„Balance zwischen Anspannung und Lockerheit finden“

EX-WERDER-KAPITÄN ZLATKO JUNUZOVIĆ IM NORDDERBY-INTERVIEW

15.04.26 von Moritz Studer | 4 Min

Zlatko Junuzovic im Werder-Trikot beim Abschiedsspiel von Diego.

Zlatko Junuzović hat nicht nur zahlreiche Nordderbys bestritten, sondern sogar das 100. Nordderby im Jahr 2014 mit seinem Siegtreffer entschieden. Mittlerweile ist der 38-Jährige Co-Trainer bei RB Salzburg, hat den SVW aber nie aus den Augen verloren. Im WERDER.DE-Interview spricht der Ex-Werder-Kapitän über besondere Nordderby-Momente, seine Empathie für Landsmann Marco Friedl und sein Rezept für ein erfolgreiches Spiel.

WERDER.DE: Moin Zladdi, wir haben Nordderby-Woche in Bremen. Wann hat es zu deiner aktiven Zeit angefangen, vor so einem besonderen Spiel zu kribbeln?

Zlatko Junuzović: Eigentlich schon Anfang der Woche. Natürlich gehört es jetzt dazu, die Köln-Niederlage zu verarbeiten. Das Spiel wird am Montag noch in den Köpfen herumgespukt haben, aber seit Dienstag liegt sicherlich der volle Fokus auf dem HSV. Du bekommst es in den Medien, aber auch bei den Leuten in der Stadt, mit. Es geht um brutal wichtige Punkte und die Situation ist ähnlich wie vor dem 100. Nordderby 2014, bei dem ich das Glück hatte das Siegtor zu erzielen. Davor war es mental aber nicht so einfach.

WERDER.DE: Du sprichst schon an, dass du damals der alleinige Siegtorschütze warst. Wie erleichternd war es, der Mannschaft mit diesem wichtigen Tor helfen zu können?

Zlatko Junuzović: Am Ende war es natürlich sehr befreiend, davor waren wir aber schon sehr angespannt. Das Spiel gab damals die Richtung vor, ob wir komplett unten reinrutschen oder uns ein wenig absetzen können. Die Situation ist jetzt ähnlich, mit dem Unterschied, dass es nur noch fünf Spieltage sind. Es ist mental eine Herausforderung, befreit aufzuspielen. Das Tor vor der Halbzeit war natürlich wichtig, ich hätte der Mannschaft aber noch mehr helfen können, weil ich vorher schon zwei Sitzer (Anm. d. Red.: österreichisch für Großchance) hatte (lacht).

WERDER.DE: Du scheinst Werder schon immer noch sehr aktiv zu verfolgen.

Zlatko Junuzović: Ja, komplett. Manchmal ist es ein bisschen schwierig, weil es so viele verschiedene Anbieter gibt. Die Highlights und Ergebnisse schaue ich aber immer. In Köln war die Rote Karte bitter, dadurch war der ganze Spielverlauf schwer. Grundsätzlich habe ich aber Hoffnung, dass sie den Klassenerhalt schaffen. Jetzt hast du das Derby, in dem alles passieren kann. Da darfst du nicht zu viel nachdenken, sondern musst einfach drauf los spielen.

Zlatko Junuzović jubelt nach seinem Tor im Nordderby gegen den Hamburger SV.
Junuzović entschied das 100. Nordderby im Jahr 2014 (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Du sprichst die Rote Karte von Marco Friedl an, der wie du Werder-Kapitän ist. Kannst du nachempfinden, was in deinem Landsmann nun vorgehen muss?

Zlatko Junuzović: Das ist für einen Fußballer das Schlimmste. Er ist jemand, der vorangeht und wichtig für die Stabilität ist. Wenn du zuschauen musst, kannst du nichts beeinflussen. In den Trainingseinheiten muss er natürlich vorangehen, dass die Spannung da ist. Dann zuschauen zu müssen, tut aber doppelt weh.

WERDER.DE: Beim letzten Bundesliga-Nordderby im Weserstadion hast du Werder selbst noch als Kapitän auf den Platz geführt. Wie sehr hat dieses Duell dem Fußball-Oberhaus gefehlt?

Zlatko Junuzović: Schon sehr. Im Norden für die Leute hat es eine brutale Brisanz, wie sich es auch gehört. Ich wünsche mir natürlich, dass es sportlich bleibt, beide Fanlager ihre Mannschaft unterstützen und die Atmosphäre entsprechend gut wird. Als Spieler habe ich nie mitbekommen, dass es größere Ausschreitungen gab und deswegen hoffe ich, dass das am Wochenende auch so sein wird.

WERDER.DE: Der HSV hat das Hinspiel in einer dramatischen Begegnung für sich entschieden. Kann es eine positive Rolle spielen, dass Werder noch eine offene Rechnung hat?

Zlatko Junuzović: Ich glaube nicht, dass das so im Kopf sein wird. Sicherlich wird in der Gegneranalyse nochmal besprochen, wo die Schwächen liegen und wo du aufpassen musst – das ist beim HSV sicherlich das Umschaltspiel. Sonst haben die Jungs im Moment eher die Tabellenkonstellation im Kopf und dass sie mit dem Abstieg und der Relegation nichts zu tun haben wollen. Es geht darum, das Bestmögliche rauszuholen und die Fehler zu minimieren.

WERDER.DE: Du selbst hast eine Mehrzahl deiner Nordderbys für dich entschieden. Wenn du deinem ehemaligen Klub einen Tipp mitgeben dürftest – welcher wäre das?

Zlatko Junuzović: Die Balance zwischen Anspannung und Lockerheit finden. Auch wenn es mit der Gesamtsituation schwer ist, darfst du dich damit nicht zu sehr auseinandersetzen. Fußball ist ein Spiel und dafür brauchst du den Spaß und die Freude dahinter. Du musst versuchen, darauf los zuspielen, die Fans mitzunehmen und dadurch die Oberhand zu gewinnen. In den ersten 15 Minuten musst du fair, aber aggressiv sein und zeigen, dass du unbedingt gewinnen willst – dann kommt das Spielerische von Minute für Minute von alleine.

WERDER.DE: Vielen Dank für deine Zeit und das Gespräch!

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