„Eine Welle hat uns getragen“
Teammanager Sascha Greber und Trainer Cristian Tamas über die Final-Four-Qualifikation
20.03.26
Cristian Tamas, Sascha Greber, der SV Werder hat in der Tischtennis-Bundesliga vorzeitig das Final-Four-Turnier erreicht. Mit etwas Abstand: Was bedeutet Ihnen dieser leicht überraschende Erfolg?
Cristian Tamas: Wir sind in die wohl stärkste Liga der Welt mit dem Ziel gegangen, uns im Mittelfeld der Tabelle zu etablieren und nichts mit den Positionen in der gefährlichen Zone zu tun zu bekommen. Deswegen ist es für uns doch recht überraschend gekommen, dass wir die Finalrunde erreicht haben.
Sascha Greber: Wir wussten schon um unsere Stärke, gegen wirklich jede Mannschaft bestehen zu können. Aber dennoch ist es wirklich sehr, sehr gut für uns gelaufen. Wir sind sehr froh, dass wir es geschafft haben.
Für wie wahrscheinlich hätten Sie vor Saisonbeginn eine Prognose mit einem vier Runden vor Ende der regulären Saison sicheren Final-Four-Platz für Bremen eingeschätzt?
Sascha Greber: Das hätten wir natürlich sofort unterschrieben. Damit gerechnet hätten wir aber überhaupt nicht.
Cristian Tamas: ... man muss sich ja bewusst machen, wie viele andere starke Mannschaften in dieser starken Liga spielen.
Ihre Mannschaft gehört zum insgesamt vierten Mal zu den vier besten Teams in Deutschland. Kann man Vergleiche anstellen, wie sich Werder für seine drei vorherigen Teilnahmen an den damaligen Play-offs qualifiziert hat?
Sascha Greber: Durch unseren guten Start - Siege gegen Bergneustadt, in Düsseldorf und gegen Saarbrücken - gab es wirklich eine Welle, die uns getragen hat.
Cristian Tamas: Wir haben sehr kontinuierlich gespielt, alle haben performed. Dadurch ist auch viel Selbstvertrauen entstanden, das uns zu einigen Siegen verholfen hat.
Lässt sich ein entscheidender Faktor für Bremens tatsächlich auch sehr souveräne Final-Four-Qualifikation benennen oder sind dafür mehrere Aspekte zu berücksichtigen?
Cristian Tamas: Wir haben an Position drei sehr gut performed und haben eine fast makellose Doppelbilanz.
Sascha Greber: Ein weiterer Faktor ist sicherlich, dass wir als Team harmonieren, funktionieren und performen.
Gab es im Saisonverlauf einen „Aha-Effekt“? Einen Punkt, an dem Sie gemerkt haben, dass das Final Four mehr als nur ein vages Ziel sein kann?
Sascha Greber: Nein, nicht wirklich. Zu jeder Phase der bisherigen Saison hat die Mannschaft knallhart und zu 100 Prozent mit Cristian gearbeitet.
Cristian Tamas: Wir hatten unseren Lauf und haben natürlich bemerkt, dass wir im Rennen um die vier ersten Plätze dabei sein können. Aber es gab nicht den einen Augenblick dafür.
Hatten Sie irgendwann Sorge, dass die Saison wie schon das eine oder andere Mal in früheren Jahren noch kippen könnte und Ihr Team letztlich mit leeren Händen dasteht?
Sascha Greber: Nein, diese Sorge hatten wir nach unserem guten Start nicht. Alle wirkten sehr stabil.
Cristian Tamas: Alle waren immer voll da, fokussiert und haben gut performed. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass das noch gegen uns kippen könnte.
Irvin Bertrand ist indirekt schon angesprochen worden. Was hat seine Verpflichtung - unterhalb der Ebene von Fan Zhendongs Wechsel zum 1. FC Saarbrücken-TT - ligaweit zum „Transfer der Saison“ werden lassen?
Cristian Tamas: Seine Einstellung ist entscheidend dafür gewesen, dass er unsere Top-Verpflichtung für uns geworden ist.
Sascha Greber: Irvin ist tatsächlich die gewünschte Verstärkung. Er hat viele intensive Einheiten mit Cristian gehabt, eng mit unserem ärztlichen Leiter Dr. Thomas Milde zusammengearbeitet und sich dadurch spielerisch und körperlich im Fitness Bereich gut entwickelt.
