„Die Leute in Bremen wollen, dass Werder erfolgreich ist“
WERDER-KAPITÄN MARCO FRIEDL IM INTERVIEW
21.02.26 von Moritz Studer | 4 Min
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Marco Friedl ist als Teenager nach Bremen gekommen und mittlerweile als gestandener Bundesliga-Spieler in seiner vierten Saison als Werder-Kapitän. Der 27-Jährige kennt Stadt, Verein und Umfeld wie nur wenige Spieler im Kader und weiß, welche Rolle der Fußball für die Bremer*innen spielt. Im WERDER.DE-Interview spricht Friedl über den Turnaround, die Stimmung in der Hansestadt sowie das bevorstehende Duell am Millerntor gegen den FC St. Pauli.
WERDER.DE: Moin Marco, nach dem Spiel gegen die Bayern hast du gesagt, dass sich in den nächsten Wochen zeigen wird, ob ihr eine Mannschaft seid oder nicht, du aber stark davon ausgehst. Hat sich dieser Eindruck in der Trainingswoche bestätigt?
Marco Friedl: Ja, absolut! Wir haben intensiv und mit vollem Fokus trainiert. Die Einheiten waren vom Trainerteam gut abgestimmt, sodass Feuer drin war und die Jungs bislang gut mitgezogen haben. Jedem ist bewusst, dass entscheidende Wochen anstehen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das in die richtige Richtung lenken werden.
WERDER.DE: Du hast zuletzt klar angesprochen, wie gefährlich die Situation ist. Inwiefern hilft es dir, das Worst-Case-Szenario schon erlebt zu haben, um frühzeitig die Sinne für den Turnaround zu schärfen?
Marco Friedl: Wenn wir zu viel darüber sprechen, was passieren kann, ist es negativ für den Kopf. Es ist Fakt, dass wir im Abstiegskampf sind. Es kann aber schnell wieder nach oben gehen, wenn wir Spiele erfolgreich bestreiten. Wenn du zwölf Partien hintereinander nicht gewinnst, klingt das natürlich gerade weit weg. Es geht schon darum zu wissen, dass wir alle kommenden Gegner schlagen können. Wir müssen als Einheit funktionieren und dann ist viel Platz nach oben. Unser Ziel ist es, uns Stück für Stück unten rauszuarbeiten und dann eine schönere Situation hier zu haben.
WERDER.DE: Du bist vor acht Jahren nach Bremen gekommen und weißt mit am besten, wie sehr diese Stadt Werder lebt. Wie nimmst du die Stimmung und Sorgen der Menschen in der Stadt wahr?
Marco Friedl: Dass nicht nur bei uns, sondern auch bei den Fans eine Anspannung und Nervosität da ist, ist normal, wenn du über so einen langen Zeitraum keine Spiele gewinnst. Die Leute in Bremen wollen alle, dass Werder erfolgreich ist. Wenn das nicht so ist, dann merkst du das in der ganzen Stadt – egal, ob beim Bäcker oder an der Ampel.
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WERDER.DE: Am Wochenende ist der Gästeblock am Millerntor wieder voll besetzt - die Rückendeckung der Fans und ihre Unterstützung kann ein großer Push im Abstiegskampf sein. Welche Kräfte könnt ihr aus diesem Zusammenhalt ziehen?
Marco Friedl: Die Fans haben ein gutes Gespür. Wenn sie weite Wege auf sich nehmen oder das Gefühl haben, dass wir nicht zu 100 Prozent bereit waren, merken sie, dass eine Ansprache notwendig ist. Gegen Bayern waren sie da, als sie gesehen haben, dass wir uns reinhauen. Es steht und fällt alles damit, wie wir performen. Umso schöner ist es dann, wenn wir wieder Spiele gewinnen, sie uns unterstützen und uns feiern. Deswegen bin ich froh, dass wir nicht nur auswärts, sondern auch zu Hause immer volle Blöcke haben.
