"Gott, die Mutter und dann die Nationalmannschaft"
NELSON VALDEZ ÜBER DIE BEDEUTUNG DER WM IN SEINER HEIMAT PARAGUAY
12.06.26 von Noah Brodersen & Fiona John | 3 Min
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Die Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA hat begonnen. Zum ersten Mal seit 16 Jahren ist Paraguay wieder qualifiziert, die Heimat von Ex-Werderaner Nelson Valdez. In der Nacht zum Samstag trifft "La Albirroja" in Los Angeles auf die USA. Wie der zweifache WM-Fahrer die Stimmung in seinem Land erlebt, warum er bekannter ist, als der Präsident und welchen Stellenwert der Fußball in Paraguay hat, verriet Valdez im Interview.
WERDER.DE: Moin, Nelson. Du bist nach vielen Jahren in Deutschland wieder zurück in Paraguay. Freust du dich die WM in deiner Heimat zu erleben?
Nelson Valdez: Ja, das erste Spiel erlebe ich noch auf Mallorca, wo ich gerade bin oder in Bremen, aber den Rest werde ich in Paraguay erleben.
WERDER.DE: Du warst zuletzt wieder für längere Zeit in deiner Heimat. Wie ist die Stimmung und die Vorfreude auf die WM?
Nelson Valdez: Es ist der Wahnsinn. Allein bei der Verabschiedung unserer Mannschaft im Stadion gab es ein Feuerwerk, bei dem man Gänsehaut bekommen hat. Die Stimmung und die Freude sind riesig nach 16 Jahren wieder dabei zu sein. Jeder identifiziert sich wieder mit der Nationalmannschaft.
WERDER.DE: Welchen Stellenwert hat Fußball in Paraguay?
Nelson Valdez: An erster Stelle steht Gott, dann die Mutter und dann kommt die Nationalmannschaft. Ganz, ganz oben. Es ist die wichtigste Sportart bei uns im Land.
WERDER.DE: Du hast deine Fußballschule in Paraguay eröffnet. Was treibt dich an Fußball in deiner Heimat voranzutreiben?
Nelson Valdez: Ich komme aus einem Dorf weit weg von der Hauptstadt. Leider spielen dort fast 90 Prozent der großen Mannschaften – aber kaum eine im Inland. Mit meiner Akademie möchte ich den Kindern, die im Inland leben, die Möglichkeit geben, auf höchstem Niveau ihre Qualität zu entwickeln. Ohne, dass für die Familien große Kosten anfallen. Ähnlich wie bei mir ist es auch heute noch so, dass viele Kinder diese Möglichkeit noch nicht haben.
WERDER.DE: Du hast bei zwei WMs gespielt. Wie groß ist man als WM-Fahrer in Paraguay?
Nelson Valdez: Ich glaube in Paraguay kennt mich jeder. Wahrscheinlich kennen mich mehr Menschen als den Präsidenten. Aus Paraguay waren nur Roque Santa Cruz und ich richtig groß im Fußball und sind unseren Weg gegangen. Auch nach der Karriere. Ich habe mich auch in der Vergangenheit schon vielen sozialen Projekten gewidmet und Kindern geholfen, Fußball zu spielen. Deshalb habe ich noch ein gutes Ansehen in Paraguay. Es ist unmöglich für mich, irgendwo hinzugehen, ohne erkannt zu werden.
WERDER.DE: 2006 hast du deine erste WM gespielt, ausgerechnet in Deutschland. Wie war das für dich, das Turnier in dem Land zu erleben, dass dein zweites Zuhause geworden ist?
Nelson Valdez: Das war ein großartiges Erlebnis. Deutschland ist meine zweite Heimat. Ich habe damals das Tor geschossen, mit dem wir uns qualifiziert haben. Hier zu spielen war ein tolles Ereignis.
WERDER.DE: Bei der historisches Viertelfinalteilnahme 2010 warst du ebenfalls dabei. Wie hast du das Turnier in Erinnerung behalten?
Nelson Valdez: Das war bislang die beste Nationalmannschaftsleistung unseres Landes – deswegen kennen uns so viele Menschen. Wir hatten eine ganz tolle Truppe, bei der bis heute der Kontakt besteht. Damals hat man es schon in der Qualifikation gesehen und dann auch im Turnier. Wir sind dann leider gegen Spanien ausgeschieden. Im Nachhinein ihr schwerstes WM-Spiel, haben die Spanier gesagt. Für uns als Land und als Mannschaft ein großer Erfolg. Zudem war es unser bisher letztes Spiel bei einer WM. Deswegen ist die Vorfreude sehr groß.
"Für das Viertelfinale wurde ein Nationalfeiertag ausgerufen"
WERDER.DE: Was bekommt man als Spieler von der Stimmung im eigenen Land mit?
Nelson Valdez: Man bekommt viel mit. Meine Frau und meine Familie waren zu der Zeit in Paraguay. Da gab es Auto-Karawanen nach jedem Spiel. Für das Viertelfinale wurde ein Nationalfeiertag ausgerufen, das hat der Präsident selber unterschrieben. Da ist die Schule ausgefallen und die Chefs haben ihren Mitarbeitern freigegeben. Fußball ist für uns wie gesagt ganz wichtig. Die Verantwortung, die man als Spieler für sein Land hat, ist sehr groß.
WERDER.DE: Wie schätzt du die Chancen Paraguays bei dieser WM ein?
Nelson Valdez: Wir haben große Hoffnungen. Wir haben eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern, die schon lange dabei sind und einfach froh sind, dieses Ziel erreicht zu haben und Paraguay die WM zu ermöglichen. Ich sage es immer wieder: Paraguay und Marokko können die Überraschungsteams dieser WM werden.
WERDER.DE: Und wer wird Weltmeister?
Nelson Valdez: Das ist eine schwere Frage. Im Fußball gibt es keine logischen Verläufe. Deshalb lieben wir den Fußball. Favoriten gibt es aber immer, Argentinien, Frankreich, sogar möglichweise Deutschland. England und Portugal haben auch gute Mannschaften.
WERDER.DE: Danke für das Interview!
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