„Außergewöhnlicher Instinktfußballer“

ERWIN KOSTEDDE WIRD 80 JAHRE!

21.05.26 von Martin Lange | 5 Min

Erwin Kostedde lächelt in die Kamera.
(Foto: Imago)

Es ist eine Quote, die nur wenige erreichten: Während seiner Zeit im Fußball-Oberhaus erzielte Erwin Kostedde 98 Tore und traf damit in fast jedem zweiten seiner 219 Bundesliga-Spiele. 1981 schoss er den SV Werder Bremen zum Wiederaufstieg in Liga eins. Nun feiert der ehemalige Nationalspieler seinen 80. Geburtstag.

34 Jahre alt war Erwin Kostedde bereits, als er nach dem Abstieg der Grün-Weißen in die 2. Bundesliga 1980 an die Weser wechselte. Und er tat dort das, was er bereits bei verschiedenen Clubs getan hatte: Kostedde schoss Tore wie am Fließband, insgesamt 29, und hatte einen erheblichen Anteil daran, dass der SV Werder nach nur einem Jahr Abstinenz ins Fußball-Oberhaus zurückkehrte.

Mit neun Treffern in 33 Partien trug der Mittelstürmer anschließend auch dazu bei, dass die Grün-Weißen die erste Saison nach dem Wiederaufstieg auf Platz fünf abschlossen und damit sensationell die Qualifikation für den UEFA-Pokal schafften. Es war seine letzte Spielzeit in der Bundesliga, an die sich noch ein Jahr bei Zweitligist VfL Osnabrück anschloss, ehe Kostedde seine Laufbahn, die Mitte der 1960er Jahre begonnen hatte, im Jahr 1983 beendete. Es war eine außergewöhnliche Fußball-Karriere, die den gebürtigen Münsteraner bis in die deutsche Nationalmannschaft führte.

"Er hatte die großartige Gabe, immer dort zu stehen, wo das Tor gemacht werden musste."

Dr. Hubertus Hess-Grunewald über Erwin Kostedde

Von Preußen Münster kam Erwin Kostedde 1967 im Alter von 21 Jahren erstmals in die Bundesliga und spielte eine Saison lang für den Meidericher SV. Es folgten Stationen bei Standard Lüttich (Belgien), Kickers Offenbach, Hertha BSC, Borussia Dortmund, Union Solingen, wieder Lüttich und Stade Laval (Frankreich), von wo aus er schließlich nach Bremen kam. Selten hielt es ihn länger bei einem Verein, doch überall überzeugte der Angreifer mit eindrucksvoller Trefferquote. Am Ende gesellten sich zur zu Beginn genannten Bundesliga-Bilanz (219 Spiele/98 Tore) auch noch 74 Zweitliga-Partien mit 41 Treffern. Seine Bilanz in der französischen Ligue 1: 34 Spiele/21 Tore, im DFB-Pokal: 38/28, in Lüttich: 82/57. Sowohl in Frankreich (1980), als auch in Belgien (1971) war Kostedde Torschützenkönig. In Bremen wurde er 1981 zum „Sportler des Jahres“ gewählt.

„Erwin Kostedde war ein außergewöhnlicher Instinktfußballer und hat mit seinen unglaublichen 38 Liga-Toren zwei erfolgreiche Werder-Jahre entscheidend mitgeprägt. Er hatte die großartige Gabe, immer dort zu stehen, wo das Tor gemacht werden musste, und hat es trotz seiner eher kurzen Zeit in Bremen geschafft, als Kultstürmer in die Werder-Geschichte einzugehen“, würdigt Werder-Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald den Jubilar. Und weiter: „Wie er während seiner Fußball-Karriere und auch danach trotz negativer Erlebnisse seinen Weg gegangen ist, zeugt von seiner starken Persönlichkeit.“

Erwin Kostedde blickt im Zweikampf auf den Ball.
Schoss Werder 1981 zum Wiederaufstieg: Erwin Kostedde (Foto: Imago).

Erwin Kostedde debütierte Ende 1974 beim 1:0-Erfolg in Malta in der deutschen Nationalmannschaft und kam in den Monaten danach noch zwei weitere Male zum Einsatz, unter anderem gegen England vor 100.000 Zuschauenden im Londoner Wembley-Stadion. Ein Treffer blieb ihm dabei jedoch verwehrt – so wie auch weitere Länderspiele, was so gar nicht zur beeindruckenden Treffsicherheit bei seinen zahlreichen Vereinsstationen passte. In die Geschichte des DFB-Teams ging der Angreifer dennoch ein – als erster dunkelhäutiger Spieler, der das deutsche Nationaltrikot trug.

Im Jahr 2021 war der ehemalige Werderaner neben zahlreichen weiteren Fußballer*innen in der bewegenden und vielbeachteten TV-Dokumentation „Schwarze Adler“ zu sehen. Der Film thematisiert die Erlebnisse afrodeutscher Spieler aus der Fußball-Nationalmannschaft und dem deutschen Profifußball. Kostedde sprach darin offen über den Rassismus, der ihm seit der Kindheit in seinem Leben immer wieder begegnete – unter anderem in der deutschen Nationalmannschaft.

Alles Gute zum 80. Geburtstag, Erwin Kostedde!

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