"Für das Vertrauen bedanken"
MIO BACKHAUS UND KARIM COULIBALY IM INTERVIEW
14.05.26 von Marcel Kuhnt | 3 Min
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31 Spiele auf der einen, 26 auf der anderen Seite. Sowohl Mio Backhaus als auch Karim Coulibaly haben der Saison 2025/26 ihren Stempel aufgedrückt. Im Doppel-Interview mit WERDER.DE blicken die beiden Newcomer auf ihre erste Bundesliga-Spielzeit zurück. Dabei sprechen sie über Höhen und Tiefen sowie über die Rückendeckung innerhalb des Teams.
WERDER.DE: Moin Mio, Moin Karim! Steigen wir langsam ein. Wie würdet ihr eure erste Bundesliga-Saison bewerten?
Mio Backhaus: Es war eine ganz schwierige Saison, um ehrlich zu sein. Wir haben uns punkte- und tabellentechnisch etwas ganz anderes vorgestellt. Für mich persönlich war es trotzdem eine erfolgreiche Saison, da ich mein Ziel erreicht habe. Ich wollte viele Spiele machen, was mir gelungen ist. Ich habe auch das Gefühl, dass ich der Mannschaft mit meinen Leistungen helfen konnte. Darüber bin ich sehr happy. Daher setzen wir einen grünen Haken hinter die Spielzeit.
Karim Coulibaly: Ich hätte zu Saisonbeginn nicht erwartet, dass ich so viel Spielzeit erhalte. Mein Ziel war es, mein Bestes zu geben und mich im Training immer wieder anzubieten, um mich dann womöglich in den Kader zu kämpfen. Ich bin auch davon ausgegangen, dass ich öfter bei der U23 spiele. Als mir Horst Steffen und Raphael Duarte das Vertrauen gegeben haben, habe ich versucht meine Chance zu ergreifen. Daher bin ich glücklich, wie die Saison gelaufen ist und ich viel aus diesem Jahr mitnehmen konnte.
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WERDER.DE: Ihr sprecht das Vertrauen an. Wie wichtig ist dieses gerade für euch junge Spieler?
Mio Backhaus: Wer die Vergangenheit kennt, weiß, dass es für junge Spieler hier ab und zu schwieriger war und sie nicht die Leistung auf den Platz bringen konnten. Sowohl Horst Steffen als auch Daniel Thioune haben mir immer den Rücken gestärkt. Kiki Vander über die gesamte Spielzeit sowieso. Mir wurde immer das Gefühl gegeben, dass ich die volle Rückendeckung habe. Das hat mir extrem weitergeholfen. Für dieses Vertrauen möchte ich mich auch bedanken.
WERDER.DE: Woran macht man das Vertrauen fest? Über Gespräche oder wie muss man sich das vorstellen?
Karim Coulibaly: Bei uns jungen Spieler war es so, dass wir mit Björn Schierenbeck viel geredet haben. Er hat das Feedback von den Trainern erhalten und hat mit uns über alles gesprochen. Und uns motiviert.
WERDER.DE: Wie war dieses Feedback? Gab es das nach jedem Spiel oder nach einer Trainingswoche?
Karim Coulibaly: Wir haben nach den Spielen gesprochen und ansonsten in regelmäßigen Abständen. Es waren viele Einzelgespräche, ab und zu haben wir es auch in der Gruppe gemacht.
Mio Backhaus: Und bei mir war es eben Kiki Vander, der mit mir sehr viel geredet hat.
WERDER.DE: Gibt es für euch eine Partie, die euch besonders in Erinnerung geblieben ist? Karim, du lachst schon.
Karim Coulibaly: Für mich ist das ganz klar. Es war das erste Spiel von Beginn an gegen Leverkusen, indem wir am Ende noch ein 3:3 holen. Das werde ich nie vergessen. Zusätzlich ist es der Sieg im Nordderby.
Mio Backhaus: Bei mir ist es ähnlich. Ich muss zuerst an das Nordderby denken. Dieses Setting, die Atmosphäre und was die Fans da abgerissen haben – das hast du nicht so oft. Wir als Team wussten, dass es um so viel geht. Dass wir das Spiel dann so ziehen, war schon ein tolles Erlebnis. Und auch die Partie gegen Leverkusen, wo Karim debütierte. Wie die Fans uns supportet haben, habe ich selten erlebt. Dass wir in dem Match nochmal so zurückkommen, Karim trifft und das alles bei unserem ersten Bundesliga-Spiel im Weserstadion. Das war schon sehr emotional.
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WERDER.DE: Ihr habt es bereits angesprochen – es war eine schwierige Saison. Wir haben über die Highlights gerade gesprochen. Was waren jedoch die härtesten Momente?
Mio Backhaus: Für mich ist es ganz klar die Partie beim FC St. Pauli. Das war mein erster krasser Patzer und das in einem so wichtigen Spiel. Das war für mich im ersten Moment sehr hart. Allerdings muss ich sagen, wie das Team und die Trainer im Anschluss mit mir umgegangen sind, wie wir es gemeinsam aufgearbeitet haben. Das war klasse. Ich habe gemerkt, wie viele Leute hinter mir stehen und mir den Rücken stärken, wenn es auch mal scheiße läuft. Ich habe nach dem Spiel auf mein Handy geguckt und viele Wegbegleiter, wie zum Beispiel Zetti, haben mir geschrieben: ‚Kopf hoch und weiter geht's‘. Ich werde den Fehler zwar als negativen Moment in Erinnerung behalten, aber es war ein gutes Gefühl zu merken, dass Leute für mich da sind.
