„Wir brauchen mehr Sichtbarkeit von Frauen“

09.03.26 von Tineke Ruchel | 5 Min

Unsere Frauen bei Werder stehen für Vielfalt und genauso vielfältig sind ihre Geschichten. Einige dieser Frauen, die den SVW jeden Tag prägen und mitgestalten, stellen wir euch bei WOMEN AT WERDER vor. Für Malin Jänicke, Mitarbeiterin Young Fans & Engagement, war es schon früh ein Traum, eines Tages für den SV Werder zu arbeiten. Im Interview mit WERDER.DE spricht Jänicke über ihren Weg zum SVW, warum sie unbedingt in der Sportbranche arbeiten wollte und welche Bedeutung die Sichtbarkeit von Frauen für sie hat.

WERDER.DE: Moin Malin, wenn du dich in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Malin Jänicke: Ich würde sagen: zuverlässig, humorvoll und spontan.

WERDER.DE: Nach der Schule hast du International Sport Management in Den Haag studiert. Wieso hast du dich damals dafür entschieden?

Malin Jänicke: Ich wollte gerne auf Englisch studieren und wusste schon sehr früh, dass ich in Richtung Sport gehen will. Ich hatte erst überlegt Sportjournalismus zu studieren, habe mich aber schließlich für Sportmanagement entschieden, weil der Studiengang breit gefächerter ist. Auf der Suche nach einer passenden Universität im Ausland bin ich in Den Haag hängengeblieben, weil die Stadt einfach perfekt zu mir gepasst hat. Ich habe ehrlich gesagt nicht lange drüber nachgedacht, mich direkt beworben und kurze Zeit später wurde ich angenommen. Innerhalb von nur vier Wochen bin ich schließlich in die Niederlande gezogen.

WERDER.DE: Wieso hast du dich damals für den Schritt ins Ausland entschieden?

Malin Jänicke: Ich war vorher schon viel im Ausland unterwegs und habe in den Sommerferien im Ausland gearbeitet, weswegen ich ganz gut Englisch spreche. Außerdem war ich für einen Austausch in den USA. Deswegen war der Schritt ins Ausland für mich gar nicht so groß. Mein Motto lautete immer, einfach machen.

WERDER.DE: Was hat dich an der Sportbranche gereizt? Welche Rolle hat der Sport in deinem Leben gespielt?

Malin Jänicke: Der Sport war immer eines der prägendsten Elemente in meinem Leben. Ich konnte mir nicht vorstellen, einen Job zu machen, bei dem ich klassisch ein Produkt vermarkte oder versuche zu verkaufen. Ich wollte einen Job haben, den ich lebe, hinter dem Feuer und Emotionen stecken. Deswegen war für mich schnell klar: Ich will in den Fußball, weil der mich schon mein ganzes Leben lang begleitet hat. Ich habe selbst nicht aktiv gespielt, aber Fußball hatte in unserer Familie einen hohen Stellenwert.

WERDER.DE: Hättest du dir eine stärkere Präsenz von Frauen gewünscht?

Malin Jänicke: Auf jeden Fall. Wenn ich früher gewusst hätte, dass die Fußballbranche eine Männerdomäne ist und was es dann im Endeffekt bedeuten kann, hätte mir das auf jeden Fall geholfen. Es hätte mir geholfen, einfach zu wissen, dass es Frauen in dieser Männerdomäne gibt. Von außen sieht man das gar nicht. Das zu wissen, hätte mir definitiv geholfen, auch wenn es an meiner Entscheidung nichts geändert hätte.

WERDER.DE: Nach dem Studium ging es für dich zum FC Augsburg für ein Praktikum. Welche Erfahrungen hast du dort gemacht?

Malin Jänicke: Ich habe damals nach einem spannenden Praktikum gesucht, bei dem ich parallel meine Bachelorarbeit schreiben konnte. Als ich auf die Stelle beim FC Augsburg gestoßen bin, hat mir die Beschreibung direkt gefallen. Das Praktikum war im Bereich Organisation, Eventmanagement und Mitgliederwesen. Ich habe mich in Augsburg sehr schnell wohlgefühlt und wurde von allen direkt gut aufgenommen. In der Zeit habe ich vor allem das gelernt, was zum Start ins Berufsleben dazugehört: Wie finde ich mich in ein Team ein? Wie kann ich mich beweisen? Wie gehe ich mit Kolleg*innen um, wie baue ich mir etwas auf? Das sind die Dinge, die ich in Augsburg sehr schnell gelernt habe, das hat mir total geholfen. Nach meinem Praktikum konnte ich mir nicht vorstellen, wieder zu gehen, weshalb ich sehr froh war, dass ich noch zwei weitere Jahre dableiben durfte.

WERDER.DE: Danach ging es für dich aus dem Süden in den Norden. Knapp 700 Kilometer liegen zwischen Augsburg und Bremen. Wie bist du auf die Stelle bei Werder aufmerksam geworden?

Malin Jänicke: Ich wollte mich einer neuen Herausforderung stellen und mich woanders neu beweisen. Ich bin ein Mensch, der immer wieder etwas Neues braucht. Mein Ziel war es schon früh, eines Tages wieder nach Bremen zurückzukommen. Ich habe die Stelle online gesehen und dachte mir, dass das gut passen könnte. Mit meiner Expertise und meiner Freude an der Arbeit konnte ich mich auch direkt gut einbringen.

WERDER.DE: Was motiviert dich und treibt dich jeden Tag aufs Neue an?

Malin Jänicke: In meiner Position ist es das direkte Feedback der Kinder, weil wir schon während des Events sehen können, ob die Kinder Spaß haben oder eben nicht. Diese Art von Feedback bekommt man kaum in einer anderen Abteilung. Zu sehen, wie glücklich die Kinder bei den Veranstaltungen sind, macht mich glücklich und motiviert mich, immer weiterzumachen.

WERDER.DE: Was würdest du jungen Frauen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen, raten?

Malin Jänicke: Einfach machen. Je mehr ihr die Dinge überdenkt, desto mehr kommt ihr ins Grübeln und desto mehr Angst bekommt ihr. Am Ende findet sich immer eine Lösung. Selbst wenn es nicht die richtige Entscheidung war, könnt ihr immer noch etwas anderes machen. Traut euch. Wenn es am Ende schief geht, dann geht es halt schief. Das ist nicht schlimm. Das Wichtigste ist, sich zu trauen und auch mal etwas zu riskieren.

WERDER.DE: Was wünscht du dir für die Zukunft von Frauen in der Fußballbranche?

Malin Jänicke: Wir befinden uns schon auf dem richtigen Weg. Nichtsdestotrotz brauchen wir mehr Sichtbarkeit von Frauen, um jungen Mädels, die in den Sport wollen, Mut zu machen. Ich würde mir noch mehr Zusammenhalt von Frauen für Frauen wünschen. Da gibt es definitiv noch Potenzial. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen und weniger hinterm Rücken übereinander reden. Das wünsche ich mir nicht nur für die Frauen, sondern für die gesamte Gesellschaft.

WERDER.DE: Danke für deine Offenheit und deine Zeit, Malin.

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