"Wir haben mit den Fans eine Festung aufgebaut"

WERDERFRAUEN-CHEFTRAINERIN FRIEDERIKE KROMP IM SAISONABSCHLUSSINTERVIEW

27.05.26 von Marcel Kuhnt & Fiona John | 4 Min

Eine lächelnde Frau in einem schwarzen Shirt steht zusammen mit Menschen in Sportkleidung auf einem Sportplatz und unterhält sich mit ihnen.

Fritzy Kromp kann auf ein überaus erfolgreiches Jahr der WERDERFRAUEN zurückblicken. 43 Punkte – so viele, wie noch nie – stehen am Ende auf dem Konto der Grün-Weißen. Wie die Cheftrainerin selbst ihr erstes Jahr an der Seitenlinie erlebt hat und was zwischen einem Derbysieg im Weserstadion und der Festung Platz 11 in Erinnerung bleibt, verriet die 41-Jährige im Interview.

WERDER.DE: Moin Fritzy. Deine erste Saison als Werder-Trainerin ist vorbei. Wie blickst du auf deine Premieren-Saison zurück?

Fritzy Kromp: Man kann durchaus sagen, dass es eine gute Saison war. Wir haben die 40-Punkte-Marke geknackt, an unserer Spielidee gearbeitet und stellenweise tolle Spiele und tollen Fußball gezeigt. Natürlich waren ein paar Höhen und ein paar Tiefen dabei, die aber dazu gehören.

WERDER.DE: Nenne doch mal ein paar von diesen Spielen, die besonders in Erinnerung geblieben sind?

Fritzy Kromp: Ich denke vor allem an unsere Spiele auf Platz 11, weil die meisten davon wirklich bemerkenswert waren und wir Siege gegen Frankfurt, Hoffenheim und Leverkusen einfahren durften. Aber natürlich denke ich auch an das Spiel hier im Weserstadion, das erste Nordderby in der Liga gegen den HSV - gekrönt mit einem Derbysieg. Das war natürlich ein tolles Ereignis mit dem großen grün-weißen Publikum. Das hat uns total gepusht und wird in jedem Rückblick einen festen Bestandteil haben. Aber auch das Nordderby in Hamburg und das Stadionspiel in Köln waren Highlights.

WERDER.DE: Du hast die Spiele auf Platz 11 gerade schon angesprochen. Ihr habt eine super Serie auf heimischem Rasen hingelegt, nur Meister FC Bayern München konnte hier gewinnen. War die Heimstärke der Schlüssel zum Erfolg?

Fritzy Kromp: Definitiv. Für einen Verein wie Werder Bremen muss es der Anspruch sein, zuhause möglichst viel zu punkten und eine Festung zu errichten. Das will natürlich jeder, aber den wenigsten ist es so eindrucksvoll gelungen wie uns. Wenn uns vorher jemand gesagt hätte, dass wir nur eine Niederlage hinnehmen müssen und zahlreiche Siege gegen die Teams im oberen Tabellendrittel einfahren können, hätten wir das alle sofort unterschrieben. Zum einen ist das außergewöhnlich für uns als Team, zum anderen spricht es einfach für den Support hier. Egal, bei welchem Wetter – hier war immer eine super Unterstützung auf Platz 11. Wir haben zusammen mit unseren Fans diese Festung aufgebaut. Umso mehr hat es uns gefreut, dass wir uns im letzten Heimspiel gegen Jena nochmal bei ihnen bedanken konnten. Die Spielerinnen haben sich nochmal an ihrer Ehre gepackt gefühlt und wollten ein tolles Spiel zeigen. Mit dem 7:0 haben wir nochmal ein Ausrufezeichen gesetzt und die Heimsaison gekrönt.

Fußballfans, die in einem vollbesetzten Stadion mit Fahnen jubeln, davor ein Schild mit der Aufschrift „GOLDSCHMAUS“. Zwei Spieler rennen über das Spielfeld.
Die Fans waren in dieser Saison mal wieder ein entscheidender Faktor für den Erfolg (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Du sprichst den Support an. Die Unterstützung der Fans war zuhause sowie auswärts mal wieder herausragend in dieser Saison. Hast du so eine Unterstützung bei deinen bisherigen Stationen schon einmal erlebt?

