„Hier bin ich Fan von einem Verein geworden“
LEONARDO BITTENCOURT IM ABSCHIEDSINTERVIEW
15.05.26 von Peter Balthazaar | 4 Min
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Das Ende einer Fußball-Saison ist immer mit Abschied nehmen verbunden. Mit Leonardo Bittencourt wird den SV Werder ein Spieler verlassen, der mit seiner besonderen Art in Erinnerung bleiben wird. In seinem Abschiedsinterview spricht der 32-jährige Mittelfeldspieler über sieben Jahre an der Weser, seine emotionalsten Momente und Zukunftspläne.
WERDER.DE: Leo, sieben Jahre Werder gehen für dich zu Ende. Damit der Abschiedsschmerz nicht zu groß ist. Was war denn der schlimmste Moment in der Zeit?
Leonardo Bittencourt: Der Abstieg. Und dass ich euch kennengelernt habe (lacht).
WERDER.DE: Auf den Gag haben wir abgezielt. Was wird dir ohne Werder fehlen?
Leonardo Bittencourt: Das kann ich so gar nicht sagen. Das weißt du ja erst, wenn du weg bist. Mit Sicherheit aber die ganzen Mitarbeiter, mit denen ich viel Spaß hatte. Die Menschen, die in der Zeit Teil von mir waren. Mir wird schon fehlen, denen nicht mehr jeden Morgen einen Spruch zu drücken (lacht).
WERDER.DE: Und was wird Werder ohne dich fehlen?
Leonardo Bittencourt: Hoffentlich nichts. Spieler gehen, Spieler kommen. Ich wünsche dem Verein, dass er erfolgreicher sein wird als zu meiner Zeit. Und ich weiß nicht, ob ihr jemanden findet, der den Dreierlachs so emotional und mit einer Pieps-Stimme so authentisch sagen kann wie ich.
WERDER.DE: Du selbst hast auch Spieler kommen und gehen sehen. Hast du vorher schon mal den Gedanken gehabt, Werder vorzeitig den Rücken zu kehren?
Leonardo Bittencourt: Ich habe damals gesagt, dass ich mich vielleicht für was anderes entschieden hätte, wenn ich mich beim Abstieg nicht verletzt hätte. Weil es mir hier gut ging und ich unterbewusst gar nicht weg wollte, passieren dann auch Dinge, bei denen einem die Entscheidung genommen wird. Im Winter damals war der Gedanke dann auch nochmal da, aber ich hätte mich in der Phase nicht wohl gefühlt, Werder und der Mannschaft den Rücken zu kehren.
WERDER.DE: Als du am Deadline-Day 2019 zu Werder gekommen bist. Hättest du gedacht, dass du sieben Jahre hierbleibst?
Leonardo Bittencourt: Dass es so lange wird, hätte ich nicht gedacht. Als ich damals mit meinem Papa und dem Berater im Auto saß, habe ich gesagt, dass die Zeit gekommen ist, mal anzukommen. Ich hatte das Gefühl, dass das mit Werder passen würde. Wenn wir wieder beim Unterbewusstsein sind, habe ich mir das vielleicht auch eingeredet. Nach den ersten Spielen hatte ich aber direkt ein gutes Gefühl.
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WERDER.DE: Werder wird deine längste Profi-Station im Fußball bleiben. Welchen Platz hat Werder in deinem Fußball-Herz?
Leonardo Bittencourt: Platz 1! In Cottbus bin ich aufgewachsen und bin nach anderthalb Jahren schnell in das große, weite Fußballfeld hinaus. Das wird mein Heimatverein bleiben, wo ich eine wunderschöne Zeit als Kind, Jugendlicher und dann als Profi hatte. Aber hier in Bremen bin ich Fan von einem Verein geworden. Für mich waren die Zeiten bei den Klubs vorher kurz, schön und intensiv. Die sieben Jahre machen einen dann doch zum Fan. Dass Werder so besonders ist, weiß man nur, wenn man hier war.
WERDER.DE: Du bist ein großer Familienmensch. Wie schwer ist der Ortswechsel, der auf euch zukommt?