Außer Bertrand stehen auch alle anderen Werder-Spieler - Kirill Gerassimenko, Mattias Falck und Marcelo Aguirre - positiv bis sehr positiv. Ist etwas Bestimmtes mit Ihrer Mannschaft passiert, was sich für Außenstehende gar nicht erkennen lässt?
Sascha Greber: Der Teamgeist, der Spirit sind in dieser Saison außerordentlich.
Cristian Tamas: Sie haben alle, ohne Ausnahme, immer hart gearbeitet und zu keiner Zeit nachgelassen.
Noch einmal etwas Statistik: Werder schließt die reguläre Saison auch zum zweiten Mal in den vergangenen drei Jahren im Spitzenquartett der Tabelle ab. Ist Bremen nun in seinem 20. Bundesliga-Jahr nicht nur Inventar des Oberhauses, sondern auch einer der „Big Player“?
Sascha Greber: Ich denke, „Big Player“ sind andere große Namen wie Düsseldorf, Saarbrücken oder auch Fulda. Direkt dahinter gibt es einige Mannschaften, zu denen wir auch gehören.
Cristian Tamas: Obwohl wir uns in den vergangenen 20 Jahren immer weiterentwickelt haben, sind wir gegen Mannschaften mit so hochkarätigen Spielern wie Fan Zhendong bei Saarbrücken, Anton Källberg in Düsseldorf oder Dimitrij Ovtcharov in Fulda definitiv ein Außenseiter.
Schon einmal zum Thema Final Four: Das nur noch zweitägige Format mit nur einem Duell in beiden Halbfinals sowie dem Endspiel nur 24 Stunden später an gleicher Stelle hat am 30. und 31. Mai seine Premiere. Wie stehen Sie zur Abschaffung der Play-offs durch die Reform?
Cristian Tamas: Wir sind bei Werder der Ansicht, dass dieses neue Format notwendig ist. Es war wichtig, um die Zahl der Termine zu reduzieren. Die Terminflut durch internationale Termine, die Bundesliga und - für international antretende Klubs - Champions League war enorm groß.
Sascha Greber: Wir tragen aber besonders auch die Entscheidung, das Final Four an einem Ort und an einem Wochenende zu spielen, mit. Das Format ist attraktiv, weil es die besten vier Mannschaften des Jahres in kurzer Zeit in einer vollen Halle zusammenbringt.
Neu ist auch das Privileg des Hauptrunden-Siegers, seinen Halbfinalgegner aus den drei übrigen Teilnehmern wählen zu können. Welche Meinung haben Sie über diesen Bonus?
Sascha Greber: Das ist erstmal irgendwie charmant, aber man muss wohl vor einer endgültigen Einschätzung erst einmal bisschen abwarten, wie sich das entwickelt.
Cristian Tamas: Es geht dabei natürlich darum, dass die oberen Mannschaften in den letzten Runden noch ein Ziel haben und kämpfen, um im Halbfinale vielleicht einen leichteren Gegner haben zu können.
Werders Mannschaft geht mit zwei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Düsseldorf in die vier letzten Punktspiele. Ist Platz eins nach der gesicherten Final-Four-Qualifikation das neue Zwischenziel für den Saisonendspurt? Oder anders gefragt: Ist das bevorstehende Heimspiel gegen Düsseldorf am 27. März (Freitag/19.00 Uhr/Livestream bei Dyn) auch ein Endspiel um die Tabellenführung?
Cristian Tamas: Um ernsthaft von Platz eins sprechen zu können, ist unser Restprogramm zu schwer. Wir müssen nach Dortmund, spielen dann gegen Düsseldorf, in Saarbrücken und dann gegen Fulda - eben drei der echten „Big Player“. Trotzdem werden wir versuchen, diese Spiele zu gewinnen, und dann sehen, wo wir stehen.
Sascha Greber: Es ist klar, dass wir nicht Erster werden können, wenn wir nicht alle vier Spiele gewinnen - aber die letzten vier Aufgaben sind unheimlich schwer.
Sascha Greber, Cristian Tamas - vielen Dank für das Gespräch (Foto: SV Werder Bremen)
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