„Die Zeit ist kurz stehen geblieben"
LARISSA MÜHLHAUS ÜBER IHR DEBÜT IN DER DEUTSCHEN NATIONALMANNSCHAFT
01.04.26 von Maximilian Prasuhn | 9 Min
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Für Larissa Mühlhaus ist ein ganz großer Kindheitstraum wahr geworden. Gegen Slowenien feierte die 23-jährige Angreiferin des SV Werder nicht nur ihr Debüt für die deutsche Nationalmannschaft, sondern erzielte sogar ihren ersten Treffer. Im Interview mit WERDER.DE verriet Mühlhaus, wie sie die Tage beim DFB erlebte, was ihr all der daraus folgende Zuspruch bedeutet und wie sie mit dem Rummel um ihre Person umgeht.
WERDER.DE: Moin Larissa! Zwölf Tore, fünf Vorlagen: bereits jetzt konntest du deine Debüt-Saison für uns toppen. Hättest du im letzten Sommer damit gerechnet, dass dir dies gelingen wird?
Larissa Mühlhaus: Ich wollte auf alle Fälle meine Leistungen bestätigen. Wie viele Tore und Vorlagen das am Ende dann werden, ist mir im Endeffekt aber egal. Ich möchte einfach als Team mit der Mannschaft gewinnen und das Höchstmögliche erreichen. Was ich mir vorgenommen hatte: ich wollte meine Fähigkeiten besser auf den Platz bringen, durch die erste Saison habe ich an Selbstvetrauen gewonnen. Ich glaube, dass mir das ganz gut gelungen ist.
WERDER.DE: Das kann man so sagen, deine Leistungen hat nämlich mittlerweile auch der Bundestrainer Christian Wück registriert und dich in der vergangenen Länderspiel-Periode erstmals für die A-Nationalmannschaft nachnominiert. Wie war der Moment des Anrufs für dich?
Larissa Mühlhaus: Ich war eigentlich auf dem Weg nach Frankfurt zur DFB-U23, hatte aber ohnehin schon Probleme, weil ich meinen Zug verpasst hatte, das ist aber eine andere Geschichte. (lacht) Irgendwann habe ich auf mein Handy geschaut und drei verpasste Anrufe einer mir unbekannten Nummer und einen verpassten Anruf von Fritzy gesehen. Dann hat mich jemand von der U23 erreicht und gesagt, ich solle doch mal die unbekannte Nummer zurückrufen. Da ging zunächst keiner ran, eine halbe Stunde später habe ich es nochmal probiert und Christian Wück war am Telefon. Durch einen Ausfall in der Offensive wollte er mich nachnominieren.
WERDER.DE: Mit was für einem Puls hast du deine Reise dann fortgesetzt?
Larissa Mühlhaus: Mit einem sehr hohen! (lacht) Am Telefon wusste ich gar nicht, was ich ihm sagen sollte, ich war so aufgeregt. Ich habe danach direkt meine Eltern und Freunde angerufen, die sehr stolz auf mich waren.
WERDER.DE: Die anderen Nationalspielerinnen kanntest du bislang nur als Gegenspielerinnen in der Google Pixel Frauen-Bundesliga. Wie war es für dich, dann auf einmal mit ihnen zu trainieren?
Larissa Mühlhaus: Manchmal haben wir parallel mit der U23 auf dem DFB-Campus trainiert, da guckte man schon mal rüber, was die so machen. Jetzt war ich mittendrin. Ich wurde wirklich sehr gut aufgenommen, die waren alle sehr herzlich. Die ersten ein, zwei Tage war ich noch sehr aufgeregt, im Training hat auch nicht alles geklappt. Ich hatte mir vorgenommen, erstmal die einfachen Sachen zu machen, um gut anzukommen. Das Niveau war schon höher als bei der U23. Jeder Pass ist scharf, die Intensität sehr hoch. Nach zwei, drei Tagen hatte ich den Rhythmus drin, wurde selbstbewusster, Sachen haben geklappt und ich habe Lob bekommen.
"Es waren schon viele Nachrichten, als ich nominiert wurde. Nach dem Tor sind aber alle eskaliert."
Larissa Mühlhaus über den Moment, als sie nach dem Debüt ihr Handy in die Hand nahm
WERDER.DE: Und dann kam es zum ersten Spiel gegen Slowenien mit einem Einsatz, der etwas überraschend war, oder?
