„Ich bin immer noch in meinem Prozess“

KARIM COULIBALY IM INTERVIEW

09.01.26 von Moritz Studer | 4 Min

Karim Coulibaly sitzt in einem weißen Pullover vor einer Wand, auf dem das Siegerfoto der Europa-Pokal der Pokalsieger 1992 zu sehen ist.

Karim Coulibaly hat im Jahr 2025 einen steilen Weg genommen. Der 18-Jährige hat den Sprung aus dem Nachwuchs- in den Profifußball gemeistert und ist mittlerweile Stammspieler im Bundesliga-Team des SV Werder. Derzeit wohnt der Innenverteidiger weiterhin im Internat der Grün-Weißen, in das er nach seinem Wechsel vom Hamburger SV an die Weser eingezogen ist. In seinem ersten Interview spricht Coulibaly über das Leben im Weserstadion, sein emotionales Tor gegen Bayer 04 Leverkusen und seine ersten Schritte als Profifußballer.

WERDER.DE: Moin Karim, wir sitzen hier im Internat des Weserstadions. Inwiefern sind diese Räumlichkeiten in den letzten anderthalb Jahren für dich ein Zuhause geworden?

Karim Coulibaly: Das Internat ist mir ans Herz gewachsen. Seitdem ich hier bin, haben mich alle gut aufgenommen. Ich verstehe mich mit den anderen Jungs und den Betreuern gut und fühle mich hier seit Tag Eins wohl. Ich habe von ihnen viel gelernt und wurde auch zu meiner Schulzeit viel unterstützt – sie sind immer da, wenn wir sie brauchen.

WERDER.DE: Das sind sehr gute Rahmenbedingungen. Als du hier eingezogen bist, kamst du als jüngerer U19-Spieler nach Bremen. Mittlerweile bist du Stammspieler in der Lizenzmannschaft. Wie blickst du selbst auf diese rasante Entwicklung zurück?

Karim Coulibaly: Als ich in die U19 zu Werder gewechselt bin, war der Start sogar eher schwierig. Ich war in der Hinrunde noch verletzt, sodass die Saison erst im Februar 2025 für mich richtig angefangen hat. Seitdem ging es sehr schnell mit dem DFB-Pokal, dem ersten Profivertrag und dem Trainingslager. Ich habe immer mein Bestes gegeben und bin glücklich, wie es heute aussieht.

WERDER.DE: Mit deinen Leistungen bist du schnell auch in den öffentlichen Fokus geraten. Steigendes Interesse, steigende Marktwerte und steigende Anerkennung. Hilft es dir dabei, zurück in die gewohnte Umgebung hier im Internat zu kommen, um bodenständig zu bleiben?

Karim Coulibaly: Die Betreuer helfen mir dabei, mir fällt es aber auch nicht schwer. Ich weiß, woher ich komme. Und bei uns ist es normal, bodenständig zu bleiben.

WERDER.DE: Ihr habt mit der U19 für Furore gesorgt, später hast Du gemeinsam mit Deinem Teamkollegen Patrice Covic in Frankfurt in der Bundesliga debütiert. Ein besonderer Moment, diesen Weg gemeinsam zu gehen?

Karim Coulibaly: Ja, auf jeden Fall! Pati ist mein Kollege. Seitdem wir nach Bremen gewechselt sind, verstehen wir uns super. Wir kannten uns aber auch schon vorher, als wir noch bei anderen Vereinen gespielt haben. Wir haben alles zusammendurchgemacht und ich hoffe, dass es so weiter geht.

Karim Coulibaly lehnt an seiner Tür im Internat des SV Werder.
Coulibaly wohnt seit seinem Wechsel nach Bremen im Internat des SVW (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Was ging dir durch den Kopf, als du zur Bank gerufen wurdest und dann zur Einwechslung bereit standest?

Karim Coulibaly: Tatsächlich haben wir uns hinter dem Tor warmgemacht und dann hat der Athletiktrainer gesagt: ‚Karim, viel Spaß‘ (lacht). Ich bin dann zur Bank gelaufen, habe alles fertig gemacht – Schienbeinschoner, Stutzen. Ich habe mich sehr gefreut, denn es ist ein Traum wahr geworden. Einfach unvergesslich.

