„Ich brauche immer wieder neue Herausforderungen“

02.03.26 von Tineke Ruchel | 6 Min

Claudia Hartung sitzt inmitten von Werder Bremen-Fanartikeln, darunter Trikots und Schuhe, mit Hummel-Logos im Hintergrund.

Unsere Frauen bei Werder stehen für Vielfalt und genauso vielfältig sind ihre Geschichten. In den kommenden Wochen werden wir einige dieser Frauen, die den SVW prägen und mitgestalten, vorstellen. Wenn Mode auf Fußball trifft: Für Claudia Hartung, Projektmanagerin im Marketing, spielen diese beiden Aspekte nicht nur privat eine große Rolle, sondern auch in ihrem Beruf. Monatelang erarbeitet und konzipiert sie gemeinsam mit ihren Kolleg*innen die neuen Trikots. In einem Interview mit WERDER.DE spricht sie über ihren Weg zu Werder, die Besonderheiten an ihrem Job und welche Tipps sie für junge Frauen hat.

WERDER.DE: Moin Claudi, wenn du dich in 3 Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Claudia Hartung: Kreativ, gerecht und ungeduldig.

WERDER.DE: Bevor wir über deine Arbeit bei Werder sprechen, gehen wir ein paar Jahre zurück. Du hast 2007 deinen Bachelor International Management in Leipzig abgeschlossen. Wieso hast du dich damals dafür entschieden?

Claudia Hartung: Ich glaube, das war damals noch die Zeit, wo man dachte, mit so einem Grundlagenstudium fährt man ganz gut. Da gab es einfach noch nicht diese Möglichkeiten, die wir heute haben, um in spezialisierte Richtungen zu gehen. Ich wollte mir damit alles offenhalten und quasi die Basics schon im Gepäck haben.

WERDER.DE: Während des Studiums hast du dein erstes Praktikum bei Bayer 04 Leverkusen absolviert und damit deinen ersten Schritt in die Fußballbranche gemacht. Wie war diese Zeit für dich?

Claudia Hartung: Das war der erste Kontakt mit der Bundesliga, aber zum Fußball hatte ich schon immer eine Connection, ob man früher mit dem Papa ins Stadion gegangen ist oder die Spiele irgendwann selbst verfolgt hat. Als wir die Weltmeisterschaft 2006 ausgetragen hatten, war das für mich persönlich besonders einschneidend. Damals konnte ich in Leipzig, wo ich studiert habe, schon viel bei der WM mitwirken. Aber Bayer 04 Leverkusen war tatsächlich die erste Berührung mit der Bundesliga. Die hat mich auf jeden Fall nachhaltig geprägt.

WERDER.DE: Wie ging es nach dem Studium für dich weiter?

Claudia Hartung: Ich habe erst etwas ganz anderes gemacht. Sport sowie Mode und Lifestyle waren schon immer die Leidenschaften, die ich verfolgt habe. Deswegen ging es für mich erstmal noch in den Textileinzelhandel. Damals wusste ich noch nicht, dass mir diese Erfahrung heute viel nützen wird. Ich war vier Jahre lang bei Peek und Cloppenburg, wo ich alle Stationen im Textileinzelhandel vom Verkauf, aber auch bis hin zum Einkauf, durchlebt habe. Diese Zeit war auf jeden Fall super hilfreich, um Prozesse zu verstehen und auch um zu wissen, was es gerade in diesem Bereich braucht. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass mir der Fußball fehlt. Ich habe diese Verbindung, die man in so einem Club spürt, total vermisst.

WERDER.DE: Der Fußball hat dir gefehlt, weshalb du dich für einen neuen Weg entschieden hast. Du bist zu Werder Bremen gewechselt. Was hat dich daran gereizt? Warum hast du diese Stelle angenommen und dich dafür entschieden?

Claudia Hartung: Ich hatte immer mit einem Auge in die Bundesliga geschielt. Da war Werder Bremen auf jeden Fall auch von Anfang an ein Verein, der reizvoll war, weswegen ich initiativ meine Bewerbung hierher gesendet hatte. Der Vereinsführung rund um Klaus Filbry war bereits damals bewusst, dass ein Marketingteam, rein aus Männern bestehend, zu eindimensional ist und die nächste Stelle mit einer Frau besetzt werden sollte. Somit war ich auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich habe im Bereich Hospitality angefangen, das ist der ganze Bereich rund um unsere Businessplätze, VIP-Plätze im Stadion und die Vermarktung. Später bin ich dann in meinen jetzigen Bereich gewechselt.

