Der ungekrönte Held

MIO BACKHAUS HÄLT DEN SIEG IN WOLFSBURG FEST

22.03.26 von Fiona John | 4 Min

Mio Backhaus im gelben Trikot umarmt einen Mann mit weißer Jacke und Glatze. Im Hintergrund ist das Stadion des VfL Wolfsburg zu sehen.

Das Man of the Match-Selfie nach dem Bundesliga-Voting war beim 1:0-Sieg des SV Werder beim VfL Wolfsburg zwar Siegtorschütze Justin Njinmah vorbehalten, dieses Spiel hätte jedoch einen weiteren Titelträger verdient gehabt. Mio Backhaus hatte die Grün-Weißen über 90 Minuten mit seinen Paraden im Spiel gehalten und damit maßgeblich zu der dreifachen Punkteausbeute beigetragen. „Ein Stürmer, der trifft und ein Torhüter der zu Null spielt – was gibt es Besseres“, resümiert ein zufriedener Daniel Thioune, der viele lobende Worte für seine Schützlinge und insbesondere seinen Schlussmann fand.

Noch in der Anfangsphase der Partie bewies Backhaus mit einer Parade gegen Jonas Wind, der nach einer Ecke aus kürzester Distanz aufs Tor köpfte, seine Qualität. Es folgten viele weitere Aktionen, bei denen der Keeper abermals durch den Strafraum flog bis zu den wohl wichtigsten Taten des Tages: Kurz vor dem Pausenpfiff entschärfte der 21-Jährige erst einen Fernschuss von Christian Eriksen, kurz darauf nahm Jesper Lindström eine Flanke direkt. Backhaus lenkte die Kugel mit einem überragenden Reflex an die Latte. „Es war sicher eine meiner besseren Leistungen. Ich bin glücklich mit dem Spiel“, gab sich der Keeper bescheiden. „Die Wolfsburger haben uns viel abverlangt. Viele Weitschüsse, viele Ecken, viele Rangeleien bei Ecken.“ Dinge, auf die er mit Torwarttrainer Christian Vander in der vergangenen Woche einen besonderen Fokus gelegt hatte. Ein Aufwand, der belohnt wurde.

Mio Backhaus ist durch da Tornetz von hinten zu sehen. Er springt, über ihm fliegt der Ball. Im Hintergrund sind das Stadion und weitere Spieler zu sehen.
Der spielentscheidende Moment: Mio Backhaus verhindert die Wolfsburger Führung (Foto: Nordphoto).

So erfolgreich dieses Spiel für den Bundesliga-Neuling in seiner ersten Saison im Oberhaus war, so bitter war die Partie beim FC St. Pauli, als ihm ein Ball durch die Finger rutschte. „Das war ein kleiner Rückschlag für ihn“, erklärt Werders Cheftrainer, „aber heute und in den letzten Wochen ist er über sich hinausgewachsen.“ Leonardo Bittencourt, der im Vergleich zu seinem jungen Schlussmann in Wolfsburg bereits sein 300. Bundesliga-Spiel absolvierte, konnte seinem Trainer nur beipflichten: „Mios Leistung war überragend. In seinem Alter, was er hier hält, was er wegfängt, wie er mit Rückschlägen umgegangen ist – als wenn er eine Tasse Kaffee umgehauen hätte. Aufwischen und weitermachen. So spielt er Bundesliga“, lobt der 32-Jährige, der „riesengroßer Fan“ des Keepers ist.

Backhaus selbst freut sich, dass er mit seinen Leistungen etwas zurückgeben kann. „Nach dem St. Pauli-Spiel haben mir viele aus dem Team, dem Staff und auch die Fans extrem geholfen. Deshalb freue ich mich, dass wir gemeinsam drei Punkte geholt haben.“ Zum bereits fünften Mal behielt er dabei die Weiße Weste. „Ein Zu-Null-Sieg ist für einen Torwart immer das Beste – am Ende ist es aber scheiß egal, wie ein Spiel ausgeht. Ich freue mich einfach, dass wir wieder gewinnen konnten. Es gibt kaum ein besseres Gefühl.“ Ein Gefühl, das der Torhüter nun mit zur U21-Nationalmannschaft nimmt. Mit dem deutschen Nachwuchs trifft er in der EM-Qualifikation in den kommenden Wochen auf Nordirland und Griechenland. „Es wird eine geile Maßnahme, auf die ich mich sehr freue. Nach zehn Tagen freut man sich aber auch, wenn man zurück ist.“ Um an die Leistung dieses Wochenendes anzuknüpfen.

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