WERDER.DE: Der nächste Traum musste gar nicht lange auf sich warten. Nur eine Woche später warst du für einen der emotionalsten Momente des Werder-Jahres verantwortlich, als du in letzter Sekunde gegen Bayer Leverkusen mit deinem ersten Bundesliga-Tor den Ausgleich erzielt hast.

Karim Coulibaly: Ich bin ehrlich: Ich kann es bis heute nicht richtig in Worte fassen. Das ganze hin und her in diesem Spiel mit einer Anfangsphase, die nicht so gut war. Und am Ende konnte ich mich doch zeigen und mit dem Ausgleichstreffer belohnen. Das war einfach unglaublich, diesen Moment werde ich nie vergessen.

WERDER.DE: Hast du dir vorher schon mal überlegt, welchen Jubel du für diese Situation auspackst?

Karim Coulibaly: Mein Lieblingsjubel ist eigentlich der Knee-Slide, am Ende bin ich aber auf dem Bauch gelandet. Alle lagen auf mir drauf und ich habe keine Luft bekommen (lacht). Trotzdem war es einfach super.

WERDER.DE: Nach diesem Spiel hast du aufgrund deiner Sperre nur in Augsburg nicht in der Startelf gestanden. Wie ist es dir gelungen, dich von Spiel zu Spiel mehr an das Bundesliga-Niveau zu gewöhnen?

Karim Coulibaly: Ich habe schon im Trainingslager in einigen Testspielen direkt gemerkt, worum es geht. Du musst immer topfit und bereit sein. Das versuche ich in jedem Spiel hinzukriegen, was nicht einfach ist. Ich bin immer noch in meinem Prozess, aber ich gebe immer mein Bestes.

Coulibaly sitzt auf Sitzplätzen im Weserstadion.
Karim Coulibaly bestritt bislang 14 Bundesliga-Spiele für den SV Werder (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Du zählst zu den jüngsten Spielern im Kader. Inwiefern können dir die anderen Jungs in der Kabine weiterhelfen und ihre Erfahrungen weitergeben?

Karim Coulibaly: Ich weiß noch, als ich das erste Mal mittrainiert habe und in der Kabine Ducksch, Leo, Romano und viele andere sitzen und du dir denkst: ‚Was ist hier los?‘ Du kennst die Jungs aus dem Fernsehen, spielst mit ihnen bei FIFA und schaust ihnen im Stadion zu. Ich lernen von den Jungs jeden Tag was und auch die anderen Innenverteidiger geben mir immer was mit – das ist wirklich eine Top-Unterstützung.

WERDER.DE: Es gibt hier im Internat ein Fenster, durch das ihr direkt auf den Platz schauen könnt. Wie ist das Gefühl, dort selber jetzt zu stehen?

Karim Coulibaly: Für mich ist es was Besonderes, hier einlaufen zu dürfen. Ich genieße jede Sekunde und Minute. Mit den Fans im Rücken ist es wirklich unglaublich.

WERDER.DE: Am Wochenende ist dein Zuhause wieder das Wohnzimmer für tausende Werder-Fans, die dir auf dem Platz die Daumen drücken. Worauf kommt es an, um mit einem Sieg gegen Hoffenheim mit einem positiven Gefühl in die Englische Woche zu starten?

Karim Coulibaly: Nun ist erstmal die Trainingswoche wichtig, bislang läuft alles gut. Wir haben gerade ein gutes Training gehabt (Anm. d. Red.: Mittwochnachmittag). Wir wollen im Heimspiel vorangehen, Druck machen und zeigen, dass wir gewinnen und punkten wollen. Dann geht es schon schnell weiter, wir müssen einfach 100 Prozent geben.

WERDER.DE: Im besten Fall besiegt ihr Hoffenheim am Samstag. Was ist für dich der perfekte Abschluss eines erfolgreichen Spieltags?

Karim Coulibaly: Zunächst einmal warm duschen, und ein Eisbad. Dann entweder nach oben kommen oder wenn meine Jungs meine Familie im Stadion sind, mit ihnen einen schönen Abend machen und entspannen.

WERDER.DE: Dann drücken wir dir die Daumen, dass das schon am Samstag wieder der Fall ist. Vielen Dank für das Gespräch, Karim!

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