„Das war kein einfacher Weg“

13.03.26 von Tineke Ruchel | 5 Min

Malin Heise steht in der Ostkurve.

Ein Leben ohne Fußball kann sich Malin Heise nicht vorstellen. Viele Jahre stand die gebürtige Dresdnerin selbst als Spielerin auf dem Platz, doch schon früh musste sie mit dem Fußballspielen gezwungenermaßen aufhören. Bei Werder Bremen ist Malin Heise mittlerweile als Mitarbeiterin im Bereich Frauen- und Mädchenfußball tätig. Im Interview bei WOMEN AT WERDER spricht sie über ihre schweren Verletzungen, ihren Weg zum SV Werder und darüber, warum ihr der Frauenfußball am Herzen liegt.

WERDER.DE: Moin Malin, was bedeutet der Fußball für dich?

Malin Heise: Fußball ist meine Leidenschaft. Ich habe schon als Kind gekickt und vor allem den Frauenfußball verfolgt. Mein ganzer Alltag besteht mehr oder weniger aus Fußball.

WERDER.DE: Hast du das Gefühl, dass du als Fußballspielerin im Vergleich zu männlichen Spielern anders behandelt wurdest?

Malin Heise: Grundsätzlich erstmal nein. Als Kind habe ich immer mit Jungs gezockt und konnte mich da gut durchsetzen. Ich war eigentlich immer das einzige Mädchen. Für mich war es immer normal, mit Jungs zu zocken. Was das angeht, habe ich nur positive Erfahrungen gemacht. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Später im Verein habe ich dann mit Mädels zusammengespielt. Das war auch erstmal eine neue Erfahrung und anfangs ganz was anderes.

WERDER.DE: Du kennst beide Seiten des Frauenfußballs. Als Spielerin, aber auch als Trainerin. Deine Zeit als Spielerin endete schließlich aufgrund von Verletzungen. Wie war das damals für dich?

Malin Heise: Ich hatte durchweg viele Verletzungen. Gerade nach der letzten, da war mir auf dem Platz schon klar, dass es mit dem Fußballspielen jetzt war. Da ist eine Welt zusammengebrochen. Mein Rhythmus, mein Alltag wurde dadurch erstmal pausiert. Von 100 auf 0. Ich habe den Fußball ein knappes halbes Jahr zur Seite legen können. Danach hat es mich wieder eingeholt und über verschiedene Stationen bin ich wieder in die Fußballwelt zurückgekehrt. Als Trainerin habe ich in Dresden angefangen zu arbeiten und mittlerweile stehe ich seit sieben Jahren an der Seitenlinie. Vor drei Jahren kam noch die administrative Komponente dazu.

WERDER.DE: Du hast Sportwissenschaften dual studiert. Warum wolltest du auch noch nach deinen Verletzungen beruflich in der Fußballbranche bleiben?

Malin Heise: Ich habe bereits in der siebten Klasse eine Arbeit zum Thema Frauenfußball geschrieben. Der Fokus lag auf der Geschichte, aber auch auf der Akzeptanz und Gleichberechtigung von Frauen im Fußball. Zu dem Zeitpunkt, im Jahr 2015, war das noch ein ganz anderes Thema. Schon damals habe ich gesagt, dass es mein Traum wäre, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Das hat mich die letzten Jahre angetrieben. Heute kann ich das sagen, dass ich meinen Traum erfüllt habe. Trotzdem war es bis hierhin kein einfacher Weg.

WERDER.DE: Nach deiner letzten Verletzung hast du ein halbes Jahr Pause eingelegt. Wie ging es nach deinen Verletzungen weiter?

Malin Heise: Ich hatte eine ziemlich komplizierte Reha. Parallel dazu habe ich eine Arbeit zum Thema Frauenfußball geschrieben. Der Titel der Arbeit lautete: Aufbau und Etablierung einer Frauenfußballabteilung an bereits bestehenden Vereinen. Zum Zeitpunkt der Frauen-Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land sind verhältnismäßig viele Gelder in den Frauenfußball geflossen. Gleichzeitig haben immer mehr Mädchen mit dem Fußballspielen angefangen, da die Euphorie groß war. Diese Entwicklung hielt allerdings nicht lange an, weil die Strukturen und die finanzielle Unterstützung fehlten. Das war für mich der Punkt, um zu sagen: Warum funktioniert das nicht? Was können wir tun? Meine Arbeit hat mich schließlich wieder auf den Platz gebracht. Am Anfang habe ich als Co-Trainerin im Juniorenbereich gearbeitet.

WERDER.DE: Wie war es für dich, nicht mehr auf, sondern neben dem Platz zu stehen?

