„Ich bin komplett aus meiner Komfortzone gegangen“

03.03.26 von Tineke Ruchel | 6 Min

Dr. Ann-Kristin Müller lächelt in die Kamera.

Als Nicht-Fußball-Fan bei Werder arbeiten? Dr. Ann-Kristin Müller, Projektkoordinatorin in der Nachhaltigkeit, zeigt, wie das geht. Aus der Wissenschaft zum Fußballverein: Ann-Kristin hatte einen eher untypischen Weg zu Werder und zeigt damit, dass jeder Weg in die Fußballbranche individuell ist. Im Interview mit WERDER.DE gibt sie einen Einblick in ihre Entscheidung vor 2,5 Jahren zu Werder zu gehen, inwiefern die beiden verschiedenen Branchen doch zueinander passen und welche Schnittmengen es dort gibt.

WERDER.DE: Moin Ann-Kristin, wenn man auf deinen Lebenslauf schaut, dann kann man eigentlich gar nicht anders als zu staunen. Doch fangen wir erstmal von vorne an. Was war nach der Schule dein erster Schritt?

Dr. Ann-Kristin Müller: Ich habe mit dem Bachelorstudium begonnen, zunächst an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, wo ich auch in der Nähe aufgewachsen bin. Zum dritten Semester bin ich dann an die Universität Vechta gewechselt. Nicht ganz in den hohen Norden, aber definitiv nördlicher als Mainz. Dort habe ich dann den Schwerpunkt Nachhaltigkeit zum ersten Mal kennengelernt und für mich auch lieben gelernt.

WERDER.DE: Du hast dich danach für den Master "Rehabilitationspädagogik“ an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg entschieden. Direkt im Anschluss hast du noch deinen Doktortitel gemacht und dort gleichzeitig als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet. Was nimmst du aus dieser Zeit mit und was hast du daraus gelernt?

Dr. Ann-Kristin Müller: Grundsätzlich habe ich durch die Doktorarbeit super viel gelernt und meine Grenzen meilenweit hinter mir gelassen. Ich habe viel über mich selbst gelernt und darüber, was mich motiviert, wie ich arbeite und wie ich meine Zeit am besten einteilen kann. Von daher habe ich aus der Doktorarbeit sehr viel für mich mitgenommen, so anstrengend sie auch war. Darüber hinaus habe ich gelernt, über den Tellerrand hinweg zu gucken. Dadurch, dass ich bereits im Bachelor Erziehungswissenschaften und Nachhaltigkeit studiert habe, trafen zwei komplett unterschiedliche Perspektiven aufeinander, die sich aber doch ziemlich gut zusammenbringen lassen. Genau das habe ich auch in meiner Doktorarbeit inhaltlich getan. Von daher habe ich viel mitgenommen aus dieser Zeit.

WERDER.DE: 2023 hast du dich dann für den SV Werder Bremen entschieden. Fußball spielte bis dahin keine große Rolle in deinem Leben. Nimm uns mal mit, wie es zu dieser Entscheidung kam.

Dr. Ann-Kristin Müller: Wir haben 2016 im Bachelor ein Studienprojekt mit dem Nachhaltigkeitsbereich bei Werder Bremen gemacht. Damals noch mit Anne-Kathrin Laufmann in der Leitung des Nachhaltigkeitsmanagement. Dadurch hatte ich Werder als Akteur im Nachhaltigkeitsbereich auf dem Schirm. Als es später darum ging, dass die Stellen an der Uni auslaufen, weil es eben befristete Forschungsverträge sind, habe ich mich umgeschaut, wo man noch im Nachhaltigkeitsbereich in der regionalen Umgebung tätig werden kann. Das ist dann schließlich Werder geworden.

WERDER.DE: Genau daran sieht man, dass hinter einem Verein wie Werder Bremen so viel mehr als nur Fußball steckt. Welche Schwerpunkte aus deiner Zeit an der Uni helfen dir bei deiner jetzigen Arbeit?

Dr. Ann-Kristin Müller: Mir hilft auf jeden Fall mein Bachelorstudium mit der grundsätzlichen Perspektive des Nachhaltigkeitsmanagements aber auch die Tätigkeit an der Uni als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Da habe ich in der Nachhaltigkeitsforschung gearbeitet, weswegen es sehr viele thematische Schnittstellen gibt. Ob es am Ende eine branchenspezifische Regulatorik wie die DFL-Lizenzierung ist oder doch ein Kriterienkatalog, der beispielsweise vom Deutschen Nachhaltigkeitskodex vorgegeben wird, spielt keine große Rolle. Die Inhalte sind zwar unterschiedlich aber das Prinzip dahinter ist das Gleiche.

WERDER.DE: Du bist nun seit fast 2,5 Jahren als Projektkoordinatorin in der Nachhaltigkeit bei Werder tätig. Was sind deine Aufgaben und wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei dir aus?