WERDER.DE: Im darauffolgenden Heimspiel gab es ja auch den Support aus der Kurve mit „Mio Backhaus“-Rufen…
Mio Backhaus: Das hat mir sehr gutgetan. In der Situation, in der wir zu dem Zeitpunkt waren mit gerade einmal 19 Punkten, ist es für mich auch nicht selbstverständlich, so gepusht zu werden. Das hat eine positive Energie gegeben.
Die besten Erfahrungen waren die Fehler, die ich gemacht habe. Aus diesen Situationen habe ich am meisten gelernt.
Karim Coulibaly
WERDER.DE: Karim, wie war es bei dir? Wie bist du mit Fehlern umgegangen?
Karim Coulibaly: Als ich meine ersten Spielminuten in der Bundesliga erhalten habe, war es bei mir ja auch so, dass ich mehr Fehlpässe gespielt habe und ich Aktionen schlechter geklärt habe, als ich es sonst getan habe. Als junger Spieler kann das alles passieren. Da haben mich meine Teamkollegen und die Trainer stets unterstützt. Aber wie es Mio schon gesagt hat – wir haben immer die Rückendeckung gehabt.
WERDER.DE: Was waren beim Sprung aus der U19 in die Bundesliga die wichtigsten Erfahrungen?
Karim Coulibaly: Die besten Erfahrungen waren die Fehler, die ich gemacht habe. Aus diesen Situationen habe ich am meisten gelernt. Je mehr Spiele ich gemacht habe, desto sicherer bin ich in meinen Abläufen geworden. Zudem war es auch so, dass ich von meinen erfahrenen Mitspielern einiges mitnehmen konnte.
WERDER.DE: Mio, auf der Torhüter-Position ist es etwas schwieriger, regelmäßig Spielpraxis zu erhalten. Letztes Jahr warst du an den FC Volendam ausgeliehen. Wie wichtig war dieser Zwischenschritt für dich?
Mio Backhaus: Wie wichtig die Leihe für mich war, hätte ich auch schon vor der Saison sagen können. Das Jahr war sehr lehrreich. In der niederländischen Liga konnte ich mich auf einem Top-Niveau Woche für Woche beweisen. Auch dort habe ich das Glück gehabt, dass ich das Vertrauen vom Trainerteam erhalten habe und dort jedes Spiel machen durfte. Daher kann ich jedem jungen Spielern nur empfehlen zu schauen, dass man auf dem höchstmöglichen Niveau Spielpraxis sammelt.
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WERDER.DE: Wie wichtig ist das Team bei der Entwicklung eines jungen Spielers?
Karim Coulibaly: Es ist sehr wichtig. Familie und Freunde stehen eh hinter einem. Und wenn du den Rückhalt aus dem Team, gerade von den erfahrenen Spielern spürst, tut das gut.
Mio Backhaus: In dieser Saison haben wir sehr viel Unterstützung erhalten. Bei mir persönlich waren es vor allem Markus Kolke, Leo Bittencourt und Yukinari Sugawara. Sie haben immer sehr ehrliches Feedback gegeben. Darüber hinaus haben wir einige Spieler im Team gehabt, die ungefähr im gleichen Alter waren. Wenn wir mit der Gruppe zusammen waren, war es wie ein Rückzugsort, wo man sich sicherfühlt. Und das hat mir, Karim und auch den anderen sehr geholfen.
WERDER.DE: Ihr habt also auch außerhalb des Platzes mit der Gruppe einiges gemacht?
Mio Backhaus: Ja, schon. Wenn jemand aus der Gruppe etwas erreicht hat, dann hat man die Leute auch mal eingeladen. Der eine bisschen größer, der andere ein bisschen kleiner (lacht).
WERDER.DE: Für die Spieler, die noch im Internat wohnen oder in den Teams des WERDER Leistungszentrums spielen, seid ihr Vorbilder. Wie viel bedeutet euch das?
Mio Backhaus: In die Rolle muss man reinwachsen. Das realisierst du am Anfang nicht, da man auf sich selbst fokussiert ist. Aber wenn du in der Stadt die ersten Jungs siehst, die die gleiche Frisur auf einmal tragen, dann solltest du die Vorbildrolle auch annehmen. Daher hoffe ich, dass wir mit unserem Weg den Jugendspielern eine Motivation sind, so wie es Pavlas und Zetti für mich früher waren. Da ist mit Sicherheit noch der ein oder andere Schritt für uns zu gehen, aber es ist schön, wenn man so gesehen wird.
Karim Coulibaly: Ich war auch zwei Jahre im Internat, weshalb es mich freut, wenn ich ihnen helfen kann. Als ich mein erstes Spiel gemacht habe, oder auch im weiteren Saisonverlauf, sind die Jungs zu mir gekommen und haben Fragen gestellt. Das mache ich gerne und es macht Spaß mit ihnen darüber zu sprechen.
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WERDER.DE: Nicht nur bei Werder habt ihr zusammengespielt. Zum Saisonende gab es auch das gemeinsame Spiel bei der deutschen U21-Nationalmannschaft. Wie war das Spiel für euch?
Karim Coulibaly: Das Spiel gegen Nordirland war mein Debüt und es war schon extrem cool mit Mio auf dem Platz zu stehen. Ich habe es sehr genossen und hoffe, dass ich mit ihm noch öfter für Deutschland auf dem Rasen stehen darf.
Mio Backhaus: Ich habe mich auch sehr gefreut, als ich ihn an der Außenlinie stehen gesehen habe. Er hat sich das total verdient und ich hoffe, dass es für ihn im DFB-Dress weitergeht.
WERDER.DE: Vielen herzlichen Dank für eure Zeit!
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