Malin Heise: Ich konnte es mir lange nicht vorstellen, den Fußball komplett aus meinem Leben zu streichen. Seitdem ich klein bin, habe ich Fußball gespielt und plötzlich war da ein Loch in meinem Leben. Gleichzeitig wurden mir neue Möglichkeiten geboten, in einer anderen Rolle auf dem Platz zu stehen. Das hat sich sehr gut angefühlt. Vor allem die Chance zu haben, meine Erfahrungen und mein Wissen weiterzugeben.

Malin Heise steht als Trainerin auf dem Platz.

WERDER.DE: Aufgrund deiner Trainerlizenzen hast du nochmal eine andere Seite der Fußballbranche kennengelernt. Was hast du daraus gelernt?

Malin Heise: Meine erste Lizenz fokussierte sich komplett auf Frauen und junge Mädchen. Das war sehr angenehm, weil dort ein ganz anderer Austausch stattfand. Der Großteil der teilnehmenden Personen hatte einen ähnlichen Weg hinter sich. Wir haben selbst Fußball gespielt, kamen aus einer Verletzung und wollten weiterhin eine Rolle im Fußball einnehmen. Der Austausch und die Kontakte zu knüpfen, die noch bis heute anhalten, haben mich sehr geprägt. Später habe ich mein Wissen noch mit der B-Lizenz vertieft. Alles in allem habe ich wertvolle Erfahrungen gesammelt.

WERDER.DE: Wie kam es dazu, dass du bei Werder angefangen hast zu arbeiten?

Malin Heise: Nach meinem dualen Studium und meinen ersten drei Jahren in denen ich im Fußball in der Administrative & als Trainerin gearbeitet hatte, war ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Als ich bei Werder das Stellenagebot gesehen habe, habe ich mich direkt darauf beworben. Die Gespräche mit Birte Brüggemann waren sehr gut, weswegen ich nicht lange über meine Entscheidung nachdenken musste und direkt zugesagt habe. Meine Hauptaufgaben liegen im Administrativen, vor allen bei den Juniorinnen und im Übergangsbereich mit Schnittstellen zur ersten Mannschaft. Gleichzeitig bin ich noch auf dem Platz bei den U15- und U17-Juniorinnen als Athletik- und Rehatrainerin aktiv.

WERDER.DE. Was gibst du jungen Spielerinnen mit auf den Weg?

Malin Heise: Ganz klar - der Leidenschaft, Fußball zu spielen, nachzugehen. Das ist das Wichtigste. Habt Spaß und steht für euch selbst ein, auch wenn es nicht immer einfach ist. Der Spaßfaktor sollte niemals verloren gehen. Der Rest kommt von allein und es wird sich der richtige Weg ebnen. Dieser Weg wird auch nicht immer gerade verlaufen. Es wird bestimmt den ein oder anderen Umweg geben, aber am Ende wird es sich individuell fügen.

WERDER.DE: In der Google Pixel Frauen-Bundesliga gibt es derzeit sechs Trainerinnen und acht Trainer. Damit sind es immer noch mehr Männer als Frauen. Trotzdem ist in den letzten Jahren eine positive Entwicklung zu erkennen. Wie siehst du diese Entwicklung?

Malin Heise: Es ist auf jeden Fall positiv, dass immer mehr Frauen die Rolle der Cheftrainerin einnehmen und auch einnehmen dürfen. Natürlich gibt es auch das Team hinter dem Team. Auch dort gibt es immer mehr Frauen, die hinter den Kulissen aktiv sind. Es ist der richtige Weg, der momentan eingeschlagen wird und trotzdem sage ich, dass es noch viele strukturelle Punkte gibt, an denen gearbeitet werden muss. Es sollte zur Selbstverständlichkeit werden, dass Frauen diese Stellen füllen.

WERDER.DE: Was wünscht du dir für die Zukunft?

Malin Heise: Für mich ist es immer unfassbar wichtig, was ringsherum passiert. Einfach das Miteinander auf und neben dem Platz und dass sich alle auf Augenhöhe begegnen. Es ist unfassbar wertvoll, das eigene Wissen zu teilen, aber genauso jeden Tag aufs Neue von den anderen Personen etwas lernen zu dürfen. Das macht den Beruf für mich wertvoll und daraus nehme ich auch viel für mich selbst mit. Den Frauen- und Nachwuchsfußball mitzugestalten und dafür Strukturen zu schaffen, sind Themen, die mich jeden Tag antreiben und motivieren. An diesen Punkten möchte ich auch in Zukunft immer weiterarbeiten.

WERDER.DE: Wir sind gespannt, wo dein Weg noch hinführen wird. Vielen Dank für deine Zeit, Malin.

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