Klubs aus dem Norden zuletzt im DFB-Pokal gegenüber. In der zweiten Runde gewannen die Grün-Weißen das Duell am Millerntor mit 3:0. Für die Werderaner waren Ludovic Magnin, Ailton und Markus Daun erfolgreich. Drei der heutigen Werder-Profis standen auch schon vor drei Jahren in der Startelf der Bremer: Frank Baumann, Ivan Klasnic und Tim Borowski.

 

Am Millerntor treffen die Grün-Weißen auf zwei Kicker aus dem Nachwuchs-Leistungszentrum von Werder Bremen, die mittlerweile im Kader der Elbestädter gelandet sind: Stürmer Sebastian Wojcik und Mittelfeldmann Timo Schultz. Werder-Coach Thomas Schaaf kann sich noch gut erinnern an die Jungs aus dem Werder-Nachwuchs: "Die beiden sind charakterlich gute Jungs, Basti geht weite Wege und scheut sich nicht die Situationen, die weh tun, zu suchen. Timo ist ein wirklich feiner Fußballer." Und hat in der aktuellen Saison bereits zwei Treffer erzielt. Sebastian Wojcik konnte ebenfalls seine Qualitäten unter Beweis stellen und erzielte in dieser Saison vier Tore, eins davon im DFB-Pokal gegen Wacker Burghausen.

 

von Juliane Schramm