„Man darf sich nicht entmutigen lassen“
12.03.26 von Tineke Ruchel | 6 Min
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Unsere Frauen bei Werder stehen für Vielfalt und genauso vielfältig sind ihre Geschichten. Ein Teil dieser Frauen, die den SVW jeden Tag prägen und mitgestalten, soll nun vorgestellt werden. Sonja Dundon nähert sich ihrem 20. Jubiläum bei Werder. Die gebürtige Bremerin war 2007 eine von nur ganz wenigen Frauen beim SV Werder Bremen und weiß, was es braucht, um sich in einer Männerdomäne durchzusetzen. Im Interview mit WERDER.DE gibt Dundon einen Einblick in die ersten Jahre bei Werder, die Zeit als Fußballspielerin und die Entwicklung von Frauen in der Fußballbranche.
WERDER.DE: Moin Sonja, du arbeitest nicht nur bei Werder, sondern warst auch einige Jahre als Fußballspielerin aktiv. Was nimmst du aus dieser Zeit mit?
Sonja Dundon: Mit 13 Jahren habe ich in Bremen mit dem Fußballspielen angefangen. Ich bin nur wenige Meter vom Stadion entfernt aufgewachsen und hatte insgeheim immer den Traum, eines Tages für Werder zu spielen. Nach zwei Stopps in Köln und Madrid bin ich schließlich wieder nach Bremen zurückgekehrt. 2007 habe ich ein sechsmonatiges Praktikum bei Werder absolviert. Ein halbes Jahr später bin ich dann zu den „Einsteigerinnen“, der damals neugegründeten Frauenmannschaft von Werder Bremen dazugestoßen. Mitzuerleben, wie die Frauenmannschaft aufgebaut wurde und ein Teil davon zu sein, war sehr besonders. Ich war stolz für meinen Herzensverein auflaufen zu können. Wir sind damals als Mannschaft von der Verbandsliga direkt in die zweite Liga durchmarschiert. Für mich ging es dann in die zweite Mannschaft, mit der wir 2011 den Aufstieg in die Regionalliga geschafft haben, zwei Jahre später habe ich meine Fußballschuhe dann „an den Nagel gehängt“. Es ist seit dem viel passiert und es freut mich sehr zu sehen, wie sich der Frauenfußball in diesen Jahren bis heute, weiterentwickelt hat.
WERDER.DE: Bevor wir über deine Arbeit bei Werder sprechen, gehen wir nochmal ein paar Jahre zurück. 2002 hast du dein Studium in Köln an der Deutschen Sporthochschule begonnen. Wieso hast du dich damals für diesen Schritt entschieden?
Sonja Dundon: Für mich war immer klar, dass ich mal irgendwas mit Sport machen möchte. Ich komme aus einer sehr sportbegeisterten Familie - meine Mutter war Sportlehrerin und mein Vater nicht nur selbst aktiver und leidenschaftlicher Sportler, sondern auch sportpolitisch immer sehr engagiert. Im Abi hatte ich einen Sport-Leistungskurs und entschied ich mich dann dazu, Sportmanagement zu studieren. Für mich war schnell klar, dass kein Weg an Köln vorbeiführen kann und nachdem ich die Aufnahmeprüfung bestanden hatte, konnte ich Diplom Sportwissenschaften mit dem Schwerpunkt Ökonomie und Management an der „Spoho“ studieren. Das war eine tolle Zeit, aus der ich sehr viel mitnehmen konnte. Fußball war damals einer meiner freiwilligen Schwerpunkte, in dem wir sowohl theoretischen Input bekamen als auch viele Praxisstunden hatten. Ein persönliches Highlight für mich war dabei die Fußballlehrer-Prüfung von Jürgen Klopp, die er bei uns im Kurs absolvierte und bei der er eine Trainingseinheit mit uns durchführte. Die Studienzeit war eine tolle und spannende Zeit, die mich im fußballtheoretischen, aber auch praktischen Bereich geprägt und weitergebracht hat. Meine Diplomarbeit schrieb ich übrigens hier in Bremen als ich bereits für Werder arbeitete. Ich machte eine Sozialwissenschaftliche Analyse des Publikums von Werder Bremen mit einer großen Zuschauer*innen-Befragung bei einem Heimspiel. Laut der Ergebnisse lag der Frauenanteil unter den Zuschauenden zu dem Zeitpunkt (2008) bei knapp unter 30 Prozent. Heute ist der Frauenanteil im Weserstadion noch etwas höher und steigt in der Zukunft hoffentlich weiter an.
WERDER.DE: Was nimmst du aus deiner Zeit als Praktikantin mit?
