"Werder-Family bleibt Werder-Family"

MIO BACKHAUS IM ABSCHIEDSINTERVIEW

26.05.26 von Fiona John | 4 Min

Fußballspieler in Mannschaftstrikots klatschen und stehen auf einem Spielfeld, im Hintergrund ist eine Menschenmenge zu sehen.

Dass Mio Backhaus den SV Werder verlässt, steht bereits seit einigen Tagen fest. Richtig verabschieden konnte sich der Keeper, der ab der U15 für den SVW auflief, bisher nicht. Diese Chance nutzte der 22-Jährige nun in einem emotionalen Abschiedsinterview und sprach über die letzten Jahre, die ihn aus der Jugend in die Bundesliga führten, die Werder-Familie und die Unterstützung der Fans.

WERDER.DE: Moin Mio, dir war es ein Anliegen nach deinen Abschiedsworten, dich auch nochmal vor Ort von Werder zu verabschieden. Warum?

Mio Backhaus: Nach acht Jahren, die ich hier war, ist es nicht mein Stil mich nur mit einem kleinen Video zu verabschieden. Deswegen war es mir wichtig, dass wir hier noch einmal sprechen können und ich mich persönlich verabschieden kann. Ich bin dem Verein sehr dankbar. Da soll es kein Video mit einer weißen Wand hinten sein, sondern mit Werder im Hintergrund, hier im Stadion.

WERDER.DE: Deine Abschiedsworte auf Social Media haben die Fans sehr positiv aufgenommen. Was bedeutet dir das?

Mio Backhaus: Es bedeutet mir sehr viel. Wenn ein Spieler einen Verein verlässt, sind positive Worte von den Fans nicht selbstverständlich. Ich habe ganz viele Nachrichten bekommen und freue mich, dass mich die Werder-Fans weiter unterstützen.

WERDER.DE: Die Meldung ist jetzt ein paar Tage her. Wie sehr hast du schon realisiert, dass du das nächste Mal als Gast ins Weserstadion kommst? Fühlt sich dieser Gedanke nicht irgendwie surreal an?

Mio Backhaus: Wenn ich ins Stadion einlaufe, werde ich Gast sein. Das wird glaube ich sehr komisch. Ich werde vorher aber auch noch einige Male herkommen. Daher wird es heute nicht mein letztes Mal sein. Aber wirklich realisiert habe ich das noch nicht. Es sind so viele Sachen, die für mich normal waren, dass man hier den Osterdeich runterfährt, zum Training geht. In der Kabine mit den Jungs zusammen ist, hier seine Heimspiele hat. Das habe ich noch nicht realisiert, dass das ab nächster Saison nicht mehr so sein wird. Wenn ich darüber nachdenke, ist das ein sehr komisches Gefühl.

Ein junger Mann in einem weißen Hemd und gemusterten Shorts steht selbstbewusst mit verschränkten Armen vor dem grünen Hintergrund von Werder Bremen.
Mio Backhaus kam mit 14 Jahren zum SVW (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Du hast viele Jahre im Werder-Trikot verbracht. Was waren deine prägendsten Momente?

Mio Backhaus: Auf jeden Fall mein Bundesliga-Debüt. Da ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Wir hatten letzte Saison schon ein paar coole Momente, mit dem Nordderby natürlich, dem Auswärtssieg in Wolfsburg. Heimsiege, bei dem jeder auf seine Art besonders war. Auch das Heidenheim-Spiel, wo ich hier eingelaufen bin und das ganze Stadion meinen Namen gerufen hat. Das werde ich nie vergessen.

WERDER.DE: Du bist als 14-Jähriger an die Weser gekommen. Wie besonders war auch deine Zeit im LZ?

Mio Backhaus: Sehr besonders. Ich bin hergekommen von ganz woanders. Ich hatte ja gar nichts mit dem Norden zu tun. Trotzdem habe ich mich sehr schnell wohl und zuhause gefühlt. Das liegt natürlich am Umfeld, aber vor allem an den Leuten, die mich unterstützt und begleitet haben. Da habe ich sehr positive Erinnerungen. Mit vielen Jungs aus der Mannschaft habe ich immer noch Kontakt – allen voran natürlich Keke Topp. Deswegen war das eine besondere Zeit von der U15 bis U19. Ich habe jeden Jahrgang hier gespielt, mein Abi hier gemacht, Corona erlebt. Deswegen konnte ich hier wachsen.

"Unterstützt ihn genauso, wie ihr mich unterstützt habt."

WERDER.DE: Du sprichst die Wichtigkeit des Umfelds an. Bist du froh, dass du bei allem badisch im Breisgau auch auf eine norddeutsche Werder-Fraktion beim Sport-Club triffst?

Mio Backhaus: Auf jeden Fall. Tony (Anthony Jung, Anm. d. Red.) kenne ich ja schon. Aber wenn ich auch höre, was für Typen da sind mit Maxi Eggestein oder Patrick Osterhage, von denen ich nur positive Sachen höre – da freue ich mich schon sehr drauf. Werder-Family bleibt Werder-Family.

WERDER.DE: Hast du schon Kontakt zu dem einen oder anderen ehemaligen bzw. neuen Teamkollegen gehabt?

Mio Backhaus: Ja. Maxi Eggestein hat mir geschrieben, Christian Günter und Tony natürlich auch. Alle haben mir gesagt, dass sie sich freuen und ich mich melden kann, wenn ich Hilfe brauche. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Fußballspieler stehen in einer Reihe, tragen ihre Mannschaftstrikots, klatschen und lächeln auf einem schwach beleuchteten Spielfeld.
Für Mio Backhaus ist der SV Werder eine Familie (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Was wirst du an Werder und an Bremen besonders vermissen?

Mio Backhaus: Dass hier meine Familie ist. Ich habe hier ohne meine Eltern gelebt. Das hat Werder ein Stück weit ersetzt. Für mich sind das hier ganz besondere Menschen, auch für mein Leben, mit denen ich hier zu tun hatte. Die werde ich natürlich vermissen. Das sind nicht nur Trainer, sondern auch Mitspieler, Menschen aus dem LZ, Leute aus meinem Umfeld. Wenn ich mir überlege, dass es wegfällt mit ihnen zu quatschen, dann ist das schon ein wenig traurig. Aber ich werde hier noch oft genug aufkreuzen, dass der Kontakt nicht abbricht.

WERDER.DE: Michael Zetterer hat dir damals sehr wertschätzende Worte mit auf den Weg gegeben. Wie sind deine Gedanken über deinen Nachfolger Karl Hein?

Mio Backhaus: Er ist ein toller Mensch und hat mich die ganze Saison unterstützt. Vor allem ist er ein richtig guter Torwart. Dementsprechend brauche ich ihm nichts mitgeben, aber ich möchte den Fans etwas sagen: Unterstützt ihn genauso, wie ihr mich unterstützt habt. Schraubt die Erwartungshaltung nicht zu hoch. Er hat bereits zwei überragende Spiele gemacht und wird auch weiter überragende Spiele machen. Aber es wird nicht immer alles bergauf gehen. Deshalb unterstützt ihn. Egal, in welcher Lage. Er ist ein super Typ und ihr werdet richtig viel Spaß mit ihm haben.

WERDER.DE: Vielen Dank, viel Erfolg und bis bald, Mio!

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