Ein Balanceakt steht bevor
DER NACHBERICHT ZUR NIEDERLAGE BEIM FC ST. PAULI
24.02.26 von Moritz Studer | 3 Min
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Enttäuschung, Schmerz, Leere. Fassungslosigkeit auf der Tribüne. Die 1:2-Niederlage beim FC St. Pauli hat dem SV Werder sichtbar einen Wirkungstreffer versetzt. Die lange Durststrecke sollte eigentlich am Millerntor zu Ende gehen, doch stattdessen sind die Grün-Weißen nun auf einen direkten Abstiegsplatz abgerutscht. In der aktuellen Situation hilft nur ein schnelles Erfolgserlebnis, der Weg dorthin ist ein Balanceakt. Ein Nachbericht.
Im ersten Durchgang kontrollierte Werder das Geschehen auf St. Pauli noch. Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, der bessere Zug ins Schlussdrittel. Der Auftritt war sicherlich ordentlich, in den entscheidenden Situationen aber zu unsauber, um die Begegnung auf die eigene Seite zu ziehen. „Ordentlich“, betont Cheftrainer Daniel Thioune in einer Medienrunde am Tag nach dem Spiel, „reicht in der Bundesliga nicht aus, um ein Spiel zu gewinnen.“
Das Kopfballtor von Hauke Wahl (55.) wusste Joker Jovan Milošević noch mit viel Willenskraft unmittelbar nach seiner Einwechslung zu egalisieren (62.). Als die Kiezkicker ihre freien Räume auf der rechten Seite eiskalt ausnutzten, zog Joel Fujita den Werderanern den Stecker (70.). Der SVW wehrte sich zwar, verlor in einer hektischen Phase aber seinen spielerischen Faden und die Struktur. Das Bemühen, sich gegen die Niederlage zu stemmen war erkennbar, die Last von noch zwölf und schließlich 13 sieglosen Begegnungen in Serie aber eben noch viel mehr.
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Die Situation am Osterdeich wird damit zweifellos Woche für Woche bedrohlicher. Werder muss einen Balanceakt meistern: Das Selbstvertrauen über Erfolge zurückgewinnen, auf dem Weg dahin aber den Rucksack des Negativlaufs für 90 Minuten ablegen. Im Fußball gilt es, Widerstände als Gruppe zu meistern. In der aktuellen Phase ist es daher umso bedeutender, diesen Widerstand auf dem Platz durch einen wohlwollenden Spielverlauf gering zu halten. „Wir müssen im Kopf Dinge verändern – im besten Fall über Erfolge“, erklärt Thioune. „Bei 0:1 gab es ein stückweit mehr zu verlieren – dann wurde es wild und wir waren mit dem Kopf nicht mehr beim Matchplan, wie es sein sollte.“
Daniel Thioune selbst hat sich seinen Start selbstredend anders vorgestellt. Der 51-Jährige hätte sich anstatt dreier Niederlagen mehr Zählbares zu seinem Einstand gewünscht. Der Fußball-Lehrer sprach am Tag nach der St. Pauli-Niederlage von einer „Nacht der Verarbeitung“, bei der es schwer war „mit dem Gefühl der Niederlage die Augen zu schließen“. Seitdem richtet er den Blick auf die nächste richtungsweisende Aufgabe gegen den 1. FC Heidenheim und betont: „Meine Energie ist ungebrochen, weil ich wusste, dass es bis zum 34. Spieltag dauern wird. Wir haben noch ein Drittel vor uns, das zu unserem Drittel werden kann.“ Dafür ist entscheidend, dass die skizzierte Balance schon auf den ersten Metern stimmt.
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