„Wir haben gezeigt, was in uns steckt“

LINA HAUSICKE BLICKT AUF DIE SAISON DER WERDERFRAUEN ZURÜCK

26.05.26 von Marie Backhaus | 6 Min

Lina Hausicke in einem grünen Pullover steht an einem bewölkten Tag unter anderem mit einem Kind im Vordergrund.

Mit Platz sechs und einer neuen Bestmarke in der Google Pixel Frauen-Bundesliga haben die WERDERFRAUEN eine starke Saison gespielt. Kapitänin Lina Hausicke spricht im Interview über die Entwicklung der Mannschaft, die Herausforderungen der Rückrunde, die besondere Verbindung zu den Fans und warum die Spielzeit trotz aller Höhen und Tiefen in positiver Erinnerung bleiben wird.

WERDER.DE: Lina, wenn du auf die Saison zurückblickst: Welches Gefühl beschreibt sie für dich am besten?

Lina Hausicke: Ich glaube, da war sehr viel drin. So eine Saison ist einfach immer super lang. Wir haben eine sehr, sehr gute Hinrunde gespielt, waren als Mannschaft erfolgreich und hatten vor allem viele positive Erlebnisse. In der Rückrunde wurde es dann schwieriger, weil uns einfach der Rhythmus gefehlt hat. Durch die vielen Länderspielpausen und Spielausfälle waren wir kaum zusammen. Natürlich lief die Rückrunde nicht mehr so erfolgreich wie die Hinrunde, aber ich würde trotzdem nicht sagen, dass die negativen Emotionen überwiegen. Im Gegenteil, ich glaube schon, dass wir eine Weiterentwicklung gezeigt haben, auch wenn am Ende vielleicht sogar noch ein bisschen mehr drin gewesen wäre.

WERDER.DE: Woran hast du diese Entwicklung besonders gemerkt?

Lina Hausicke: Vor allem an der Hinrunde. Wir haben schnell gemerkt, dass wir in einen Flow gekommen sind. Bezeichnend war für mich diese Englische Woche mit den Spielen gegen Union, Essen und Leipzig, in der wir neun Punkte geholt haben. Das waren extrem wichtige und erfolgreiche Spiele für uns. Diese Phase hat uns unglaublich viel Schub gegeben und war sicher entscheidend für die starke Hinrunde und die Rekordsaison.

WERDER.DE: Die Rückrunde war dann deutlich herausfordernder. Würdest du sagen, das war die schwierigste Phase der Saison?

Lina Hausicke: Auf jeden Fall. Wir kamen eigentlich voller Euphorie aus dem Trainingslager in Spanien zurück, weil wir wussten, dass wir die Chance haben, oben mitzuspielen. Wir hatten unsere Ziele im Winter sogar nochmal höher gesteckt, weil wir die ursprünglichen Erwartungen früh übertroffen hatten. Dann wurden wir aber durch den harten Winter und die Spielausfälle ein Stück weit ausgebremst. Dazu kamen später zwei Englische Wochen, nachdem wir zuvor kaum Spiele hatten. Viele Nationalspielerinnen waren unterwegs, wir konnten als Mannschaft kaum gemeinsam trainieren. Das soll keine Ausrede sein, aber das macht es als Team natürlich schwieriger.

WERDER.DE: Hat die gestiegene Erwartungshaltung vielleicht zusätzlich Druck erzeugt?

Lina Hausicke: Natürlich schon. Wenn du im Winter auf Platz drei stehst, träumen plötzlich viele von den internationalen Plätzen. Aber wir haben uns diese Situation selbst erarbeitet und deshalb auch selbst den Anspruch entwickelt, oben dranzubleiben. Wir wollten die Erwartungen von außen und unsere eigenen Ziele erfüllen. Gleichzeitig haben wir schnell gemerkt, dass dir in dieser Liga nichts geschenkt wird. Gerade hinten raus hat uns vielleicht auch ein bisschen die Kraft gefehlt.

Lina Hausicke in weißem Trikot schießt den Ball auf einem Spielfeld, im Hintergrund jubelt die Menge und es sind Fanbanner zu sehen.

WERDER.DE: Trotzdem könnt ihr insgesamt sehr zufrieden auf die Saison schauen.

Lina Hausicke: Ja, auf jeden Fall. Wenn man die Hin- und Rückrunde zusammennimmt und sieht, welche Punktzahl wir erreicht haben, dann war das eine starke Saison.

WERDER.DE: Was war dein persönliches Highlight?

Lina Hausicke: Das ausverkaufte Weserstadion gegen den HSV gehört definitiv dazu. Als ich nach Bremen gekommen bin, haben wir davon geträumt, überhaupt mal im Weserstadion zu spielen. Dass es irgendwann ausverkauft sein würde, war damals ganz weit weg. Dieses Erlebnis war wirklich besonders. Aber auch das letzte Heimspiel mit sieben Toren war nochmal ein echtes Fußballfest. Gerade weil uns einige Spielerinnen verlassen werden, war das emotional ein ganz besonderer Tag.

WERDER.DE: Die Fans haben euch die gesamte Saison über beeindruckend unterstützt.

Lina Hausicke: Absolut. Es ist kein Zufall, dass wir zuhause so stark waren. Wir fühlen uns auf Platz 11 einfach wohl und unsere Fans sind ein riesiger Faktor. Diese eigene Fankultur, die hier entstanden ist, ist schon etwas Besonderes. Wenn du auf dem Platz stehst und diese Stimmung spürst, gibt dir das unglaublich viel Energie – gerade in den entscheidenden Momenten eines Spiels. Dafür sind wir sehr dankbar.

WERDER.DE: Du bist mittlerweile seit einigen Jahren Kapitänin der WERDERFRAUEN. Was bedeutet dir diese Rolle?

Lina Hausicke: Sehr viel. Ich glaube, ich bin jetzt fünf oder sechs Jahre Kapitänin und natürlich wächst man mit der Aufgabe. Gerade durch meine Verletzungen habe ich in den vergangenen Jahren auch persönlich viel gelernt. Mir ist wichtig, immer ich selbst zu bleiben. Ich trage die Binde mit großem Stolz, weil Werder einfach ein besonderer Verein ist und ich mich total mit den Werten und den Menschen hier identifizieren kann.

WERDER.DE: Mit Blick auf die kommende Saison steht ein größerer Umbruch bevor. Wie blickst du darauf?

Lina Hausicke: Natürlich ist das erstmal ungewohnt und tut auch weh, weil uns viele Spielerinnen verlassen, mit denen wir über Jahre viel erlebt haben. Gleichzeitig steckt darin aber auch eine Chance. Wir hatten zuletzt eine sehr eingespielte Mannschaft mit klaren Strukturen. Das wird sich jetzt neu entwickeln müssen. Aber ich bin sicher, dass wir auch daraus wieder etwas Gutes entstehen lassen können.

WERDER.DE: Jetzt geht es erstmal in die Sommerpause. Worauf freust du dich am meisten?

Lina Hausicke: Ehrlich gesagt einfach auf ein bisschen Abstand. Ich habe einige Urlaube geplant, studiere nebenbei aber auch noch, werde etwas arbeiten und eine Prüfung schreiben. Ganz raus bin ich also nicht. Trotzdem tut es gut, den Kopf mal freizubekommen und neue Energie für die kommende Saison zu sammeln.

WERDER.DE: Lieben Dank dir, Lina. Genieß die Sommerpause!

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