„Die Wichtigkeit dieses Spiels ist in jedem Einzelnen Kopf“

WERDER-KAPITÄN MARCO FRIEDL IM INTERVIEW

11.04.26 von Moritz Studer | 5 Min

Kapitän Marco Friedl im Sondertrikot "Vielfalt auf dem Platz.

Der SV Werder hat in den vergangenen Wochen bereits bewiesen, Druckspiele für sich entscheiden zu können. Im WERDER.DE-Interview spricht Kapitän Marco Friedl über seinen ausgehandelten Deal mit Trainer Daniel Thioune zum Sieg in Wolfsburg, die Bedeutung des Auswärtsspiels beim 1. FC Köln und seine gute Zeit bei der Nationalmannschaft.

WERDER.DE: Moin Marco, Daniel Thioune hat in einem Podcast verraten, dass ihr für einen Fall eines Sieges in Wolfsburg einen Deal ausgehandelt habt. Hast du dir für Sonntag auch schon was einfallen lassen?

Marco Friedl: Nein, tatsächlich noch nicht (schmunzelt). Das wird dann ziemlich wahrscheinlich in der Woche darauf passieren, in der wir ja auch ein nicht ganz unwichtiges Spiel vor der Brust haben. Es ist lustig, dass er die Geschichte erzählt hat und macht Spaß, wenn Deals dann auch aufgehen.

WERDER.DE: Hintergrund war, dass du u.a. frühzeitig zur Nationalmannschaft reisen und dadurch auch das Madrid-Stadtderby besuchen konntest. Hat sich dieser Ausflug gelohnt?

Marco Friedl: Ja, natürlich. Wir haben uns mit der Nationalmannschaft in Marbella gesprochen und von daher war der Flug nach Madrid nicht weit. Ich habe vorher mit David (Anm. d. Red.: Alaba) gesprochen, dass ich gerne zu dem Spiel kommen würde. Es hätte zeitlich mit den Flügen nicht funktioniert – entsprechend war es gut, dass ich den Deal aushandeln konnte und sich alles perfekt ergeben hat. Es war ein super Spiel in einem tollen Stadion mit zwei klasse Mannschaften. Schön, dass wir das vorher schon mit einem Dreier von unserer Seite veredeln konnten.

WERDER.DE: Die Zeit bei der Nationalmannschaft war insgesamt auch sehr positiv für dich, denn du hast in beiden Spielen von Beginn an gespielt. Was hat Ralf Rangnick dir mit auf den Weg gegeben?

Marco Friedl: Ich weiß, dass das Trainerteam viel Wert auf Leistung legt. Ich habe im Training versucht Gas zu geben und schnell gemerkt, dass ich eventuell spielen könnte. Weil wir zwei Freundschaftsspiele bestritten haben, dachte ich dann, dass wir auch auf meiner Position rotieren werden – das war aber zum Glück nicht so. Es ist uns gelungen, unser Selbstvertrauen zu stärken und zwei wichtige Tests erfolgreich abzuschließen.

Fußballspielszene: Ein Spieler in Grün hat den Zeigefinger ausgestreckt, weitere Spieler in weißen Trikots mit roten Streifen reagieren emotional. Im Hintergrund jubelt die Menge im Stadion.
Marco Friedl erzielte im Hinspiel sein bislang einziges Saisontor (Foto: W.DE).

WERDER.DE: Romano hat in einem Interview gesagt, dass er bei der Nationalmannschaft mehr abschalten könne, weil Spiele gewinnen im Vergleich zu Werder kein Muss ist. Hast du die Akkus für den Schlussspurt beim ÖFB auch aufladen können?

Marco Friedl: Die Spieler reisen alle mit ihren eigenen Themen zur Nationalmannschaft. Die einen spielen um die Meisterschaft, die anderen gegen den Abstieg und wieder andere um die internationalen Plätze – dadurch hörst du auch andere Geschichten. Ich genieße die Zeit bei der Nationalmannschaft extrem und sie vergeht auch immer schnell. Trotzdem bist du in unserer Situation immer mit einem Gedanken bei deinem Verein.

WERDER.DE: Die Zeit vergeht insgesamt wie im Flug: Als du Ende Februar zuletzt bei uns im Interview warst, wart ihr nach den ersten beiden Begegnungen unter Daniel Thioune noch sieglos. Was hat sich seitdem verändert?

