„Sei die Erste, die etwas Neues anstößt“

10.03.26 von Judith Zacharias | 6 Min

Unsere Frauen bei Werder stehen für Vielfalt und genauso vielfältig sind ihre Geschichten. In den kommenden Wochen werden wir einige dieser Frauen, die den SVW prägen und mitgestalten, vorstellen. Heute: Julia Perlebergs Job ist es, unvergessliche Momente zu kreieren – für die Mitglieder im 60plus-Programm genauso wie für unsere Einlaufkids im Weserstadion. Im Interview spricht sie über ihren Weg vom Fan zur Mitarbeiterin, über Gemeinschaft und darüber, warum Sichtbarkeit und Vielfalt im Fußball für sie unverzichtbar sind.

WERDER.DE: Moin Julia, erinnerst du dich noch an deine allererste bewusste Begegnung mit Werder?

Julia Perleberg: Mein Papa war großer Werder-Fan, deshalb wurde ich früh an den Verein herangeführt. Das erste prägende Erlebnis, an das ich mich erinnern kann, ist, dass ich damals bei einem Kindergeburtstag einer Freundin ins Stadion gegangen bin und an dem Tag im Tippspiel eine Tasse mit Autogrammen von allen Spielern gewonnen habe. Die hatte ich noch ganz viele Jahre. Das habe ich noch gut in Erinnerung.

WERDER.DE: Zu dieser Leidenschaft kommt jetzt hinzu, dass Werder auch dein Arbeitgeber ist. Welche Rolle spielt der Verein in deinem Leben?

Julia Perleberg: Werder ist seit damals immer Teil meines Lebens geblieben – mal mehr und mal weniger präsent, aber ich war oft mit meinem Papa im Stadion, wir haben Trikots geschenkt bekommen, ich hatte Lieblingsspieler, das volle Programm. Dass ich jetzt auch hier arbeiten darf, rundet das Ganze für mich perfekt ab.

WERDER.DE: Du hast Internationales Tourismusmanagement studiert. Fußball war also damals noch nicht dein Traumwunsch?

Julia Perleberg: Ich hatte damals gar nicht im Kopf, dass Fußball auch eine Branche ist, in der ich arbeiten kann. Fußball war für mich immer am Wochenende. Wie viel abseits des Wochenendes dahintersteckt, wie viele Themen auch unter der Woche bearbeitet werden, das wusste ich nicht. Es war eher Zufall, dass ich über ein Praktikumsausschreibung auf Werder als Arbeitgeber aufmerksam wurde, mich einfach auf gut Glück beworben habe und dann irgendwie hiergeblieben bin.

WERDER.DE: „Irgendwie?“ Kannst du sagen, was dich bei Werder gehalten hat?

Julia Perleberg: Ich habe gemerkt, dass Werder viel mehr ist als der Fußball am Wochenende, dass ich mich an ganz vielen Stellen einbringen und gestalten kann. Das wollte ich für mich unbedingt.

WERDER.DE: Welche Wege bist du hier im Verein gegangen?

Julia Perleberg: Ich wusste zu Beginn noch nicht, in welchem Bereich ich arbeiten möchte und war erstmal fasziniert von der Vielfältigkeit der Jobs. Da hab ich mir gedacht: Warum also nicht ausprobieren? Ich fand die Sicherheitsabteilung total spannend, bin mit der Medienabteilung und der Fanbetreuung auswärts gefahren und hab mich aktiv nach neuen Bereichen umgeguckt. Das ist auch das, was mir bis heute am meisten Spaß macht: Dass ich in meinem Job ganz viel mit anderen Abteilungen zusammenarbeite und mich immer wieder in neue Themen einbringen kann.

WERDER.DE: Wie haben deine Auslandsaufenthalte im Studium, deine Reisen und internationalen Einblicke deinen Blick auf Gemeinschaft, Organisation und Zusammenhalt verändert?

Julia Perleberg: Ich bin im Ausland, in den USA, Australien und Asien, zum ersten Mal aus meiner Komfortzone ausgetreten, bin selbstständig geworden, hab gelernt, auf eigenen Füßen zu stehen. Und ich habe auf all den Reisen gemerkt, dass Fußball und Werder Bremen eine ganz wichtige Konstante in meinem Leben sind. Werder Bremen spielt in meiner Familie und in dieser Stadt eine so große Rolle, gibt Zusammenhalt – auch generationsübergreifend – und ist so vielfältig. Das habe ich auch durch meine Auslandsaufenthalte schätzen gelernt und wusste: Das ist die Konstante, die ich in meinem Leben haben möchte.