Fritzy Kromp: Nein, nicht ansatzweise. Ich wusste vorher, dass es hier ganz besonders ist. Das ist nicht nur ein Grund für viele Spielerinnen, sich für Werder zu entscheiden. Auch für mich hat es eine Rolle gespielt, weil man schon gemerkt hat, was hier für eine Wucht und für ein Potenzial ist. Der Club hat mit der Tradition, Kultur und Religion Werder Bremen eine große Strahlkraft. Das war für mich alles Neuland. Ich habe vorher eine Zweitvertretung in der zweiten Liga trainiert. Da waren meist nur die Familie und Angehörige - um die 50 Zuschauer*innen. Von Länderspielen kannte ich schon größere Zuschauermengen. Da waren aber natürlich auch immer viele Leute von vor Ort, die kannten dann weder dich noch die Spielerinnen. Hier ist es einfach beeindruckend, dass wir Fans haben, die sich sehr mit der Mannschaft befassen, uns supporten und für uns da sind.

WERDER.DE: Ihr schließt die Spielzeit auf Rang sechs ab. Wie zufrieden seid ihr mit dieser Platzierung?

Fritzy Kromp: Wir sind sehr zufrieden. Klar standen wir nach der Hinrunde auf Platz 3 und alle haben immer wieder nach oben geschielt. In der Winterpause war mir aber klar, dass sich das Ganze noch relativiert, weil die Mannschaften, die wir da hinter uns gelassen haben, das auch nicht auf sich beruhen lassen konnten. Im Wintertransferfenster haben da viele nochmal nachgelegt. Deshalb können wir stolz auf uns sein, weil wir immer noch einige Mannschaften hinter uns gelassen haben, die sicher gerne mit uns tauschen würden. In der oberen Tabellenhälfte zu stehen, ist für uns gut. Es wäre sicher noch etwas mehr möglich gewesen, aber das ist meckern auf hohem Niveau. Deshalb können wir damit sehr zufrieden sein.

WERDER.DE: Beim letzten Heimspiel wurde eine Vielzahl von Spielerinnen verabschiedet. Im Sommer steht ein großer Umbruch an. Was sind aus deiner Sicht die größten Baustellen in der Sommerpause? Wo siehst du den größten Handlungsbedarf?

Fritzy Kromp: Ein Umbruch ist ein Stück weit normal, das ist bei anderen Teams genauso. Dass man personell etwas verändern muss, will und kann, ist auch immer eine Chance, frischen Wind reinzubringen. Es sind viele Spielerinnen, die lange hier waren, dem Verein viel gegeben haben und eine tolle Zeit hier hatten, denen man jetzt einen gebührenden Abschied bereitet hat. Jetzt gilt es, nach vorne zu schauen und den Kader wieder gut aufzustellen. Dann gilt es natürlich auch, dass wir uns strukturell weiterentwickeln. Da sind wir auf einem guten Weg, wir müssen aber schauen, dass wir die Zeit gut nutzen.

Eine Frau klatscht und scheint auf einem Fußballplatz Anweisungen zu geben. Im Hintergrund sind Spieler und Fußbälle in der Nähe eines Tores zu sehen.
Fritzy Kromp blickt mit Freude auf die Aufgaben in der Sommerpause (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Als Trainerin bist du im engen Austausch mit den sportlichen Verantwortlichen, wenn es um die Kaderzusammenstellung geht. Wie ist aktuell dein Aufgabenfeld abgesteckt?

Fritzy Kromp: Die sportliche Planung liegt bei mir und dem Trainerteam. Wir führen die Gespräche und gehen in die Diskussion und Selektion - gemeinsam mit Clemens Fritz und seinem Team. So treiben wir die Kaderplanung Schritt für Schritt voran, um die offenen Positionen zu besetzen. Da haben wir einen ambitionierten Plan. Wir wollen ein paar junge Talente dazu holen, aber auch erfahrene Spielerinnen, sodass wir weiterhin einen guten Mix haben. Da gibt es aktuell viel zu tun. In den nächsten Wochen haben wir den Kader hoffentlich weitestgehend zusammen.

WERDER.DE: Im Sommer steht außerdem ein großes Turnier bei den Männern an. Wie verfolgst bzw. begleitest du die WM in USA, Mexiko und Kanada?

Fritzy Kromp: Es ist alle vier Jahre ein einzigartiges Erlebnis. Es gibt wieder eine große Berichterstattung. Ich selber werde für das ZDF im Einsatz sein, aber nur aus Deutschland heraus und darauf freue ich mich. Ich freue mich aber auch, dass dazwischen noch ein bisschen Ruhe und Pause ist. Die Zeit für Urlaub muss einfach sein. Das erste Jahr hier war intensiv und anstrengend, deshalb ist es wichtig, dass man die Füße hochlegt.

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