Dr. Ann-Kristin Müller: In der aktuellen Phase besteht ein typischer Arbeitsalltag aus der Gestaltung des Lizenzierungsprozesses. Das heißt, ich bin für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsrichtlinie der DFL in der Herren-Bundesliga verantwortlich. Ich trage die Daten zusammen und bin dabei mit den verschiedenen Abteilungen im Austausch, damit diese wissen, welche Daten, Konzepte oder Maßnahmen überhaupt gebraucht werden. Das ist der aktuelle Arbeitsalltag. Gleichzeitig findet dieser Prozess auch mit einer geringeren Kriterienanzahl für die Google Pixel Frauen-Bundesliga statt. Ansonsten sind es sehr vielfältige Themen. Dankenswerterweise sind es aufgrund meines pädagogischen Hintergrunds auch Bildungsthemen. Da stellen wir uns die Frage, wie wir Formate für Fans und Mitglieder schaffen können, um diese für Themen der Nachhaltigkeit zu begeistern.

WERDER.DE: Nun hast du während deiner Arbeit an der Uni sicherlich viel mit Zahlen und Statistiken gearbeitet. Inwiefern unterscheidet sich das zu deinem Job bei Werder? 

Dr. Ann-Kristin Müller: In der Uni waren die Zahlen glücklicherweise nicht mein Schwerpunkt (lacht), sondern der qualitative Forschungsteil, also viele Texte lesen, interpretieren und auswerten sowie Konzepte erstellen. Das ist zu meiner jetzigen Arbeit total ähnlich. Wenn wir beispielsweise die Nachhaltigkeitsstrategie weiterentwickeln wollen, dann ist das genauso ein Konzept, nur eben ohne Forschungsdaten, die ich in einem wissenschaftlichen Interview erhoben habe. Das Konzept beinhaltet dann sämtliche Maßnahmen, Themen und Zielsetzungen, die bei Werder zum Thema Nachhaltigkeit umgesetzt werden beispielsweise. Da sind die Schnittstellen wirklich sehr groß. Ein Unterschied dabei ist, dass ein Forschungsprojekt auf drei bis fünf Jahre angelegt ist und wir hier bei Werder eher in Saisons, in Hin- und Rückrunden und OKRs denken bzw. arbeiten.

WERDER.DE: Gibt es in deiner bisherigen Zeit bei Werder bestimmte Projekte, an die du dich besonders gerne zurückerinnerst?

Dr. Ann-Kristin Müller: Die Lizenzierung ist ein jährlicher Prozess. Mein Start bei Werder war auch direkt mein erster Lizenzierungsprozess. Ich habe im November angefangen und im März ist immer die Deadline der DFL. Dieser erste Lizenzierungszyklus, auch wenn man da so ein bisschen ins kalte Wasser gesprungen ist, hat viel bewirkt. Ich konnte das Unternehmen direkt auf einer ganz anderen Ebene kennenlernen, allein durch die ganzen Daten, die mir zur Verfügung gestellt werden. Dieses erste halbe Jahr war super intensiv aber auch ein super spannender Start in ein komplett neues Arbeitsumfeld. Darauf gucke ich immer noch gerne zurück.

WERDER.DE: Was würdest du jungen Frauen raten, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?

Dr. Ann-Kristin Müller: Einfach mal machen und ausprobieren. Ich bin mit dem Job bei Werder komplett aus meiner Komfortzone gegangen. Am Ende hat es sich extrem gelohnt. Ich habe nicht nur viel gelernt, sondern mich auch unfassbar weiterentwickelt in den letzten 2,5 Jahren. Gleichzeitig aber auch zu sehen, dass das Umfeld ein komplett anderes ist, die Schnittmengen zu meinem Job vorher aber trotzdem da sind, ist super spannend. Losgelöst von meiner Person würde ich noch raten, nach einem Umfeld zu schauen, das euch guttut und in dem ihr auf Augenhöhe miteinander arbeiten und voneinander lernen könnt. Das macht am Ende ganz viel aus.

WERDER.DE: Was wünscht du dir für die Zukunft?

Dr. Ann-Kristin Müller: Ich wünsche mir, dass wir mit dem Thema Nachhaltigkeit weiterhin laut und stark sein dürfen und diesen Leuchtturm, den sich Werder in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat, weiterzuführen. Zudem habe ich persönlich den Wunsch, Nachhaltigkeit weiter in der Gesellschaft und im Unternehmen zu verankern.

WERDER.DE: Dann die vielleicht wichtigste Frage zum Abschluss: Bist du mittlerweile Fußball-Fan oder sogar Werder-Fan?

Dr. Ann-Kristin Müller: Absolut. Ich glaube, da führt kein Weg dran vorbei!

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