David Kardoeus ist Bremer Meister
Ein Bericht vom Brett
04.04.26 von David Kardoeus / Bilder: Germaine Kickert + Dr. Oliver Höpfner | 3 Min
Nachdem 2026 bereits mit einer Sensation für mich gestartet war, sollte ich bei der Bremer Meisterschaft ein weiteren Meilenstein in meinem Leben erreichen.
Zunächst war für mich unklar, ob ich in diesem Jahr die Offene Bremer Einzel-Meisterschaft (OBEM) oder ein anderes Turnier mitspielen können würde. Zu meinem großen Glück, bin ich Ende Januar stolzer Vater geworden und kann nun nicht mehr in der Fülle Schach spielen, wie ich es vor einigen Jahren noch getan habe.
Gerade bei Neugeborenen muss man, in der metaphorisch gesprochenen Eröffnung, besonders auf die Entwicklung acht geben. Da tut es gut, wenn der Vater am Wochenende auch mal zuhause ist. Meine Frau aber hielt mir den Rücken frei und so konnte ich die 4-tägige Schachreise nach Stuhr antreten.
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Das Gutshaus Varrel liegt schon eine Ecke von Bremen entfernt und ich hatte mich über all die Jahre an das Bürgerhaus Mahndorf und den dortigen Vibe gewöhnt. Es hat eben seinen Charme gehabt und ich kannte die OBEM auch noch an keinem anderen Ort.
Das Gutshaus liegt auf einem malerischen Hof, über den ein kleiner Fluss fließt und es wirkt alles sehr im Einklang mit der Umgebung. Definitiv ein empfehlenswertes Ausflugsziel, auch ohne Schachbrett!
Der Turniersaal hat mir ebenfalls sehr gefallen. Gespielt wurde in einer großen Scheune, mit hohen Decken und viel Platz für alle. Im Eingangsbereich der Scheune war ein Catering aufgebaut, bei dem alles geboten wurde, was ein Schachspielerherz begehren könnte. Die Preise waren sehr fair, geschmeckt hat auch alles und ich persönlich mag einfach das Geräusch, wenn Kaffee durch die Filtermaschine tröpfelt.
Das Turnier startete am Samstag und da die OBEM nicht mehr in 9 Runden und über eine ganze Woche ausgetragen wird, ist die Meisterschaft nach 7 Runden an vier Tagen relativ zügig durchgespielt. Das ganze hat Vor- und Nachteile, die jedem Arbeitnehmer nicht all zu fremd sein sollten. Der erste Tag ging schnell über die Bühne, unter anderem weil mit dem Modus 90+30 (90 Minuten für die gesamte Partie, 30 Sekunden Zuschlage pro Zug) gespielt wurde. Ein Modus den ich sehr begrüße, da er die Partien meist zwischen 3-4 Stunden hält und somit Doppelrunden erträglicher sind.
Am zweiten Tag musste ich gegen einen Arbeitskollegen antreten, mit dem ich mich nicht zum ersten Mal gemessen habe. Nachdem ich ewig kein Turnier gespielt habe, ist diese Partie in der Zeitnotphase für mich ein richtiger Härtetest gewesen.
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In der Nachmittagsrunde konnte ich mit Weiß in ein bequemes Mittelspiel transformieren, in dem mein Gegner viele schwache Bauern hatte und schlussendlich den Laden nicht zusammenhalten konnte. In der Diagrammstellung konnte ich erheblich vereinfachen – wie?
Am dritten Tag ging es in die „Crunch-Time“. Ich musste mit Schwarz gegen Dennis Martin spielen, der in nun allen vier Aufeinandertreffen die weißen Steine führen durfte. Solange das Ergebnis stimmt, soll mich das aber nicht stören: In einer hochspannenden Partie kam es im Mittelspiel zu gewaltigen Komplikationen, die von beiden Seiten nicht wirklich durchschaut werden konnte. Viele schöne Motive und Taktiken später lichtete sich der Nebel und ich konnte ein ohnehin gutes Endspiel sicher verwerten.
Am Nachmittag musste ich in Runde 6 erneut mit Schwarz spielen, was mich verwunderte. Ich kannte die Regel, dass bei gleicher Farbverteilung in der vorangegangenen Runde der stärkere Spieler Farbwechsel haben würde. Hauptschiedsrichter Dirk Rütemann belehrte mich eines besseren und ich musste in den sauren Apfel beißen.
Die Partie gegen Rolf Hundack war abermals zäh. Ich hatte mir einen netten Vorteil erspielt, den ich mit einem Figurenopfer hätte geltend machen können. In meiner Einschätzung sah es aber nicht deutlich genug aus und ich zog den Schwanz ein. Rolf schaffte es in ein Endspiel zu transformieren, in dem er trotz „schlechteren Läufers“ nicht schlechter stand. Zwischenzeitlich konnte er sogar gewinnen, aber mit knapper Zeit übersah auch er diese gute Gelegenheit. Am Ende trennten wir uns mit einem Remis und ich hatte einen halben Punkt Vorsprung, mit dem ich am Dienstag in Runde 7 starten durfte.
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Natürlich kommt man am Abend ins Rechnen, da man mit einem Remis den Meistertitel wohl sicher hat, wenn denn dann die Buchholz stimmt. Man guckt gegen wen die eigenen Gegner antreten und schätzt, wie deren Punkteausbeute im Normalfall sein sollte. Ein Kurzremis liegt dennoch nicht in meiner Natur und ich hatte schließlich Weiß – ich wollte also erstmal spielen!
Ich musste gegen den IM Giorgi Chokhonelidze (mit georgischen Wurzeln) antreten. Bei meiner Recherche fiel mir auf, dass er die 2400 Elo laut dem Weltverband Fide nie überschritten hatte – den Titel musste er wohl von einer Landesmeisterschaft im eigenen Land haben?! Diese Frage blieb für mich ungeklärt.
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Mit ein bisschen Glück konnte ich sogar den ganzen Punkt nach Hause fahren und schloss das Turnier mit unglaublichen 6,5/7 Punkten ab. Bereits vor Jahren war ich Vizemeister geworden; damals waren meine Chancen auf diesen Erfolg weitaus aussichtsreicher gewesen, weil ich in einer schachlich besseren Verfassung war.
In diesem Jahr bin ich nicht wirklich mit der Ambition ins Turnier gestartet, Bremer Meister zu werden. Vielleicht hat es genau deshalb geklappt, weil ich mir selber kein zu ehrgeiziges Ziel gesteckt habe, sondern einfach Schach spielen wollte.
Ich freue mich riesig diesen Meilenstein erreicht zu haben, den ich definitiv ein Mal in meinem Leben erreichen wollte. Es ist für mich der größte schachliche Erfolg und erfüllt mich mit viel Stolz.
Ich möchte mich bei den Organisatoren des TuS Varrel bedanken, die ein wirklich schönes Turnier ermöglicht und für super Verpflegung gesorgt haben. Ein weiterer großer Dank gilt dem Schiedsrichtergespann und dem Turnierleiter, die sich um einen reibungslosen Ablauf gekümmert haben und stehts für ein Pläuschchen zur Verfügung standen.
Vielen Dank für all die lieben Glückwünsche, die mich erreicht haben. Ich freue mich, dass ihr euch mit mir freut!
Euer David
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