Leonardo Bittencourt: Wichtig war, dass alles länger vorbereitet und mit den Kindern frühzeitig kommuniziert war. Sie sind ganz aufgeregt und freuen sich ein Stück weit auf was Neues. Meine Kinder sind hier zur Schule gegangen, mein Sohn ist hier geboren. Er hat mich schon gefragt, ob er Bremen-Fan bleiben darf. Ich habe ihm geantwortet, dass wir das immer bleiben und die Spiele zusammen schauen können. Die Familien sitzen hier in Bremen ja hinter der Kurve und meine Kinder haben gefühlt nur Werder-Lieder im Kopf.
WERDER.DE: Wir sind mit etwas Negativem eingestiegen. Was bleibt denn positiv hängen?
Leonardo Bittencourt: Ich kann gar nicht den einen Moment nennen. Der Aufstieg war unglaublich, die Auswärtsspiele auf Schalke und Berlin waren besonders. Mein 300. Bundesliga-Spiel in Wolfsburg mit einem Sieg auch. Insgesamt einfach jeder positive Moment.
WERDER.DE: Und was war dein schönstes Tor für Werder Bremen?
Leonardo Bittencourt: Da waren so viele, welches nehme ich denn da? (schmunzelt) Beide Tore gegen Dortmund waren schön, ich bin aber auch großer Fan von Kopfballtoren. Der Flugkopfball in Wolfsburg oder mit links auf Schalke. Vom ganzen Set-Up, mit dem Flutlicht, der Atmosphäre und dem Spielausgang ist es aber ganz klar das Heimspiel gegen Dortmund – ein Strahl von einem anderen Stern.
WERDER.DE: Was bleibt neben dem Platz hängen?
Leonardo Bittencourt: Sehr viel. Ich habe tolle Menschen kennengelernt – auch außerhalb des Fußballs. Mitarbeiter, die eigentlich immer sehr gut zu mir waren und auf die ich mich immer verlassen konnte. Sie leben Tag und Nacht für den Verein, was ihn so besonders macht. Ich habe ein Stück weit aufgezeigt bekommen, wie man Leidenschaft für seinen Job entwickeln kann. Ich hatte viel Spaß mit euch. Entschuldigung für meine Launen manchmal (schmunzelt). Danke, dass ihr die ausgehalten habt.
WERDER.DE: Wir hatten auch viele schöne Termine mit WERDER.TV. Welcher bleibt da am meisten hängen?
Leonardo Bittencourt: Das waren echt viele. Zimmerduelle fand ich immer ganz witzig. Das Riesenrad war auch sehr witzig, weil ihr euch alle totgelacht habt. Ihr wart kurz davor mich in den Free-Fall-Tower zu bekommen, aber da hätte ich mich nur blamiert.
WERDER.DE: Eine Frage noch von unserer Rechtsabteilung – die Nutzungsrechte für den Dreierlachs können wir schon behalten?
Leonardo Bittencourt: Natürlich. Ruft mich aber auch mal an, wenn ich dann noch Jungs kenne, die noch da sind. Nur, wenn ich gegen euch spielen sollte, wäre das doof.
WERDER.DE: Es gab viele große Spieler mit der Nummer 10 bei Werder. Wie bewertest du deine Zeit mit der Rückennummer?
Leonardo Bittencourt: Auch wenn ich nicht in eine Reihe mit Diego, Micoud und vielen anderen komme – ich hoffe, dass mich die Fans als jemand in Erinnerung behalten, der immer alles für den Verein gegeben und das Trikot immer mit Stolz getragen hat. Die Nummer 10 zu tragen hat vielleicht nicht mehr die Bedeutung wie früher, für mich war sie als kleiner Junge aber besonders. Für einen Verein wie Werder Bremen diese Nummer so lange zu tragen, erfüllt mich einfach mit Stolz.
WERDER.DE: Eine unausweichliche Frage: Was kann nach Werder Bremen noch kommen und wie planst du deine Zukunft?
Leonardo Bittencourt: Ich werde mir mit meiner Entscheidung Zeit lassen, weil sie wichtig ist. Viel Zeit habe ich nicht mehr und deswegen muss der nächste Schritt gut bedacht sein. Es ist natürlich schwer, eine neutrale Entscheidung zu treffen, wenn ich den Vergleich zu Werder ziehe. In naher Zukunft wird es aber so weit sein und ansonsten mache ich erstmal Urlaub.
WERDER.DE: Wir haben die Zeit mit dir sehr genossen. Vielen Dank und alles Gute, Leo!
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