Zwischen Gänsehaut und Reizüberflutung: Impulse für mehr Inklusion im Stadion

30.04.26 von Judith Zacharias | 4 Min

Ein Mann hält vor einem Publikum, das in einem modernen Raum sitzt, einen Vortrag über Neurodiversität im Fußball, wobei das Thema auf einer Leinwand im Hintergrund angezeigt wird.

Für viele Menschen ist ein Stadionbesuch pures Gänsehautgefühl – für andere bedeutet er vor allem Stress: zu laut, zu voll, zu unübersichtlich. Gerade für neurodivergente Fans können Reizüberflutung, fehlende Rückzugsorte und komplexe Abläufe schnell zur Herausforderung werden.

Genau hier setzte der Workshop „Neurodivergenz im Fußballstadion“, den der SVW im Rahmen des Inklusionsspieltags in dieser Woche gemeinsam mit seinem Partner Coca-Cola Europacific Partners Deutschland GmbH und der Inklusionsberatungs-Agentur MyAbility veranstaltete, an und stellte dabei die Erfahrungen der Betroffenen in den Mittelpunkt.

Eröffnet wurde der Abend von Werder-Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald, der deutlich machte, dass Inklusion zwar zur Werder-DNA gehört, der Verein aber weiterhin viel dazulernen muss. Genau dieser Lernprozess brauche einen offenen Dialog auf Augenhöhe, so Hess-Grunewald.

Menschen sitzen in einem Halbkreis in einer ungezwungenen Umgebung in einem Innenraum und unterhalten sich. Auf dem Tisch stehen Getränke und Flaschen.
Fans, Expert*innen und Betroffene kamen in dieser Woche zum Austausch zum Thema "Neurodivergenz im Fußballstadion" zusammen (FOTO: WERDER.DE).

Workshop setzt bei den Erfahrungen Betroffener an

Der Workshop machte vor allem deutlich, dass Unsichtbarkeit eine der größten Hürden darstellt: Viele Formen von Neurodivergenz sind nicht unmittelbar erkennbar – mit der Folge, dass auch im Stadion Verständnis und passende Unterstützung oft fehlen. Entlang der verschiedenen Stationen eines Stadionbesuchs – von der Anreise über den Einlass bis hin zur Zeit während des Spiels – tauschten sich die Teilnehmenden intensiv über Herausforderungen, Stressmomente und mögliche Verbesserungen aus. Der Abend unterstrich: Neurodivergenz im Fußball ist kein Randthema, sondern ein Bereich mit großem Entwicklungspotenzial. Gleichzeitig machten alle Teilnehmenden deutlich spürbar, dass bereits kleine Anpassungen einen großen Unterschied machen können, wenn sie gemeinsam gedacht und umgesetzt werden.

Jenny Eickhoff, Fanbeauftrage und Koordinatorin Team Inklusion des SVW, hat den Abend seitens des SVW organisiert. Sie sagt: „Der Workshop hat uns noch einmal deutlich gezeigt, wie unterschiedlich ein Stadionbesuch wahrgenommen wird. Für uns war besonders wertvoll, die Erfahrungen der Teilnehmenden so direkt zu hören. Unser Ziel ist es, diese Perspektiven stärker mitzudenken und konkrete Verbesserungen daraus abzuleiten.“

„Wir sind Vielfalt“: Inklusion als langfristiger Anspruch

Gemeinsam mit Coca-Cola hatte der SVW bereits im Vorfeld des Inklusionsspieltages in diesem Jahr sogenannte Sensory Bags gelauncht, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit sensorischen Herausforderungen zugeschnitten sind und den Stadionbesuch erleichtern können.

„Fußball ist dann am stärksten, wenn sich alle willkommen fühlen. Deshalb freuen wir uns sehr, gemeinsam mit Werder Bremen Maßnahmen umzusetzen, die Menschen mit sensorischen Herausforderungen ein positives Stadionerlebnis ermöglichen. Inklusion ist kein Zusatz, sondern ein zentraler Teil dessen, wofür Fußball – und auch wir als Coca Cola – stehen.“, sagt Claudia Blanars, Asset Manager Sport - & Prestige Account bei Coca-Cola Europacific Partners Deutschland GmbH.

Für Werder zeigt der Abend auch, dass das Motto des Inklusionsspieltags mehr als ein einmaliges Statement ist: „Wir sind Vielfalt“ ist ein Anspruch, der dauerhaft gilt und auch künftig den Weg zu einem inklusiveren Stadionerlebnis weisen soll.

Gemeinsam mit Coca-Cola lud der SVW Fans & Betroffene ins Weserstadion ein (FOTO: WERDER.DE).

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