WERDER.DE: Heute bist du in der Mitgliederverwaltung tätig und für das Projekt „60plus“ verantwortlich. Was hat dich daran besonders gereizt?

Julia Perleberg: Ich hätte am Anfang nicht gedacht, dass das der Bereich ist, in dem ich langfristig sein möchte. Aber ich habe so viel Gestaltungsspielraum, Vertrauen und Entwicklungsmöglichkeiten bekommen, dass ich mich dort total selbst verwirklichen kann. Mit meiner Arbeit kann ich Mitgliedern Zugang zu Sport ermöglichen, Veranstaltungen organisieren, ihnen einfach ein schönes Leben gestalten. Das gibt mir viel. Auch den Bereich „Vereinsentwicklung“ durfte ich mit aufbauen, was total viel Spaß macht.

WERDER.DE: An welchen Schwerpunkten arbeitest du aktuell?

Julia Perleberg: Unter der Woche organisiere ich im 60plus-Bereich Veranstaltungen für unsere Mitglieder – Sportveranstaltungen oder auch einfach das Zusammenkommen der älteren Werder-Fans. Und ich arbeite wie eben angedeutet an der Mitgliederentwicklung. Am Wochenende koordiniere ich außerdem die Einlaufkids bei uns im Weserstadion. Auch in diese Position habe ich mir über die Jahre erarbeitet. So habe ich jetzt Kontakt zu den jüngsten und den eher älteren Fans und allen dazwischen, das gefällt mir.

WERDER.DE: Was treibt dich jeden Tag an?

Julia Perleberg: Dass ich mich so frei entfalten kann in dem, was ich tue.

WERDER.DE: Wenn du auf deine bisherige Zeit in dieser Rolle blickst: Was hat dich am meisten überrascht?

Julia Perleberg: Die Dankbarkeit von unseren Mitgliedern berührt mich immer wieder. Da kommt ganz viel Freude und Dankbarkeit zurück.

WERDER.DE: Welche Bedeutung hat Bewegung und Gemeinschaft gerade für ältere Menschen – auch über den sportlichen Aspekt hinaus?

Julia Perleberg: Alle, die zum ersten Mal von 60plus hören oder an Angeboten teilnehmen, schwärmen von der Gemeinschaft, dem Austausch und den vielen Erlebnissen – egal ob bei Veranstaltungen, beim Sport oder einem Besuch im Weserstadion. Da sind schon richtig viele neue soziale Kontakte und auch Freundschaften entstanden, insofern wirkt das Programm deutlich über den Sport hinaus.

WERDER.DE: Welche Rolle spielen Frauen innerhalb des Projekts „60plus“ – als Teilnehmerinnen, Ideengeberinnen oder Vorbilder?

Julia Perleberg: Frauen haben genau wie Männer richtig Lust, Verantwortung zu übernehmen und mitzumachen. Es ist total schön zu sehen, dass wir Frauen und Männer gleichermaßen mit unseren Angeboten erreichen.

WERDER.DE: Welche Erfahrungen hast du als Frau im Sportumfeld gemacht?

Julia Perleberg: Ich hab mich immer sehr gefördert gefühlt und habe bisher keine negativen Erfahrungen gemacht. Ich nehme wahr, dass Umgebungen und Strukturen geschaffen wurden, sodass auch ich als Frau selbstverständlich meinen Job durchführen kann. Es gibt sicherlich noch Bereiche, in denen Frauen in Führungspositionen nicht so selbstverständlich sind oder das Geschlecht, Herkunft oder Hintergründe eine größere Rolle spielen im Vergleich zur Leistung, die man bringen kann. Aber das war bei mir zum Glück nie so.

WERDER.DE: Welche Verantwortung trägt ein Verein wie Werder, wenn es um Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe geht?

Julia Perleberg: Das Wichtigste ist für mich die Sichtbarkeit. Es muss eine Perspektive geben, dass Frauen die volle Unterstützung bekommen, ihren Weg zu gehen, dass es selbstverständlich ist, dass sie da sind und für ihre Leistungen anerkannt werden.

WERDER.DE: Was würdest du jungen Frauen auf ihrem Karriereweg raten?

Julia Perleberg: Wenn du ein Ziel oder einen Wunsch hast, geh dem nach. Wenn du sie nicht hast, lass dich treiben. Sei die Erste, die etwas ausprobiert, die etwas neues anstößt, schaffe neue Selbstverständlichkeiten.

WERDER.DE: Was wünscht du dir für die Zukunft für die Fußballbranche?

Julia Perleberg: Ich wünsche mir Vielfalt und dass es komplett egal ist, welchen Hintergrund eine Person hat, sondern dass sie nach ihrer Leistung bewertet wird.

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