Larissa Mühlhaus: Das stimmt. Ich habe zwar im Training gemerkt, dass ich Sachen zeigen konnte, die ich draufhabe, aber ich habe gedacht, dass ich im Spiel vielleicht 15 Minuten bekomme. Dass es dann eine ganze Halbzeit war, kam unerwartet. In der Pause hieß es „Mach dich warm“. Ich war sehr aufgeregt, aber hatte auch Bock zu spielen.
WERDER.DE: … und hast nach wenigen Minuten dein erstes Länderspieltor erzielt.
Larissa Mühlhaus: In dem Moment ist die Zeit wirklich kurz stehen geblieben. Ich habe den Ball gesehen, von links nach rechts geguckt und ihn dann perfekt getroffen. Als der Ball drin war, habe ich erst die Fans gehört. Das war wie ein Film.
WERDER.DE: Nach dem Spiel hast du im Interview gesagt, dass du das erst einmal verarbeiten musst. Ist dir das mittlerweile gelungen?
Larissa Mühlhaus: Es ist schon etwas besser, aber ich glaube, dass ich all diese Sachen wie beispielsweise auch das Pokalfinale letztes Jahr erst richtig verarbeiten kann, wenn ich irgendwann mit dem Fußball aufhöre, in Ruhe zurückblicke und mir die Videos anschaue. Jetzt lebe ich eher im Moment.
WERDER.DE: Wie war das nach deinem Debüt? Du kamst in die Kabine, hast dein Handy in die Hand genommen – und hattest wie viele Nachrichten?
Larissa Mühlhaus: Mein Handy ist wirklich explodiert. (lacht) Es waren schon viele Nachrichten, als ich nominiert wurde. Nach dem Tor sind aber alle eskaliert. Ich habe sehr viele sehr schöne Nachrichten bekommen. Da habe ich auch das erste Mal so richtig verstanden, wer mich alles unterstützt. Das war sehr schön zu sehen.
WERDER.DE: Das gilt vermutlich auch für das Video von Melina Kunkel und Tuana Mahmoud, das sie nach deinem Tor in ihrer Instagram-Story hochgeladen hatten.
Larissa Mühlhaus: Das Video habe ich mir bestimmt zehn Mal angeschaut. Es war wirklich schön zu sehen, dass meine Freundinnen sich so für mich freuen, vor allem, weil die beiden selbst gerade eine schwere Zeit hinter sich haben und angeschlagen sind. Das zeigt wahre Freundschaft.
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WERDER.DE: Mit deinem Länderspiel-Debüt und deinem Treffer hast du auch Werder-Geschichte geschrieben, denn du bist die erste aktive Werderanerin, der das gelang. Was bedeutet dir das?
Larissa Mühlhaus: Das bedeutet mir sehr viel. Es ist eine Ehre, für die Nationalmannschaft zu spielen. Dass ich die erste Werder-Spielerin bin, ist wirklich sehr besonders. Ich bin mir sicher, dass das mit der Zeit weitere Spielerinnen schaffen werden. Die WERDERFRAUEN schreiben in den letzten Jahren grundsätzlich viel Geschichte, weil wir die Leistungen bringen. Ich habe noch nie ein Team erlebt, das so zusammenhält - auf und auch neben dem Platz. Das macht Werder aus.
WERDER.DE: Die ganzen Geschichten und Erfolge führen natürlich auch zu einem gewissen Rummel um deine Person. Das scheint aber offenkundig keinen Einfluss auf deine Leistungen zu haben. Du kommst von der Nationalmannschaft und erzielst gegen Frankfurt drei Scorer. Wie gelingt es dir, diese Themen, beispielsweise um deine Zukunft, nicht an dich ranzulassen?
Larissa Mühlhaus: Das beschäftigt mich wirklich nicht groß. Ich will die Spiele in dieser Saison bestmöglich nutzen und dann schauen, wie es weiter geht. Alles ist noch offen. Klar führt man Gespräche mit Fritzy, mit meinem Berater. Die Medien spielen auch eine Rolle, fragen immer, wohin es geht. Das ist auch für den Kopf nicht einfach. Aber ich spiele mein Spiel, weil ich weiß, was ich kann. Ich bleibe da einfach bei mir. Ich habe meine Freunde und meine Familie, die mich gut ablenken. Das stärkt mich. Ich versuche einfach, positiv im Kopf zu bleiben und die Mannschaft nach vorne zu treiben.
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