„Dann würden wir nicht mehr über eine Papierkugel reden“
EX-TORHÜTER FRANK ROST IM NORDDERBY-INTERVIEW
16.04.26 von Moritz Studer | 4 Min
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Frank Rost hat eine bemerkenswerte Bundesliga-Karriere hingelegt: Der viermalige Nationaltorhüter lief neben dem FC Schalke 04 auch für die beiden Nordrivalen Werder Bremen und den Hamburger SV auf. Sowohl für den SVW als auch für den HSV bestritt Rost 203 Pflichtspiele. Im WERDER.DE-Interview erinnert sich der 52-Jährige an historische Nordderbys und verrät, warum die Torhüter-Position für ihn eine Schlüsselrolle einnimmt.
WERDER.DE: Moin Frank, du hast das Nordderby für Werder und den HSV von beiden Seiten erlebt. Wehen bei dir im Garten die Fahnen beider Teams?
Frank Rost: Nein. Ich habe weder Gartenzwerge noch irgendwelche Fahnen (lacht). Ich habe sehr schöne Erinnerungen an beide Vereine. Am Wochenende bin ich sehr neutral und wünsche mir ein schönes Fußball-Spiel, bei dem sich beide Teams auf Augenhöhe begegnen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das Nordderby wieder in höheren Tabellenregionen stattfindet.
WERDER.DE: Aber im Ernst: Ist es schwer, für beide Vereine Sympathien zu haben?
Frank Rost: In aller erster Linie habe ich Profifußball gespielt und da versuchst du für deine Mannschaft, das Beste herauszuholen. Bei Werder habe ich lange auf der Bank gesessen, dann waren wir fast schon Abstiegskandidat und haben 1999 doch den DFB-Pokal gewonnen. Damit ging dann in Bremen eine neue Ära los.
WERDER.DE: Für dich ging es weiter zum FC Schalke 04, bevor du dann im Volkspark gelandet bist.
Frank Rost: Ich wollte nach meinem Ende auf Schalke einfach weiter Fußball spielen. Der HSV war ein schlummernder Riese mit einem unfassbaren Potential. Trotzdem hat der Verein seit 1987 keinen Titel mehr geholt, was wir zu der Zeit mit Huub Stevens oder Martin Jol durchaus hätten schaffen können.
WERDER.DE: Du bist kurz nach der Wende aus Leipzig nach Bremen gekommen, mittlerweile bist du in Rotenburg sesshaft geworden. Bist du nun ein waschechter Norddeutscher?
Frank Rost: Ja, ich lebe jetzt schon die meiste Zeit meines Lebens in Norddeutschland (lacht). Insofern kann man vielleicht zumindest sagen, dass ich ein zugereister Norddeutscher bin.
WERDER.DE: Du hast im Dezember in einem Interview gesagt, dass das Nordderby an Brisanz verloren hat. Hat dich das Hinspiel in dieser Meinung umstimmen können?
Frank Rost: Das wurde damals vielleicht etwas falsch dargestellt, weil sich das in dem Zusammenhang mehr auf die Derbys 2009 bezog. Damals waren beide Vereine noch auf einem ganz anderen Niveau und die Spiele haben unter anderen Voraussetzungen stattgefunden. Am Wochenende wird das Stadion natürlich auch wieder voll sein und im Norden werden alle mitfiebern.
WERDER.DE: Du hast das Nordderby neun Mal für Werder und zwölf Mal für den HSV bestritten. Wie ist es dir in der Woche vor dem Spiel ergangen?
Frank Rost: Ich habe mit Schalke gegen Dortmund oder HSV gegen St. Pauli ja noch ein paar weitere Derbys gespielt. Wenn du in der Region wohnst, wirst du immer darauf angesprochen und natürlich freust du dich dann darauf. Ich kann mich aber auch an mein erstes Derby mit Werder im Volkspark erinnern. Tiefer Boden, am Ende ein 3:3 und vielleicht 30.000 Zuschauer – aber eben bei weitem nicht ausverkauft. Das ist gar nicht mehr mit heute vergleichbar - von den vollen Stadien träumt jeder Sportler.
WERDER.DE: Im Frühling 2009 hast du mit dem HSV vier Nordderbys in 19 Tagen gespielt. War das eine der aufregendsten Zeiten deiner Karriere?
Frank Rost: Nein, das würde ich nicht sagen, denn dafür habe ich auch zu viel erlebt. Für uns war das damals nicht so prickelnd, auch wenn alles knappe Spiele auf Augenhöhe waren. Manchmal wache ich immer noch nachts auf, weil Paolo Guerrero in Bremen alleine auf das Tor zulief und das 2:0 (Anm. d. Red.: Hinspiel UEFA Cup) hätte machen müssen – dann würden wir nicht mehr über irgendeine Papierkugel reden. Trotzdem sind mir viele andere Spiele mit Werder und dem HSV im Hinterkopf geblieben.
WERDER.DE: Die Ausgangslage für beide Mannschaften ist am Wochenende nun eine andere.
Frank Rost: Werder muss Punkte holen, um nicht tiefer in den Abstiegskampf reinzukommen und der HSV will den Klassenerhalt sichern. Beide Teams haben zuletzt underperformt: Der HSV hat kläglich in Stuttgart verloren und Werder sich in Köln zumindest nicht mit Ruhm bekleckert. Dazu kommt, dass mit Marco Friedl aus meiner Sicht ein Schlüsselspieler fehlen wird.
WERDER.DE: In beiden Spielen haben Mio Backhaus und Daniel Heuer Fernandes ihr Team vor deutlicheren Niederlagen bewahrt. Aus deiner Erfahrung: Welche Rolle können die Torhüter im Nordderby spielen?
Frank Rost: Zumindest im Moment ist Werder nicht für das Toreschießen prädestiniert. Deswegen ist es wichtig, zu Null zu spielen. Dazu gehört aber nicht nur, dass du einen Ball hältst, sondern auch die Organisation deiner Abwehr – deswegen nehmen die Torhüter eine Schlüsselrolle ein. Beide Klubs haben viele vermeidbare Gegentore bekommen. Mainz 05 hat es mit ganz einfachen Mitteln geschafft wieder stabiler zu stehen und schon hat sich der Verein unter Urs Fischer unten rausgearbeitet.
WERDER.DE: Du wirst am Samstag am Legendentisch sitzen. Mit welchen Erwartungen kommst du ins Weserstadion?
Frank Rost: Ich erwarte ein Spiel, das von Fehlervermeidung geprägt ist. Du darfst dir nicht zu viele leisten, weil die Situation zu brisant ist. Deswegen hat der HSV einen minimalen psychologischen Vorteil, weil er drei Punkte mehr auf dem Konto hat. Für Werder wird der Schlüssel sein, stabil zu stehen und darin die Basis zu legen.
WERDER.DE: Vielen Dank für das Gespräch, Frank!
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