"Verbinde sehr viel Vertrauen und Geborgenheit mit Werder"
MARCUS MLYNIKOWSKI IM INTERVIEW ZUM START DER REIHE "GRÜN-WEISS FÜRS LEBEN"
22.04.26 von Noah Brodersen | 5 Min
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Der Traum vom Profifußball lebt in jedem, der einmal Teil des WERDER Leistungszentrums wird. Dennoch funktioniert der Sprung in den hochklassigen Fußball nicht für alle. In unserer Serie „Grün-Weiß fürs Leben“ berichten unsere ehemaligen Jugendspieler, was sie aus ihrer Zeit beim SV Werder für ihr späteres Leben mitgenommen haben. Im dritten Teil der Reihe sprechen wir mit Marcus Mlynikowski. Der ehemalige Junioren-Nationalspieler war von 2010 bis 2012 beim SVW aktiv. Nach einer bewegten Karriere mit einigen Auslandsstationen ist er nun als Leiter der Athletikabteilung beim dänischen Zweitligisten Esbjerg fB tätig.
WERDER.DE: Moin Marcus, fangen wir doch mal von vorne an. Wie bist du eigentlich zum Fußball gekommen?
Marcus Mlynikowski: „Ich habe beim Oranienburger FC Eintracht mit sieben Jahren auf eigenen Wunsch mit dem Fußballspielen angefangen. Mit der Zeit habe ich dann gemerkt, dass ich vielleicht ein bisschen besser spiele als meine Teamkameraden. Nachdem sich der Wechsel in ein Leistungszentrum zunächst aufgrund einer kleinen Verletzung zerschlagen hatte, ging es dann 2005 zu Union Berlin. Dort war ich Teil eines starken Jahrgangs und habe unter anderem mit Tom Trybull und Steven Skrzybski zusammengespielt. Da kam dann das Verständnis, dass man mit dem Sport auch irgendwann mal nach der Schule Geld verdienen könnte.“
WERDER.DE: Wie kam dann der erste Kontakt zu Werder zustande?
Marcus Mlynikowski: „Wir waren damals mit Union in die A-Junioren-Bundesliga aufgestiegen und ich hatte mich in der Partie gegen Werder ein wenig am Sprunggelenk verletzt. Auf dem Weg vom Gelände hat mich dann der damalige Trainer Mirko Votava angesprochen und sich nach meinem Befinden erkundet. Ein paar Monate später war ich dann bei einem Sichtungstraining der Nationalmannschaft und habe mit meinen Leistungen auf mich aufmerksam gemacht. Anschließend haben ein paar Scouts von Bundesligavereinen meinen Vater angesprochen. Ich meine mich zu erinnern, dass Mirko Votava auch damals seine Finger im Spiel hatte. Von da an war Werder für mich die einzige Option. Das norddeutsche Leben hat mir schon immer gefallen. Zudem hatte ich mich informiert und wusste, dass bei Werder großer Wert auf ein familiäres Miteinander gelegt wird.“
WERDER.DE: Du bist 2010 in die U19 des SV Werder gewechselt. Wie leicht fiel dir die Eingewöhnung in Bremen?
Marcus Mlynikowski: „Ich erinnere mich noch sehr gerne an die Zeit zurück, weil damals ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen ist. Die Eingewöhnung wurde mir auch sehr leicht gemacht, da ich im Internat wohnen durfte. Dadurch habe ich mit meinen Kollegen Tür an Tür gewohnt und hatte immer Personen um mich herum, mit denen ich auch über Probleme sprechen konnte. Wir hatten die gleichen Interessen und Abläufe. Es war stets Betrieb um mich herum, sodass gar keine Zeit für Heimweh bestand. Insgesamt waren wir eine geschlossene Einheit, die mir gezeigt hat, wie wichtig mir das Arbeiten als Gemeinschaft im Team ist.“
WERDER.DE: Welche Menschen haben dich während dieser Zeit besonders für dein Leben geprägt?
Marcus Mlynikowski: „Auf dem Platz vor allem die Trainer, weil ich mit ihnen am meisten Kontakt hatte. In der U19 unter Mirko Votava lief es sehr gut, dort habe ich auch sehr viele Freiheiten bekommen. Bei Thomas Wolter spielten wir dann in der 3. Liga gegen den Abstieg. Es war auch ein neuer Aspekt in meinem sportlichen Leben, nicht mehr erfolgreich zu sein und auf ein Ziel hinzuarbeiten, sondern den Druck zu haben, den Abstieg zu vermeiden. Und auch neben dem Rasen habe ich wichtige Erfahrungen gemacht. Ich verbinde sehr viel Vertrauen, Geborgenheit und Sicherheit mit Werder. Ich musste mich zum ersten Mal eigenständig – ohne dass meine Eltern in der Nähe waren – behaupten. Das habe ich für mein Leben mitgenommen.“
WERDER.DE: Bei Werder hattest du ja bereits in der 3. Liga gespielt. Über verschiedene Stationen und nach einer Nominierung für den Bundesligakader bei Hertha BSC hast du im Alter von 25 Jahren noch einmal 26 Drittliga-Partien für den Chemnitzer FC bestritten. Warum hat es bei dir dennoch nicht für die große Profikarriere gereicht?