WERDER.DE: Bei Werder Bremen bist du mittlerweile als Projektmanagerin im Marketing tätig. Du begleitest und planst vor allem die Kampagnen der neuen Trikots. Gibt es einen typischen Arbeitsalltag oder ist genau diese Abwechslung das Spannende an deinem Beruf?

Claudia Hartung: Auf jeden Fall. Es gibt keinen Arbeitsalltag. Gott sei Dank. Ich brauche diese Abwechslungen und immer wieder neue Herausforderungen. Ich gehe jeden Montag gerne ins Büro, auch unabhängig vom Wochenende und vom Spielverlauf, einfach weil tolle Projekte auf mich warten. Und so wie sich auch der Fußball total dynamisch entwickelt in den letzten Jahren, so entwickelt sich auch mein Arbeitsfeld und bringt immer neue Herausforderungen und neue Projekte mit sich.

WERDER.DE: Du bist mittlerweile seit 14,5 Jahren bei Werder. Was treibt dich immer noch jeden Tag aufs Neue an?

Claudia Hartung: Auf jeden Fall diese Abwechslung und auch die Offenheit gegenüber neuen Projekten und Ideen, die ich immer wieder bei Werder spüre. Ich habe noch nie erlebt, dass man etwas vorgeschlagen hat und es wurde sofort weggewischt. Man stößt mit seinen Impulsen auf offene Ohren, das empfinde ich als sehr wichtig. Dazu ist es immer wieder ein besonderes Gefühl, morgens ins Stadion zu kommen. Mich erwartet dort jeden Tag ein großartiges Team, in dem wir uns gegenseitig stark supporten. Natürlich entwickelt sich über die lange Zeit auch eine große Verbindung zu dem Club selbst. Die Liebe zum Fußball ist dabei einfach nie abgerissen!

WERDER.DE: Frauen in der Fußballbranche sind immer noch unterrepräsentiert. Was würdest du jungen Frauen, die ganz am Anfang ihrer Karriere stehen und auch in eine ähnliche Richtung gehen möchten, raten?

Claudia Hartung: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mir diese Frage früher selbst nie so gestellt habe. Ich habe einfach versucht, Kontakte zu knüpfen. Was das angeht, bin ich relativ furchtlos und gehe gerne auf alle möglichen Menschen zu. Ich habe versucht, zu verstehen, wie dieses Business funktioniert. Ich dachte mir dabei nicht, dass ich eine Frau bin und es deswegen nicht klappen kann. Vielleicht hat auch das geholfen. Es ist wichtig, eine Person im Unternehmen zu haben, die dich sieht, wahrnimmt, und auch unterstützt. Genau das versuche ich auch bei unseren Praktikantinnen umzusetzen. Sie sollen gar nicht auf den Gedanken kommen, dass es nicht funktionieren könnte. Ich kann einfach nur immer den Tipp geben, sich gegenseitig zu unterstützen, aufeinander zuzugehen, den Austausch zu suchen und keine Scheu zu haben. Da hat man heute viel mehr Möglichkeiten als noch vor 15 Jahren. Haltet die Augen und Ohren offen. Nichts ist unmöglich.

WERDER.DE: Was wünschst du dir für die Zukunft? Auf welche Projekte freust du dich?

Claudia Hartung: Ich freue mich auf die nächste Saison, weil ich jetzt schon weiß, wie die neuen Trikots aussehen werden. Wir werden zudem zwei wirklich tolle Sondergeschichten veröffentlichen. Ich freue mich schon auf die Produktionstage, die bald anstehen und hoffe, dass es keinen Trikot-Leak gibt (lacht). Das ist immer das Schlimmste für uns. Außerdem wünsche ich mir, dass wir als Werder Bremen auch immer die Rolle neben dem Platz, die Vorbildrolle, wahrnehmen und ernst nehmen.

WERDER.DE: Wir sind auf jeden Fall alle sehr gespannt. Vielen Dank für deine Zeit, liebe Claudi!

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