"Wir wollen wieder ein etablierter Premier League Club werden“

EX-WERDERANER ILIA GRUEV ÜBER DIE ENTWICKLUNG BEI LEEDS UNITED

13.06.26 von Fiona John | 4 Min

Ein Fußballspieler in einem weiß-blauen Trikot auf einem Spielfeld, im Hintergrund eine verschwommene Menschenmenge in gelben Trikots, die zusieht.
Foto: Imago/Pro Sports Images

Die erste Saison in der Premier League seit dem Aufstieg 2025 liegt hinter Ilia Gruev und Leeds United. Vor drei Jahren wechselte der Mittelfeldspieler, der acht Jahre für den SVW auflief und aus dem WERDER Leistungszentrum den Sprung zu den Profis schaffte, auf die Insel. Im Interview mit WERDER.DE verriet der mittlerweile 26-Jährige, wie er die letzten Jahre in England erlebt hat.

WERDER.DE: Moin Ilia, lange nichts gehört. Du bist zuletzt mit einer Knieverletzung ausgefallen. Daher erstmal die Frage: Wie geht’s dir aktuell?

Ilia Gruev: Es geht mir besser und ich mache Fortschritte. Aktuell bin ich in Bulgarien, in Sofia und verbinde Reha und Zeit mit der Familie.

WERDER.DE: In der Vorsaison hast du auch schon einige Spiele aufgrund einer Knieverletzung verpasst. Wie groß war der Rückschlag, jetzt erneut auszufallen?

Ilia Gruev: Es ist unschön, dass ich mich wieder verletzt habe, aber es gehört zum Sport dazu. Es war schade, dass ich der Mannschaft in den letzten Spielen nicht mehr helfen konnte. Aber man muss weitermachen, weiter Gas geben, dran arbeiten und dann wird das wieder. Aber natürlich ist es für jeden Sportler schwer, wenn er das, was er am meisten liebt, nicht machen kann.

WERDER.DE: Blicken wir auf die positiven Dinge. Du bist vor drei Jahren nach England gewechselt und hast äußerst erfolgreiche Spielzeiten hinter dir. Erst der dritte Platz in der Championship, dann der Titel und der Aufstieg, nun ein respektabler Platz 14 in der Premier League. Wie hast du die Entwicklung des Vereins erlebt?

Ilia Gruev: Ich bin sehr froh, dass ich den Schritt nach England und zu Leeds United gemacht habe. Unsere erste Saison war auch erfolgreich, da haben wir nur das Playoff-Finale leider gegen Southampton verloren. Letztes Jahr war es dann eine super Saison für uns mit dem Meistertitel und 100 Punkten. Ich habe zwar aufgrund meiner Verletzung viele Spiele verpasst, aber davor und danach viele Einsatzminuten gesammelt. In dieser Saison waren wir die Underdogs. Viele haben vermutet, dass wir wieder absteigen, da in den letzten Jahren die drei Aufsteiger alle wieder abgestiegen sind. Mich freut es, dass wir so einen Weg gegangen sind, sehr stabil waren, so viele Punkte gesammelt haben und am Ende einen sehr komfortablen Vorsprung auf die Abstiegsplätze hatten. Es ist ein Projekt, dass sich stetig weiterentwickelt. Wir wollen daran anknüpfen und weitermachen. Man erkennt, dass die Leute, die den Verein leiten und denen er gehört, mehr wollen. Das freut natürlich auch einen Spieler, wenn man einen Teil von diesem Ganzen ist. Auch schon in der Championship.

Ein Fußballspieler in einem schwarzen Trikot dribbelt den Ball auf dem Spielfeld, während eine Menge Zuschauer vom Spielfeldrand aus zusieht.
Gruev ist den Weg aus dem WERDER LZ, über die Bundesliga, in die Premier League gegangen (Foto: W.DE).

WERDER.DE: Was sind die Ziele für die Zukunft?

Ilia Gruev: Der Verein will sich weiterentwickeln, in naher Zukunft wird das Stadion vergrößert. Wir wollen wieder ein etablierter Premier League Club werden – was nicht einfach ist. Leeds hat eine sehr große Power und kann noch mehr Energie entwickeln. Allein weil die Fanbase überragend ist und wir die Gegebenheiten haben.

WERDER.DE: Du selbst hast dich ebenfalls weiterentwickelt, bekamst gerade erst den Titel Bulgariens Fußballer des Jahres 2025 verliehen. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?

Ilia Gruev: Es freut mich sehr, dass meine Leistungen in meinem Heimatland wahrgenommen werden. Es ist etwas Besonderes, Fußballer des Jahres – die Nummer 1 – in seinem Land zu werden. Das freut mich, weil es zeigt, dass die Menschen es wertschätzen, was ich mache und erkennen, was man für eine Leistung bringt.

WERDER.DE: Damit nicht genug, auch mit dem PFA Community Champion Award wurdest du in dieser Saison ausgezeichnet. Kannst du einmal selbst erklären, was dieser Titel ist und wie dein Engagement aussah?

Ilia Gruev: Ich engagiere mich in Leeds sehr viel in Projekten außerhalb des Vereins. Das sind ganz unterschiedliche Projekte mit Kindern, Menschen mit Handicap oder älteren Leuten. Am Ende verbindet uns alle Leeds United. Das mache aber nicht nur ich, sondern auch viele meiner Kollegen. Wir wollen die Community aktiv mitnehmen und schauen, wo wir helfen können. Ich bin da viel aktiv und wurde für mein Engagement und die Zeit, die ich mit den Leuten verbringe, ausgezeichnet. Dafür habe ich von der PFA, der Player Association, diese Trophäe als kleine Wertschätzung und als Dankeschön bekommen.

