Dähnepokal 2025/2026: Grün-Weißes Finale

05.03.26 von Olaf Steffens

Grün-Weißes Finale!! André Büscher gegen Olaf Steffens

Im Herbst 2025 rief der Landesschachbund Bremen wie jedes Jahr wieder alle SchachfreundInnen des Landes an die Bretter - Zeit für den Dähne-Pokal-Wettbewerb!

Ausgerichtet an drei hübschen Vorrundenstätten in Bremen-Nord, in Findorff und an der Weser bei der Bremer SG, konnte man bei der Auswahl der Vorrunde seinen örtlichen und atmosphärischen Präferenzen freien Lauf lassen.

Gespielt wird der Bremer Dähne-Pokal unter strenger Einhaltung einer wohltemperierten, jedoch recht zackigen Bedenkzeit: 40 Minuten für 40 Züge, 20 Minuten „für den Rest“, und für jeden Zug nochmal 30 Sekunden obendrauf.

Eigentlich ist man schon vor dem ersten Zug in Zeitnot. Dennoch fühlt es sich an wie eine regulär schöne Partie mit angemessen viel zeitlichem Spielraum. Es lebe das Inkrement!

Kein Glücksspiel mehr - 30 Sekunden Aufschlag sind eine gute Idee

Bei der Pokal-Vorrunde in Nord setzte sich André Büscher durch, auf seinem Weg ins Halbfinale umschiffte er mit Stephan Buchal und Wolfgang Müller zwei veritable Pokalklippen. Beide waren sie in früheren Jahren je zweimal Bremer Pokalsieger geworden, und beide konnte er besiegen (Stephan in der Blitz-Verlängerung). Eine starke Ansage – und somit qualifizierte sich André für das landbremische Halbfinale.

Titelverteidiger Thomas Büttner

In Findorff bekamen es alle Apologeten mit dem zweimaligen amtierenden Titel-und Pokalverteidiger Thomas Büttner zu tun. Findorff ist offenbar Thomas’ Wohnzimmer, denn schon zum zweiten Mal brachte er dort alle K.O-Spiele direkt oder gegebenenfalls im Blitz-Tie-Break erfolgreich hinter sich und zog wie André in die Bremer Vorschlussrunde ein.

Die BSG organisierte wie in den Vorjahren die teilnahmestärkste Vorrunde. Hier waren es 32 ambitionierte Kombinierer und Kombiniererinnen im Renner um das Bremer Halbfinale, zwei von ihnen würden sich qualifizieren. Unter der stets souveränen Ägide von Turnierleiter Kurt Borbely warfen hier Klaus Rust-Lux, IM und Vizeweltmeister Oliver Müller, Timur Elmali und Rolf Hundack ihren Hut in den Ring - dicke Bretter also, wenn man weiterkommen wollte.

Und dann geschah, was im Pokal gemeinhin so geschieht - Klaus Rust-Lux unterlag IM Oliver Müller, der wiederum in der Folgerunde von seinem Werderaner Vereinskollegen Timur Elmali aus dem Wettbewerb gewuchtet wurde.

Hundack - Steffens, bevor der Rummel beginnt (für die Partie auf das Bild klicken)

Friede den Hütten, und alle Menschen werden Brüder? Gerne, aber nicht im Pokal!

Ich schlängelte und wackelte mich in den ersten drei Runden an Matthias Rast, Dr.Eberhard Krain und Axel Buhrdorf vorbei, ehe dann Rolf Hundack auf mich lauerte. Es wurde das erwartet turbulente Handgemenge, in dem mich Rolf wie ein Dampfhammer an die Wand spielte:

... und so kamen auch Timur und ich in die Runde der letzten Vier.

Der Pokal, jeder weiß das, hat seine eigenen Gesetze, man ist nie sicher und jeder Fehltritt kann das Aus bedeuten.

So war es beunruhigend, dass mich die Hand von Turnierleiter Peter Frei im Halbfinale gegen Thomas Büttner loste, Bremer Pokalgestein und beinharter Tie-Break-Blitzer.

Da wir erst einige Zeit später im schneereichen Januar spielten, konnte ich indes fast wochenlang nachsinnen und Thomas mit einer Variante überraschen, in der er nicht zu seinem gefürchteten taktischen Druckspiel kam, sondern eher in die Verteidigung geriet. Ein taktischer Fehler gewann für mich Material, und danach brachte ich die Partie nach Hause – Finale!

Im zweiten Halbfinale behakten sich Timur und André bei einer metertief den Erdboden umwälzenden Pokalbegegnung, mit Tricks, mit Taktik, mit ewigem Schach und Springerkapriolen - oha!
Am Ende Remis - und was kommt dann? Der Tie-Break! Zweimal Blitzen also, und wieder ging es hin und her, die Nerven, die Zeit, es gab viel zu sehen für die Zuschauer. Und wieder zwei Remisen. Und was kommt dann? Armageddon!

Man kennt dieses Armageddon ja nicht nur aus der Bibel, sondern ja, auch von den Entscheidungsspielen im globalen Weltschach. Bremen kann das auch, und in beiden Fällen bedeutet es für alle Beteiligten nichts Gutes: ein Spieler bekommt 5 Minuten und muss gewinnen. Der andere Spieler spielt mit 4 Minuten, bekommt Schwarz und ihm reicht ein Remis zum Weiterkommen. Und dann? Drama, baby, drama!

Einmal falsch abbiegen im Pokal – und schon isses passiert
Wer hat an der Uhr gedreht?

Timur eroberte in diesem apokalyptisch-armageddonischen Ringen Material und sah bereits aus wie der glänzende Sieger. Indes, André ist zu Recht bekannt für seine beharrliche Findigkeit beim Aufspüren von Gegenchancen, und so auch hier - ein Angriff aus dem Nichts, Drohung hier, Drohung da, und eine falsche Parade von Timur ließ die Partie vollends kippen. André siegt im Tie-Break – Büscher, Steffens, das Finale war komplett!

Büscher - Steffens, Teil 1 (Zum Nachspielen auf das Diagramm drücken)

Wie schon alle Runden zuvor war dann auch das Endspiel eine strenge Alles-oder-Nichts-Begegnung. Wie soll man das als Nicht-Großmeister alles verkraften?

André und ich trafen uns an einem kühlen Februarabend in den Räumen des SK Bremen-Nord in Lesum, und bald schon saßen wir am Brett und vertieften uns in Züge, Manöver, Zeitkontrollen:

Büscher - Steffens, Teil 2 (Zum Nachspielen auf das Diagramm drücken)
Hier ist das Matt!

Und was war das - ich hatte gewonnen? Oh nein! Das war zu schön, und nach den stundenlangen Turbulenzen kaum zu fassen. Pokalsieger? H.u.r.r.a!, und Getränke für alle!

Vorbei und entschieden also, der Bremer Dähnepokal 2025/2026. Begonnen im September, beendet im Februar, sechs Monate Spielzeit – genau so lange wie Kasparov und Karpov, die in den 1980ern ihre legendären monatelangen Matches spielten. Auch hier zeigt Bremen also Weltformat.

Danke noch einmal an Peter Frei für das Organisieren und geduldige Austarieren aller Termine und Farbansetzungen.
Ich freue mich, dass wir in Bremen so einen schönen Wettbewerb spielen können - den ehrenvollen Dähne-Pokal, in großer Tradition in einem bundesdeutschen Turnier.

Gens una sumus, und Bremen ist dabei.

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