Marcus Mlynikowski: „Mir ist es wichtig zu sagen, dass ich nicht bei anderen die Schuld suche, sondern mich selbst für mein Schicksal verantwortlich sehe. Bei Werder hatte ich mit Florian Hartherz einen starken Konkurrenten auf meiner Position. In Chemnitz war ich meistens gesetzt. Allerdings sind wir dann abgestiegen und der Verein hatte große finanzielle Schwierigkeiten, wodurch mir mein Gehalt nicht ausgezahlt werden konnte. Ich war jedoch nicht an dem Punkt, an dem ich gesagt hätte, dass ich ein gestandener Drittligaspieler bin. Ich habe dann für mich entschieden, dass ich einen Schritt zurück in die Regionalliga gehen will. Mit dem Berliner AK haben wir dann leider knapp die Aufstiegsspiele verpasst.“
WERDER.DE: Dein weiterer Karriereweg hat dich nach Dänemark geführt. Wie kam es dazu?
Marcus Mlynikowski: „Es gibt einen sehr empfehlenswerten Film über die Karriere und Auslandsstationen von Thomas Broich. Dieser hat mich inspiriert. In viel jüngeren Jahren bei Werder hatte ich mir ja schon bewiesen, dass ich mich auch allein weiter entfernt von der Heimat gut zurechtfinde (schmunzelt). Außerdem war ich zu dieser Zeit nicht gebunden und wollte etwas Neues ausprobieren. Durch einen Kontakt bin ich zuerst nach Vietnam gekommen und habe dort ein Probetraining absolviert. Es war super, allerdings habe ich mich mit den Rahmenbedingungen nicht sehr wohl gefühlt. Wenig später bin ich dann durch Fabian Ernst zum Næstved BK nach Dänemark gekommen. Mittlerweile spreche ich auch fließend dänisch, auch wenn ich früher mit Fremdsprachen wie beispielsweise im Leistungskurs „Englisch“ bei Werder so meine Probleme hatte (lacht). Heute habe ich mit meiner Freundin einen Sohn, der sogar zweisprachig aufwächst.“
"Ich fand den physiologischen Aspekt beim Fußball schon immer sehr spannend und hatte schon zu meiner Zeit bei Werder ein etwas anderes Auge dafür."
Marcus Mlynikowski
WERDER.DE: Im Jahr 2016 hast du nebenbei auch dein Studium im Bereich der Sportwissenschaften angefangen. Warum hast du dich für diesen Schritt entschieden?
Marcus Mlynikowski: „Meine damalige Partnerin hatte ihr Jurastudium begonnen und ich habe gemerkt, dass ich auch gerne ein wenig mehr geistig gefordert wäre. Zu der Zeit sah es auch nicht mehr danach aus, dass ich noch eine typische Bundesligakarriere machen würde. Außerdem hatte ich einige Spieler kennengelernt, die mit Anfang 30 und kaputten Knien noch nicht ausgesorgt hatten. Ich wollte nicht in ein paar Jahren auch so ein Leben führen. Deswegen war es mir wichtig, mir ein zweites Standbein aufzubauen. Es war mein Ziel, einen fließenden Übergang vom Sport ins Berufsleben zu finden.“
WERDER.DE: Das ist dir ziemlich gut gelungen. Du hast deine aktive Karriere im November 2024 mit 32 Jahren beendet, hattest aber schon vorher als Athletiktrainer bei Kolding IF im Nachwuchs gearbeitet und bist jetzt – keine zwei Jahre später – Leiter der Athletikabteilung bei Esbjerg fB in der zweiten dänischen Liga. Warum bist du diesen Weg gegangen?
Marcus Mlynikowski: „Ich hatte schon länger ein paar Probleme mit meinem Knie und wurde bei Fremad Amager dann aussortiert. Mir kam dann auch die Erkenntnis, dass es nicht mehr für die zweite dänische Liga reicht. Über Kontakte bin ich dann zum Middelfahrt Boldklub in die vierte Liga gekommen. Ich wusste, dass ich dort noch ein bisschen Geld verdienen kann und wollte nebenbei im Athletikbereich tätig sein. Zu der Zeit hatte ich auch meine Selbstständigkeit begonnen und bin mit Flyern durch die Stadt gelaufen, um auf mich aufmerksam zu machen. Dann habe ich meinen Nebenjob bei Kolding gefunden und wenig später das Angebot über die Vollzeitstelle bei Esbjerg bekommen. Das hat mich überzeugt, meine aktive Karriere zu beenden.“
WERDER.DE: Was fasziniert dich an deinem Job?
Marcus Mlynikowski: „Ich fand den physiologischen Aspekt beim Fußball schon immer sehr spannend und hatte schon zu meiner Zeit bei Werder ein etwas anderes Auge dafür. Für mich waren die Bewegungsmuster von Spielern immer interessant, beispielsweise das Abdruckverhalten oder die Abläufe beim Dribbling. Dazu habe ich auch selbst als Sportler gemerkt, welche Fortschritte mit gutem Athletiktraining möglich sind. Das möchte ich jüngeren Spielern nun auch ermöglichen, die in der gleichen Situation sind, in der ich selbst einmal war. Vielleicht kann ich mir in ein paar Jahren wegen meiner Familie ein Leben ohne den Fußball vorstellen. Momentan bin ich aber sehr glücklich mit dem Weg, den ich eingeschlagen habe.“
WERDER.DE: Das freut uns zu hören. Viel Erfolg auf deinem weiteren Weg!
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