"Es ist leicht, sich bei Werder wohlzufühlen"

JENS STAGE IM NEUJAHRSINTERVIEW

01.01.26 von Moritz Studer | 4 Min

Jens Stage im Interview, er trägt ein Trainingshemd.

Jens Stage hat sich in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Säule beim SV Werder Bremen entwickelt. Der Däne ist längst nicht nur mit seinen Mittelfeldaufgaben betraut, sondern hat sich zu einem Torjäger und Führungsspieler entwickelt. Im WERDER.DE-Neujahrsinterview spricht der 29-Jährige über sein Zusammenspiel mit Senne Lynen sowie seine Rolle als Vize-Kapitän und verrät, warum sein größtes Highlight 2026 nichts mit Fußball zu tun hat.

WERDER.DE: Moin Jens, du beendest das Jahr 2025 als bester Werder-Torschütze. Deine Torgefahr ist eine große Qualität, die bei dir über die letzten Jahre dazu gekommen ist. Wie kommt das?

Jens Stage: Da gehören viele Dinge dazu – die Positionierung, die Boxbesetzung, der Flankengeber. In den letzten Jahren hatten wir viele gute Spieler hier und manchmal war ich es, der getroffen hat oder ein anderer. Ich bin darüber natürlich glücklich, für mich ist es aber nicht das Wichtigste. Für mich spielt es eine größere Rolle, wie ich der Mannschaft mit meiner Aufgabe im Mittelfeld helfe. Ich möchte ein Spieler sein, wo die Teamkollegen sagen: Er gibt immer sein Bestes.

WERDER.DE: Trotzdem wird deine Qualität immer wieder bewusst eingesetzt, wenn du in die torgefährlichen Räume reinstößt. Ist das eine bewusste Freiheit, die du bekommst?

Jens Stage: Ja, genau. Da habe ich in den meisten Spielen einen Bewegungsfreiraum, dass ich in die Box laufen kann. Ich habe zuletzt viel mit Senne zusammengespielt und bei uns sind die Rollen ganz gut verteilt. Dazu gehört auch, dass ich ganz oft den Freiraum vom Trainer bekomme und dann versuche in die Box zu laufen – das mache ich auch gerne. 

WERDER.DE: Du sprichst Senne Lynen schon an, mit ihm hast du in den letzten Jahren eine verlässliche Doppelsechs gespielt. Wie sind eure Absprachen auf dem Platz? 

Jens Stage: Wir haben eine ähnliche Mentalität und denken Fußball ähnlich. Es gibt nicht viele Situationen, in denen wir unterschiedliche Gedanken haben. Auch neben dem Platz ist er ein guter Freund von mir, sodass wir nicht nur auf dem Rasen, sondern auch in der Kabine viel Zeit zusammenverbracht haben. Wir kennen uns ganz gut, sodass wir auf dem Platz nicht viel sprechen müssen.

Jens Stage und Senne Lynen Arm in Arm nach einem Spiel auf dem Platz.
Stage & Lynen liefen bislang 67-mal gemeinsam auf (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Du wurdest im Sommer zum Vize-Kapitän ernannt. Hat sich in deinem Arbeitsalltag dadurch was für dich verändert?

Jens Stage: Nein, das hat keinen Einfluss auf mich. Im Sommer sind viele neue Spieler dazu gekommen, andere sind gegangen. Ich bin seit dreieinhalb Jahren hier und habe viele Spiele gemacht, sodass ich automatisch mehr Verantwortung übernehmen muss – unabhängig davon, ob ich Vize-Kapitän bin oder nicht. Ich möchte den neuen Spielern helfen und mag die Aufgabe auch, eine neue gute Gruppe zu formen.

WERDER.DE: Dir fehlen nur noch drei Spiele, dann ist Werder der Verein, für den du die meisten Partien bestritten hast. Was bedeutet dir das?

Jens Stage: Ich fühle mich hier super wohl und kann nur positive Dinge sagen. Ich hatte bis jetzt eine richtig coole Zeit hier und auch meine Familie ist sehr glücklich. Die Atmosphäre im Verein gefällt mir, die Mitarbeiter, Trainer, Spieler und die Unterstützung der Fans sind super. Für mich ist es daher leicht, mich bei Werder wohlzufühlen und mich mit dem Verein zu identifizieren. Selbst wenn ich es versuchen würde, könnte ich nichts Negatives sagen.

WERDER.DE: Dann bleiben wir doch bei was Positivem. Hast du ein Highlight, das aus dem Jahr 2025 heraussticht?

Jens Stage: Ich habe nicht unbedingt ein Highlight (überlegt). Zu Beginn der Vorbereitung war ich verletzt und weil diese Verletzung kein wirkliches Enddatum hatte, war das eine schwierige Zeit. In einer neuen Saison mit einem neuen Trainer willst du spielen und der Mannschaft helfen – das war frustrierend. Deswegen war es einfach schön, dann wieder auf dem Platz zu stehen und mit dem 4:0 in Gladbach ein richtig gutes Spiel zu machen.

"In einer neuen Saison mit einem neuen Trainer willst du spielen und der Mannschaft helfen – das war frustrierend"

WERDER.DE: Umso glücklicher sind wir, dass du wieder fit bist. Lass uns ins neue Jahr vorrausschauen. Bist du jemand, der sich Neujahrsvorsätze macht?

Jens Stage: Nein, ich bin kein Fan davon, mir für ein ganzes Jahr Ziele zu setzen. Mein Ziel ist es immer, das nächste Spiel zu gewinnen. Ich nehme mir nicht vor, dass wir eine gewisse Anzahl an Punkte holen müssen oder ich so und so viele Tore schieße. Ich gehe in jedes Spiel mit allem rein, was ich habe und das wird so lange so bleiben, bis ich irgendwann mal keinen Fußball mehr spiele. Wir haben schon gezeigt, was wir können, sind in anderen Perioden aber nicht an diese Leistung herangekommen. Es gibt Platz für Verbesserung und deswegen gehe ich mit Selbstvertrauen und auch Selbstkritik in die Winterpause.

WERDER.DE: Worauf du immer wieder angesprochen wirst, ist die dänische Nationalmannschaft. Wie groß ist dein Ehrgeiz, dorthin wieder zurückzukommen?

Jens Stage: Jeder will gerne in der Nationalmannschaft spielen. Der einzige Weg dafür ist, besser mit dem Verein zu spielen. Deswegen ist das Einzige, was ich machen kann, besser zu spielen. Das geht nur mit einer besseren Performance.

WERDER.DE: Wir drücken auf jeden Fall die Daumen. Gibt es sonst etwas, worauf du dich im Jahr 2026 freust?

Jens Stage: Ja, meine Frau ist schwanger (lächelt). Das steht für mich an erster Stelle. Wir freuen uns auf eine kleine Schwester für Carl. Das steht in meiner Wunschliste ganz oben.

WERDER.DE: Unseren Glückwunsch dazu und deiner Familie und dir alles Gute und viel Gesundheit. Vielen Dank für das Gespräch, Jens!

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