„Manche Spiele werden in zwei, drei Momenten entschieden“

OLIVIER DEMAN IM INTERVIEW VOR DEM AUSWÄRTSSPIEL BEI UNION BERLIN

05.03.26 von Moritz Studer | 4 Min

Olivier Deman sitzt im Interview an einem Tisch, im Hintergrund die Weser.

Olivier Deman ist in der Rückrunde der Fußball-Bundesliga nach auskuriertem Knöchelbruch wieder ein wichtiger Bestandteil der Abwehrkette beim SV Werder geworden. Auch wenn sein drittes Bundesliga-Tor gegen Heidenheim keine Anerkennung fand, rief der Belgier am Samstag als laufstärkster Bremer eine exzellente Vorstellung ab. Im WERDER.DE-Interview spricht der 25-Jährige über seinen neuen Cheftrainer Daniel Thioune, die Umstellung auf eine Viererkette und die Situation um seinen aberkannten Treffer.

WERDER.DE: Moin Oli, Bremen zeigt sich endlich wieder von seiner schönsten Seite. Wie gefällt es dir hier an der Weser, wenn du mal nicht auf dem Fußballplatz stehen musst?

Olivier Deman: Super. Das Stadion ist toll gelegen. Ich wohne auch in der Nähe von der Weser und kenne die Ecke hier daher ganz gut. Wenn dann das Wetter auch noch mitspielt, ist es einfach schön hier.

WERDER.DE: Am Wochenende habt ihr eine lange Negativserie beendet und schon strahlt in Bremen auch endlich wieder die Sonne. Wie fühlt es sich an, mit einem Sieg im Rücken in die neue Trainingswoche zu gehen?

Olivier Deman: Gut, wir dürfen aber natürlich auch nicht vergessen, dass wir eben aus dieser langen Serie kommen und ein Sieg nicht alles direkt wieder verändert. Nach der langen Zeit vergisst du, wie sich das Gefühl eines Sieges anfühlt. Wenn das so wie jetzt noch frisch und neu ist, gibt das positive Energie für das nächste Spiel.

WERDER.DE: Du hast dir selbst auch positive Energie geholt und standest zum zweiten Mal in dieser Saison über 90 Minuten auf dem Platz und warst mit einer Strecke von 12,84 Kilometern der laufstärkste Spieler. Warum bist du trotz der zuletzt eher geringeren Spielzeit in einer so guten Verfassung?

Olivier Deman: Ich habe in den letzten Wochen schon ein wenig mehr Spielpraxis gesammelt, trotzdem ist das natürlich nicht so, wie jede Woche durchzuspielen. Auf der anderen Seite bin ich dafür noch frisch und habe noch viel Energie zu geben. Mit Spielen über 90 Minuten kannst du noch besser in den Rhythmus kommen und deine Kondition steigern. Ich fühle mich gut, auch weil ich versuche immer die volle Energie ins Training zu geben, ob ich spiele oder eben nicht.

WERDER.DE: Als du das letzte Mal Anfang Februar bei uns im Interview warst, stand noch nicht fest, dass Daniel Thioune neuer Cheftrainer wird. Welchen Eindruck hast du von ihm?

Olivier Deman: Er bringt eine gute, neue Energie und eine klare Spielidee mit. Es kann nicht immer von Tag 1 an alles klappen, aber wie wir am Wochenende gespielt haben, war ein Unterschied. Wir sind jetzt auf einem guten Weg, aber wie gesagt: Ein Sieg bringt uns noch gar nichts. Wir müssen weiterarbeiten und noch mehr Spiele gewinnen.

Olivier Deman sitzt auf einer Bank, im Hintergrund sind die Flutlichtmasten des Weserstadions zu sehen.
Deman kam 2023 aus Brügge nach Bremen und bestritt seitdem 47 Spiele für den SVW (Foto: W.DE).

WERDER.DE: Daniel Thioune selbst hat in einer Medienrunde verraten, dass er dir gesagt hat, dass sich Respekt und Wertschätzung nicht über Spielzeit definiert und er sich freut, dass du nun auf dem Punkt da warst. Verleiht dir diese kommunikative Art das Vertrauen, das du brauchst?

Olivier Deman: Ja, klar. Das ist wichtig, weil du sonst die Situation gar nicht einschätzen kannst. Im ersten Spiel unter ihm habe ich in der Startelf gestanden, danach dann zwei Mal gar nicht gespielt. Er hat mit mir gesprochen und dann war für mich alles klar. Ich versuche mich darauf zu fokussieren, was ich machen kann, und gebe alles, wenn ich gebraucht werde.

WERDER.DE: Dann blicken wir doch auch gerne weiter auf dich. Du hast in deiner Laufbahn schon viele Positionen gespielt, als Linksverteidiger einer Viererkette zuletzt bei deiner Leihe nach Antwerpen. Kam dir die Umstellung bei Werder nun entgegen?

Olivier Deman: Sehr wohl. Genau in Antwerpen habe ich auch schon meistens in einer Viererkette gespielt, ich spiele aber auch gerne in einer Fünferkette – für mich macht das keinen großen Unterschied. Gegen Heidenheim haben wir ja auch wieder umgestellt. Mit vier Verteidigern hast du manchmal mehr Optionen vor dir und mit fünf stehst du ein wenig höher.

WERDER.DE: Mit einem unwiderstehlichen Dribbling hast du sogar dein drittes Bundesliga-Tor erzielt, bis der VAR eine Abseitsposition erkannte. Wie hast du die Situation erlebt?

Olivier Deman: Ich komme ja nicht so oft in die Position, dass ich frei vor dem Tor stehe und dachte schon: ‚Das war ein bisschen zu einfach' (schmunzelt). Das 1:0 wäre zu dem Zeitpunkt natürlich super gewesen, als es aberkannt wurde, war für mich nur noch wichtig, dass wir weiter machen. In der zweiten Halbzeit dann doch das Tor zu schießen, hat uns als Gruppe einfach gutgetan. Am Ende war es mir auch egal, ob ich ein Tor schieße oder nicht, sondern ich war einfach nur glücklich über die drei Punkte. 

WERDER.DE: Du hast im Laufe des Gesprächs schon betont, dass ihr nun nachlegen müsst. Wie könnt ihr den Schwung mit in die nächsten Spiele nehmen?

Olivier Deman: Wir haben viel Energie in die letzten Spiele gelegt und damit müssen wir jetzt weitermachen. Manche Spiele werden in zwei, drei Momenten entschieden, die zuletzt nicht für uns ausgefallen sind. Am Wochenende haben wir damit angefangen, diese Details auf unsere Seite zu drehen. Die gute Laune müssen wir mit in die Trainingswoche, nach Berlin und die nächsten Wochen nehmen.

WERDER.DE: Mit Union Berlin trefft ihr auf einen Gegner, mit dem geringsten Ballbesitz in der Bundesliga. Was für ein Spiel erwartest du am Wochenende in der Hauptstadt?

Olivier Deman: Sie treten als Mannschaft sehr geschlossen auf. Es wird an keinem Spieltag leicht. Wir kennen aber unsere Qualitäten, haben gute Fußballer und wenn wir in den Zweikämpfen da sind und die richtige Intensität an den Tag legen, dann ist alles möglich für uns. Die Tabelle ist sehr eng zusammen, trotzdem müssen wir es jetzt Spiel für Spiel angehen.

WERDER.DE: Wir wünschen viel Erfolg in Berlin. Vielen Dank für das Gespräch, Oli!

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