Damit der Spieltag für alle erlebbar wird
DAS WERDER INKLUSIONSTEAM IM GESPRÄCH ÜBER SEINE ARBEIT IM WESERSTADION
27.03.26 von Judith Zacharias | 6 Min
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Wenn im Weserstadion der Ball rollt, ist der Stadionbesuch für viele Fans ein lang ersehntes Erlebnis, für andere eine organisatorische Herausforderung – und für das Inklusionsteam vor allem eines: eine Aufgabe, die Vorbereitung, Flexibilität und Einfühlungsvermögen erfordert.
An Spieltagen sorgt ein eingespieltes Team dafür, dass möglichst viele Menschen den Stadionbesuch gemäß ihren individuellen Bedarfen erleben können: Insgesamt elf Mitarbeitende engagieren sich überwiegend ehrenamtlich im Inklusionsbereich auf der Rampe und im Rahmen der Sehbehindertenreportage. Fünf Personen fungieren als Ansprechpersonen am Spieltag für Fans mit individuellen Unterstützungsbedarfen, sie sind an Tor 3 zu finden.
Inklusionsarbeit so individuell wie die Werder-Fans
Der größte Teil der Arbeit beginnt schon Tage vorher. Anfragen werden gesammelt, Situationen eingeschätzt und Lösungen vorbereitet. „Es ist sehr viel individuelle Arbeit – weil Beeinträchtigungen, gesundheitliche Bedingungen und Unterstützungsbedarfe sehr unterschiedlich sind“, sagt Jenny Eickhoff, Fanbeauftragte & Koordinatorin Team Inklusion beim SVW. Ob kurzfristige Verletzungen, besondere gesundheitliche Anforderungen oder der Wunsch, gemeinsam mit Familie oder Freund*innen im Weserstadion zu sein: Jede*r Besucher*in bringt eigene Voraussetzungen mit sich, denen das Team nachkommt und sich um individuelle Lösungen bemüht.
Neben Menschen mit sichtbaren Beeinträchtigungen, etwa in der Mobilität oder im Sehen, rücken zunehmend auch Menschen in den Fokus, deren Behinderungen oder Unterstützungsbedarfe nicht unmittelbar erkennbar sind. Dazu zählen beispielsweise Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Long COVID oder ME/CFS, neurodivergente Personen oder Fans, die vorübergehend Unterstützung benötigen.
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Die in dieser Form ausgeprägte Inklusionsarbeit ist das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung. Alex Lüddecke, die sich seit vielen Jahrzehnten im Inklusionsteam des SVW engagiert, erinnert sich: Was als Engagement einzelner Vereine begann, hat sich über Jahrzehnte hinweg weiterentwickelt und professionalisiert. „Die Entwicklung ist ganz, ganz spannend – und immer wellenartig“, sagt sie. Neue gesellschaftliche Themen bringen dabei immer wieder neue Perspektiven ein und machen Bedarfe sichtbar, die zuvor weniger im Fokus standen. „Durch Long Covid werden beispielsweise unsichtbare Erkrankungen jetzt viel stärker thematisiert.“
Auch Themen wie leichte Sprache oder barrierearme Kommunikation spielen eine immer größere Rolle. „Je barrierefreier du dein Angebot gestaltest, desto mehr Menschen profitieren letztlich davon“, sagt Lüddecke. Viele Maßnahmen wirken dabei über einzelne Zielgruppen hinaus und erleichtern den Stadionbesuch insgesamt. So helfen Illustrationen der Speisen an den Imbissständen im Stadion zum Beispiel auch Kindern oder Personen, die die deutsche Sprache gerade erlernen.
Teilhabe bedeutet Wahlfreiheit
Ein zentrales Ziel des SVW bleibt es, Teilhabe so individuell wie möglich zu gestalten. Denn die Bedarfe sind unterschiedlich – und damit auch die Vorstellungen davon, wie ein Spieltag erlebt werden soll. Während einige Fans mit Behinderung bewusst mitten im Geschehen sein möchten, brauchen andere mehr Ruhe oder bestimmte Rahmenbedingungen. Inklusion bedeutet hier vor allem, diese Wahl zu ermöglichen, betont Eickhoff.
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Gleichzeitig stößt die Umsetzung auch im Weserstadion immer wieder an strukturelle Grenzen. Nicht alle Bereiche des Stadions sind barrierefrei zugänglich, bauliche Anpassungen sind im Bestand nur eingeschränkt möglich. Umso wichtiger ist es für das Team Inklusion, im Alltag flexibel zu reagieren und individuelle Lösungen zu finden, die Teilhabe dennoch ermöglichen.
Bei aller Organisation und allen Herausforderungen steht am Ende vor allem eines: das Erlebnis der Menschen. „Diese strahlenden Augen unserer Fans. Das ist das Schönste“, sagt Lüddecke. Denn für viele ist ein Stadionbesuch ein besonderer Moment, der lange nachwirkt – und manchmal weit über den Fußball hinausgeht. „Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass jeder Fan selbstbestimmt Zugang zum Stadionerlebnis und damit zur gesellschaftlichen Teilhabe hat. Wir im Team versuchen, diesen Anspruch im Alltag mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln sinnvoll zu unterstützen“, so Eickhoff.
Alle Fragen rund um einen barrierefreien Zugang zum Stadion beantwortet das Team Inklusion via barrierefrei@werder.de.
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