WERDER.DE: In Deutschland kennt man das weniger, dass Spieler so in der Community engagiert sind. Ist das typisch für Leeds oder für England?

Ilia Gruev: Ich kann natürlich nur über Leeds United sprechen. Wir machen eine Menge. Alle Spieler und auch der Staff sind involviert. Wir haben echt viele Termine dafür. Das ist schon besonders. Es ist schon ein Unterschied zu deutschen Clubs, so wie ich das bisher kennengelernt habe.

WERDER.DE: Blicken wir mal zurück. Du hast viele Jahre bei Werder verbracht, wie verfolgst du den Verein noch? Mit wem besteht noch Kontakt?

Ilia Gruev: Natürlich verfolge ich Werder weiterhin. Wenn ich Zeit habe, schaue ich ab und zu die Spiele, gerade weil ja noch einige alte Kollegen und Freunde da sind. Es sind mittlerweile aber auch schon viele gegangen. Den meisten Kontakt habe ich mit Felix Agu und Leo Bittencourt, aber der ist ja jetzt auch weg. Ab und zu auch noch mit Amos Pieper, Romano Schmid und Marco Friedl. Im März war ich mal wieder in Bremen. Es war echt schön ein paar von den alten Kollegen wiederzusehen, die ich lange nicht getroffen habe. Aber auch viele Leute, die mich auf meinem kompletten Weg in Bremen über die acht Jahre begleitet haben. Angefangen mit den Physios bis hin zu den Leuten im LZ. Das ist schön und hat mir direkt wieder ein gutes Gefühl gegeben.

WERDER.DE: Du sprichst deine Zeit im WERDER Leistungszentrum an. Mit Mio Backhaus und Karim Coulibaly haben in der letzten Saison zwei Spieler den Durchbruch geschafft. Würdest du sagen, dass das Werder LZ euch gut auf den Profi-Fußball vorbereitet hat?

Ilia Gruev: Werder ist wirklich ein besonderer Verein und spielt eine ganz große Rolle in meiner Entwicklung. Ich bin mit 15 ins LZ gekommen, habe im Internat gelebt. Es war eine sehr schöne und erfolgreiche Zeit. Wir haben immer oben mitgespielt und um Titel gekämpft. Wir hatten sehr viele Jungs, die im Profi-Fußball gelandet sind. Neben mir sind das Nick Woltemade, Eren Dinkci, Yannik Engelhardt, Manuel Mbom. Es freut mich, dass viele Jungs, mit denen ich damals zusammengespielt habe, jetzt auf dem Niveau spielen. Daher ist das auch eine Wertschätzung für das LZ.

Ein Fußballspieler in Blau schießt den Ball, während ein Gegner in Schwarz-Weiß zusieht – während eines Spiels in einem vollbesetzten Stadion. Ein Fußballspieler in Blau schießt den Ball, während ein Gegner in Schwarz-Weiß zusieht – während eines Spiels in einem vollbesetzten Stadion.
Früher Mitspieler im WERDER LZ, heute Gegenspieler in der Premier League: Ilia Gruev und Nick Woltemade (Foto: Imago/News Images).

WERDER.DE: Manuel Mbom ist nach einer Station im Ausland vor kurzem wieder nach Deutschland gewechselt. Kannst du dir vorstellen, irgendwann nochmal in die Bundesliga zurückzukehren?

Ilia Gruev: Vorstellen kann man sich immer alles. Aber ich muss sagen, dass ich die Premier League sehr wertschätze und es sehr mag, hier zu spielen. Ich verfolge die Bundesliga natürlich trotzdem weiter, mein Fokus liegt aber auf der Liga in England.

WERDER.DE: Was macht die Premier League für dich so besonders?

Ilia Gruev: Am meisten die Qualität der Spieler. Jeder Verein hat Top-Spieler. Das ist mir noch mehr aufgefallen, seitdem ich selbst in der Premier League spiele. Die Dynamik des Spiels macht auch sehr viel aus. Aber auch das ganze Drumherum ist besonders, der Markt ist riesig. Sehr viele Menschen schauen die Premier League. Wenn ich die Reichweite zwischen Werder und Leeds vergleiche – auch die Menschen in Bulgarien schauen viel mehr Premier League als Bundesliga. Wenn ich mal im Urlaub bin, egal in welchem Land, sehe ich Leute mit einem Leeds-Trikot. Das ist schon besonders.

WERDER.DE: Die WM steht unmittelbar vor der Tür, du hast die Qualifikation mit Bulgarien verpasst. Wie sehr schmerzt es, das Turnier jetzt aus der Ferne verfolgen zu müssen?

Ilia Gruev: Ja, es schmerzt. Wobei man sagen muss, dass wir in einem Entwicklungsprozess sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns in der Gruppe mit Spanien, der Türkei und Georgien qualifizieren, war sehr gering. Wir sind noch weit weg davon – das muss man offen und ehrlich sagen – aber natürlich ist das Ziel irgendwann mal ein großes Turnier zu bestreiten und bei einer EM oder WM mitzuspielen. Das ist etwas ganz Großes, insbesondere für unser Land. Das ist ein Traum von mir.

WERDER.DE: Hast du einen Favoriten für den WM-Titel?

Ilia Gruev: Ich könnte mir wieder Argentinien als Weltmeister vorstellen. Frankreich hat allerdings auch einen wahnsinnig starken Kader.

WERDER.DE: Danke für das Gespräch, Ilia!

Weitere News