Sonja Dundon: Als klar war, dass mein beruflicher Weg in den Sport gehen könnte, wuchs auch der Wunsch für Werder Bremen zu arbeiten. Ich bin, wie gesagt, gegenüber des Weserstadions aufgewachsen und blickte daher täglich auf Werder. Dass ich ein Praktikum bei Werder machen konnte, war für mich ein großes Glück. Ich war damals die ersten drei Monate in der Medienabteilung tätig und hatte dort mit Marita Hanke mein weibliches Vorbild. Marita hatte einen großen Anteil daran, dass ich mich in der damals noch viel stärkeren Männerdomäne schnell zurechtgefunden habe. Darüber hinaus hat es mir sicherlich auch geholfen, dass ich in den internen Fußballrunden auf dem Platz dabei war und den Kollegen auch auf sportlicher Ebene begegnen konnte. Die weiteren drei Monate habe ich dann in der Abteilung Marketing und Vertrieb gearbeitet, in der ich damals die einzige Frau war. Der Fußball und das Vereinsleben haben mich sehr emotionalisiert und meine Leidenschaft immer mehr verstärkt. Im Anschluss an mein Praktikum bekam ich eine Festanstellung, bis 2016 im Bereich Kommunikation und seit dem in der Abteilung Marke & Marketing.
WERDER.DE: Du bist mittlerweile seit mehr als 18 Jahren bei Werder. Was ist für dich das Besondere an Werder?
Sonja Dundon: Werder ist für mich eine absolute Herzensangelegenheit und ich kann mich absolut mit dem Verein und seinen Werten identifizieren. Wir haben hier tolle Kolleg*innen und in unserem Team herrscht ein großartiges Miteinander. Es macht Spaß mit den vielen grün-weiß begeisterten Menschen zu arbeiten und gemeinsam für emotionale und unvergessliche Momente zu sorgen. Ich freue mich über die Verantwortung, die ich für meinen Bereich tragen darf. Die Begeisterung für Werder in der ganzen Stadt ist einzigartig und gibt mir immer wieder das Gefühl am richtigen Ort zu sein. Die Planung und Organisation von Events und dem Stadionprogramm, aber auch die Mitarbeit an verschiedensten anderen Projekten ist unglaublich vielfältig und macht den Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich und spannend. Das Gefühl, Menschen mit unserer Arbeit begeistern zu können, motiviert mich total.
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WERDER.DE: Wie sieht dein Arbeitsalltag aus und was gehört zu deinen Aufgaben?
Sonja Dundon: Ich bin für die Organisation und Durchführung der Events von Werder verantwortlich. Dazu gehören Veranstaltungen wie der Tag der Fans, unsere Weihnachtsfeiern, Business Event-Formate, aber auch der Bereich des Stadionprogramms. Alles, was rund um den Spieltag an Programm stattfindet, wird von uns organisiert und geplant. Hier braucht es immer wieder viel Abstimmung zwischen den Abteilungen und auch externen Gewerken. Es gibt viele Wünsche aus den unterschiedlichsten Bereichen, die wir aufnehmen und im Sinne von Werder und immer mit Blick auf die aktuelle Situation bewerten und im Rahmen der Möglichkeiten versuchen umzusetzen und einzubinden. Die Herausforderung bei allem ist es, am Ende für möglichst alle ein besonderes Stadionerlebnis zu schaffen und bestmöglich auf das Spiel einzustimmen. Neben der alltäglichen Orga für den „normalen“ Spieltag arbeiten wir aber auch immer wieder an Sonderspieltagen, wie bspw. unsere Aktionsspieltage für Vielfalt, die Frauen-Highlightspiele im Stadion oder auch die Abschiedsspiele von Diego und Claudio Pizarro.
WERDER.DE: Was würdest du jungen Frauen, die am Anfang ihrer Karriere stehen, auf ihren Weg mitgeben?
Sonja Dundon: Man darf sich nicht entmutigen lassen, auch wenn es mal schwierige Phasen gibt. Wir Frauen müssen zusammenhalten, uns gegenseitig unterstützen und Netzwerke nutzen. Es gibt tolle Netzwerke, mit denen auch wir bei Werder Bremen zusammenarbeiten, wie „Fußball kann mehr“, „The League“ oder auch unser eigenes Frauennetzwerk woman@werder. Diese Netzwerke helfen, sich gegenseitig zu unterstützen, sichtbar zu machen und zusammenzuhalten. Das ist wichtig, genauso wie authentisch zu bleiben und sich nicht zu verbiegen. Habt Mut, den eigenen Weg zu gehen.
WERDER.DE: Was wünschst du dir für die Zukunft von Frauen in der Fußballbranche?
Sonja Dundon: Ich wünsche mir, dass Frauen viel selbstverständlicher in allen Bereichen vertreten sind, ob auf dem Platz, in Führungspositionen oder in allen anderen Bereichen. Und ich wünsche mir grundsätzlich mehr Diversität in Entscheidungspositionen. Auch da haben wir uns schon weiterentwickelt, aber sind noch lange nicht am Ende angekommen. Es müssen Strukturen geschaffen werden, die Frauen langfristig und nachhaltig fördern. Für mich selbst wünsche ich mir weiterhin Verantwortung übernehmen zu können, Werder aktiv mitgestalten zu können, Menschen mit unserer Arbeit zu begeistern und auch selbst immer begeistert zu bleiben.
WERDER.DE: Danke für deine Zeit, Sonja.
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