Marco Friedl: Das Mindset. Der Trainer gibt uns sehr viel mit. Er coacht auf und abseits des Platzes sehr viel, wo er viele Gespräche führt. Trotzdem war auch davor nicht alles schlecht, wir haben aber die Ergebnisse vermissen lassen. Es kam ein neuer Schwung und eine neue Idee rein. Deswegen bin ich sehr froh, dass der Coach da ist.

WERDER.DE: Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass ihr unter Daniel deutlich weniger gegnerische Torchancen zulasst und dadurch weniger Gegentore kassiert. Ist dafür auch das Mindset ausschlaggebend?

Marco Friedl: Wir arbeiten intensiver gegen den Ball und trotzdem hat Leipzig zwei Schüsse auf das Tor, die beide drin sind. Wir machen immer noch die gleichen Fehler, das Spiel an sich hat sich aber verändert. Wir sind von den Köpfen ein bisschen freier, weil der Trainer uns in gewissen Abläufen Freiheit gibt. Jetzt geht es darum, dass wir die zwei immens wichtigen Spiele, die wir vor der Brust haben, so erfolgreich wie möglich gestalten.

"Die Partie ist für beide Vereine wichtig und es wird richtig brennen."

Marco Friedl

WERDER.DE: Zuletzt habt ihr den Druck der Sechs-Punkte-Spiele gegen Heidenheim, Union und Wolfsburg gemeistert – in Köln erwartet euch wieder so eine Aufgabe. Worauf kommt es an, um trotz der besonderen Ausgangslage einen kühlen Kopf zu bewahren?

Marco Friedl: Ich habe direkt nach Leipzig gesagt, dass es ein Druckspiel für uns wird. Wir haben gezeigt, dass wir das können. Wir Führungsspieler werden nochmal darauf aufmerksam machen – ich denke aber, dass in jedem einzelnen Kopf drin ist, welche Wichtigkeit dieses Spiel hat. Ich bin sehr davon überzeugt, dass wir das Sonntag auf den Platz bringen und mit einem Dreier nach Hause fahren. Dafür müssen wir im Kopf stark sein und einen Teamspirit haben. Weil wir das beides haben, bin ich zuversichtlich.

WERDER.DE: Im Hinspiel schienst du bis in die Nachspielzeit mit deinem Kopfballtor für den Unterschied zu sorgen. Wünschst du dir manchmal, noch häufiger zu diesen Möglichkeiten zu kommen?

Marco Friedl: Ich bin nicht dafür bekannt, dass ich so viele Dinger reinhaue, weil ich weiter hinten angesiedelt bin. Aber klar: Wenn du Standards hast und den Gegner ins letzte Drittel schnürst, wäre es in Zukunft wünschenswert, etwas gefährlicher zu werden – vor allem, um der Mannschaft zu helfen. Mir ist es aber tausend Mal lieber, dass ich drei Jahre kein Tor schieße und wir dafür als Mannschaft erfolgreich sind.

WERDER.DE: Mit Florian Kainz wird ein Landsmann und ehemaliger Werder-Teamkollege seine Karriere im Sommer beenden. Wünschst du dir ein letztes Aufeinandertreffen mit ihm?

Marco Friedl: Ja, natürlich würde ich mir wünschen, dass der Kainzi nochmal Minuten bekommt. Er kann stolz darauf sein, was er geleistet hat. Ich bin sehr froh, dass ich wenigstens ein bisschen mit ihm auf dem Platz stehen konnte. Wir werden nach seiner Karriere den Kontakt weiterpflegen. Ich freue mich sehr, dass ich ihn morgen sehe. Trotzdem wünsche ich mir nichts mehr, als dass wir das Spiel gewinnen.

WERDER.DE: Blicken wir doch abschließend auf das Spiel: Die Kölner haben gerade einen Trainerwechsel hinter sich, die Atmosphäre beim FC ist in der Regel sehr energiegeladen: Was erwartest du für eine Partie?

Marco Friedl: Ich durfte schon oft dort spielen, es ist eines der coolsten Auswärtsspiele. Uns werden wieder 6.000 Fans begleiten und die Stimmung wird hervorragend sein. Die Partie ist für beide Vereine wichtig und es wird richtig brennen – auch mit dem Druck, der von den Heimfans kommt. Es ist ein cooler Verein und ich freue mich sehr auf das Spiel.

WERDER.DE: Wir uns auch. Viel Erfolg und bis Sonntag!

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