Werderdrei: Kein Wandern hilft dem Mannschaftspunkt

Oberliga Nord West

04.03.26 von Olaf Steffens

Diese Uelzener!

Auswärtsspiel in der Lüneburger Heide, siebte Runde der nordwestlichen Oberliga. Leichtes Tabellenkribbeln im grün-weißen Lager, unser Abstand zu den nur wenig beliebten Abstiegsplätzen betrug nur ein paar karge Pünktlein.

Und Uelzen, unser Gegner, Uelzen mochte auf dem Papier zwar etwas schwächer aufgestellt sein als wir, doch sind sie weithin bekannt für ihr schachliches Können, Robustheit und - aufgemerkt! – langjährige mannschaftliche Geschlossenheit.

Saison 22/23: Brett 1 bis 8 – langt doch eigentlich!
Uelzen 23/24: Maue Zeiten für Ersatzspieler
Uelzen 24/25: Schönste römische Mosaikkunst
Saison 25/26: Schwarz-weißer Block

Ein gefährlicher Gegner also, auch wenn Käpt´n Buchal unsere ersten beiden Bretter mit GM Gennadiy und IM David großartig besetzt hatte. Auf der anderen Seite fehlten bei uns unter anderem Max und Daniel, die beide ihren Saisoneinstand in der Zweiten gaben (Auf nach Mülheim!).

Es hätte auch ein Tag in der Heide sein können: Hendrik Mittelstädt – André Büscher

Die Fahrt nach Uelzen führt erst lange über die Autobahn, und sobald man Soltau-Süd erreicht hat, noch lange über Land. Aber was für eine schöne Gegend, voller Wald, voller Heide und Natur!

Mein wohlmeinender Vorschlag, diesen schönen Sonnentag spontan mit einer Wanderung durch die Lüneburger Heide zu begehen, wurde von unserer Fahrgemeinschaft in Person von André Büscher, Reiner Franke und Stephan Buchal allerdings einstimmig abschlägig beschieden.

Sonne, Natur, Hasen, Frühling? Nix da - Schachspieler wollen an ihre Bretter!

Thumbs up for Uelzen

Uelzen ist ein klassischer Sehnsuchtsort für jeden schachspielenden Kaffeetrinker (bzw für jeden kaffeetrinkenden Schachspieler). Ähnlich wie bei unseren Heimspielen in der Werderburg gibt es in Uelzen Kaffee satt für freundliche Preise, frisch gekocht und hübsch serviert im Vereinsheim des Post SV, so soll das sein.

Unser Match nahm sehr früh Fahrt auf, denn schon bald hatte Prof Reiner mit einem nickligen Colle-Zukertort-Angriff die Königsstellung seines Gegners demoliert, drei Bauern gewonnen und dazu noch Mattangriff. Fett!

Ich wunderte mich also nicht, als seine Partie wenig später entschieden war - und staunte nicht schlecht, dass Reiner verloren hatte. How come?

In der Diagrammstellung spielte Schwarz 17… Sd4 18.Dc4 b5!!? 19.Dd3?? (19.Sh6+ Kh8 20.Sgf7+ Kh7 21.Dd3 mit Schach! Gewann leicht) …
und jetzt ging's plötzlich bergab (siehe Partiesammlung) - oh weh!

Fast unerhört, so eine Finte!? Aber Kompliment an den gewieften Finn-Crispin Burnus, das war kraftvoll und sehr inspiriert gekontert.

Es folgte ein umkämpftes Remis an Andrés Brett, und s.c.h.l.u.c.k.! - eine weitere grün-weiße Niederlage.

Finn hatte in aussichtsreicher Position lange nach einem Durchbruch gesucht im Spiel mit dem findigen Sergej Bogomolow. Doch fand er nichts, keine Opfer, keine Bauernvorstöße, und tatsächlich, vielleicht gab es da auch nichts.

Finns Bedenkzeit allerdings war dramatisch dahingeschmolzen, daher schlug nun die Stunde von Bogomolow, der seinerseits das Manövrieren begann. Finn gelang es nicht mehr, seine Stellung auf die Schnelle gegen alle Drohungen zu wappnen, und Bogomolow sammelte den zweiten Uelzener Sieg ein.

Nächstes Mal aber, Finn, holst Du den Punkt!

An Brett Eins versuchte Gennadiy mit viel Elan, Justus Bargstens Karlsbader Struktur zu knacken. Es sah auch fast gut aus damit, allein Justus Bargsten ist eine Bank am Spitzenbrett, und bis ins Turmendspiel hinein brachte er immer wieder die besten Züge aufs Brett. Nichts zu holen - Remis, und es stand 1:3 gegen uns.

Hätten wir morgens doch alle lieber wandern gehen sollen - Landpartie statt Schachpartie?

Peter hatte eine typische Peter-Partie aufs Brett orchestriert, mit selbstgeschöpften Eröffnungszügen nach f4 und b3 und kreativem Figurenspiel. Das alles überfordert viele Gegner, und Peters taktisches Gespür bringt ihm in solchen Stellungen viele schöne Punkte ein. Indes: leider nicht gegen Uelzen!

Sascha Wiegmann hatte ausreichend Nerven und Positionsgeschick im Köcher, um alle Lichmanschen Ansinnen abschlägig zu bescheiden. Gekämpft wurde noch, bis fast alles vom Brett war - und dann Remis.

Der Käpt’n hält sein Team im Rennen

Hoffnung auf eine Wende gab nun immerhin noch Stephans Stellung, in der sich vorsichtig ein Mehrbauer anbahnte.
Nach Stephans Einschätzung stand sein Gegner vorher bereits auf Gewinn, war dann aber falsch abgebogen, und wahrlich – Käpt’n Stephan gab diese Chance auf einen vollen Punkt nicht mehr her. Anschlusstreffer!

In meiner Partie traf ich auf Bernd Laubsch, das souverän punktende Uelzener Urgestein, den Laubschinator. In der Eröffnung konnte ich ihn mit einer überraschenden Verteidigung aus dem gewohnten Fahrwasser bringen, so dass wir uns beide eher auf Sicht durch die Begegnung hangelten.

Bei knapp werdender Zeit fanden sich meine Figuren plötzlich auf überraschend aktiven Feldern wieder, und mit einem Trick gewann ich Material - und die Partie, zum 3,5:3,5. Ausgleich also!

Weiß hat gerade mit 25.Dc2 den Bauern c4 zum zweiten Mal angegriffen. Was ist eine gute Antwort?(Tip: How good is your hacking?)

Auch hier lohnt sich ein Blick in die Partiensammlung!

So gab es an diesem Tag vier entschiedene Partien, und - wie Reiner schnell ermittelte – alle diese vier Punkte gingen an Schwarz! Die Lüneburger Heide, sie ist ein gefährliches Pflaster für alle Weißspieler.

Doch was war los bei David Lobzhanidze? Jacob von Estorff hatte unseren IM ein bisschen am Haken in einem Turmendspiel mit Mehrbauer - konnte man das halten? Ein 4:4, das wäre doch so schön.

Und in der Tat - es gibt nur wenige Menschen auf der Welt, die dieses Endspiel halten würden. Zum Glück für Werder 3 ist David einer von ihnen!

So endete dieser Tag mit einem Unentschieden für die Werderaner Schachrosse, und in der bärenstarken Oberliga Nordwest hat dieser schwer erarbeitete, veritable Big Point unsere Aussicht auf den Klassenerhalt erheblich verbessert.

Uelzen war beeindruckend – in dieser kompakten Form bleiben sie der Liga sicherlich erhalten!

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