WERDER.DE: Mit Daniel Thioune hat Werder einen neuen Cheftrainer verpflichtet, um dem Team einen neuen Impuls zu geben. Wie spürt ihr als Mannschaft diese Veränderung?
Marco Friedl: Er hat nicht viel Zeit und versucht die Dinge, die für sein Spiel wichtig sind, einfach zu halten. Er versucht die Basics reinzubekommen und hat ein gutes Gefühl, wann es Feuer und wann ruhigere Einheiten braucht. Er kommuniziert nicht nur auf dem Platz, sondern führt auch in der Kabine viele Gespräche und macht einfach einen guten Eindruck.
WERDER.DE: Wahrscheinlich geht es in diesem Jahr bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt. Spürst du eine Mentalität im Team, nun gemeinsam die Ärmel hochzukrempeln und sich mit Herz und Leidenschaft unten rauszuarbeiten?
Marco Friedl: Ich muss ehrlich sagen: Es gab Phasen in der Saison, wo ich nicht das Gefühl hatte, dass wir alles probiert haben, um alles rauszuholen – das hat sich aber geändert. Auch wenn es hart klingt - wir haben in der Rückrunde, auch noch unter Horst (Anm. d. Red.: Steffen, Ex-Cheftrainer), bessere Spiele gemacht als in den Monaten davor. Wir hatten gestern eine lange Sitzung mit allen Spielern, wo sich jeder eingebracht hat und die Themen offen und ehrlich angesprochen wurden. Das hat uns gutgetan – natürlich ist es schön, viel zu reden, am Ende zählt es aber am Wochenende auf dem Platz.
"Es wird sicherlich kein Leckerbissen. Am Ende des Tages wird es viel um Kampf und Willen gehen"
WERDER.DE: Wie wichtig ist es, positiv zu bleiben und sich dadurch die Selbstverständlichkeit zurückzuholen?
Marco Friedl: Mir macht einiges Mut. Wir gehen jetzt in den Endspurt und in direkte Duelle, wo der Gegner dasselbe Vorhaben hat wie wir. Wenn wir die gleiche Bereitschaft auf den Platz bringen, bin ich zuversichtlich, dass wir die Spiele auf unsere Seite ziehen, weil wir schon eine Qualität in der Mannschaft haben, die sehr gut ist.
WERDER.DE: Werfen wir den Blick auf das Spiel gegen den FC St. Pauli: Mit Karim wird ein weiterer Innenverteidiger ausfallen. Wie schwer ist es, sich ständig mit Veränderungen in der Kette zurechtzufinden?
Marco Friedl: Das ist Fußball. Das haben wir in den letzten Jahren schon oft erlebt. Es ist schade für Karim und für uns, denn wenn er fit war, hat er immer gespielt. Du baust Automatismen auf und weißt, wie der Junge tickt. Trotzdem haben wir Spieler hinten dran, mit denen wir tagtäglich trainieren und die nicht irgendwer sind.
WERDER.DE: Nach dem Duell mit den Bayern wird der FC St. Pauli euch vermutlich wieder deutlich mehr Ballbesitz lassen. Was für ein Spiel erwartest du am Sonntag?
Marco Friedl: Auch wenn St. Pauli es immer wieder versucht fußballerisch zu lösen, wird es sicherlich auch den einen oder anderen langen Ball geben. Und auch im Kampf um den zweiten Ball müssen wir wach sein. Es wird sicherlich kein Leckerbissen. Am Ende des Tages wird es viel um Kampf und Willen gehen, wobei wir schon versuchen, unsere Abläufe reinzubekommen. Dann geht es darum, in beiden Strafräumen kaltschnäuzig zu sein und das eigene Tor verteidigen zu wollen. Wenn wir das auf den Platz bringen, werden wir das Spiel gewinnen.
WERDER.DE: Wir drücken die Daumen. Bis Sonntag, Marco!
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