„Vereine, die zusammenstehen, wachsen daran"
PRÄSIDENT & AUFSICHTSRATSVORSITZENDER DR. HUBERTUS HESS-GRUNEWALD IM INTERVIEW
06.02.26 von Martin Lange | 4 Min
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In mehr als 25 Jahren leitender Tätigkeit in Aufsichtsrat, Präsidium und Geschäftsführung hat Dr. Hubertus Hess-Grunewald entscheidend dazu beigetragen, den SV Werder nicht nur zu zahlreichen Erfolgen, sondern auch durch einige sportlich schwierige Zeiten zu führen. Der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende der Grün-Weißen erklärt, wie das auch dieses Mal gelingen soll und wie der Verein mit Kritik und Unsicherheit im Umfeld umgeht.
WERDER.DE: Moin Hubertus, der Sport-Verein „Werder“ hat am Mittwoch seinen 127. Geburtstag gefeiert. In welcher Stimmung hast du diesen Geburtstag erlebt?
Dr. Hubertus Hess-Grunewald: 127 Jahre sind ein stolzes Alter, das uns immer wieder bewusst macht, welche Kraft, Tradition und Verantwortung in unserem Verein stecken. In diesem Jahr fiel unser Geburtstag in eine sportlich schwierige Zeit, die sich natürlich auch an diesem Tag nicht ausblenden ließ, sondern viele im Verein zurecht beschäftigt.
WERDER.DE: Genau am Geburtstag wurde mit Daniel Thioune ein neuer Cheftrainer vorgestellt und damit eine wichtige Weichenstellung für die kommenden Monate vorgenommen. Wie beurteilst du diese Personalie?
Dr. Hubertus Hess-Grunewald: Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, mit Daniel Thioune nur wenige Tage nach der Freistellung von Horst Steffen einen ausgewiesenen und in der Bundesliga anerkannten Fachmann zu gewinnen, der diese Aufgabe mit sehr viel Engagement und Leidenschaft angeht. Hier ist die intensive Arbeit unserer Geschäftsführung, allen voran von Clemens Fritz, und die sehr gute Kommunikation mit dem Aufsichtsrat ausdrücklich hervorzuheben. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit Daniel Thioune an der Seitenlinie – gepaart mit Ruhe, Geschlossenheit und klaren Entscheidungen im Verein – die kommenden Wochen und Monate erfolgreich gestalten werden.
WERDER.DE: Dennoch - Die aktuelle sportliche Situation in der Männer-Bundesliga mit Wochen ohne Erfolgserlebnis hat naturgemäß Kritik an den Verantwortlichen hervorgerufen. Wie geht Werder mit dieser Kritik um?
Dr. Hubertus Hess-Grunewald: Wir nehmen die Sorgen der Fans und aller, die es mit dem SV Werder halten, sehr ernst. Unruhe und Unzufriedenheit nach zehn Spielen ohne Sieg sind absolut nachvollziehbar. Wichtig ist, dass Kritik immer sachlich und fundiert geäußert wird und handelnde Personen nicht persönlich angreift.
WERDER.DE: Teil der öffentlichen Kritik ist eine Online-Petition, die die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, bei der die Arbeit von Clemens Fritz diskutiert und beurteilt wird, fordert. Wie bewertest du diese Petition?
Dr. Hubertus Hess-Grunewald: Sie ist Ausdruck der beschriebenen Sorgen der Fans, bedarf allerdings einer Einordnung. Diese Einordnung habe ich unter anderem in einem ausführlichen Telefonat mit dem Initiator der Petition vorgenommen und wiederhole das gerne hier. Zunächst einmal: Diese Online-Petition hat satzungsmäßig keine Relevanz. Dazu kommt: Etwa die Hälfte der Teilnehmenden hat die Petition anonym unterzeichnet. Bei allen, die ihren tatsächlichen Namen hinterlegt haben, hat eine Stichprobe ergeben, dass etwa 30 Prozent von ihnen Vereinsmitglieder des SV Werder sind.
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WERDER.DE: Das heißt, dass zum einen die Zahl der Unterzeichnenden zu gering, zum anderen auch die Form nicht satzungsgemäß ist, um eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu erreichen?
Dr. Hubertus Hess-Grunewald: So ist es. In unserer Vereinssatzung ist geregelt, dass eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen ist, wenn ein Zehntel der stimmberechtigten Mitglieder dieses schriftlich unter Angabe des Zweckes und der Gründe beim Präsidium beantragt. Richtig ist, dass die Mitgliederversammlung das oberste Organ unseres Vereins ist und in dieser Funktion eine enorme Bedeutung hat. Denn sie gibt den Mitgliedern die Möglichkeit zur Mitbestimmung. Beschlüsse können allerdings nur zu Themen gefasst werden, für die die Mitgliederversammlung satzungsgemäß zuständig ist.
WERDER.DE: Diese gelebte Demokratie im SV Werder haben wir gerade erst vor gut zwei Monaten bei der turnusmäßigen Mitgliederversammlung 2025 erlebt…
Dr. Hubertus Hess-Grunewald: …bei der die Mitglieder unter anderem vier Kandidatinnen und Kandidaten für den Aufsichtsrat zur Wahl durch die Hauptversammlung benannt haben. Der Aufsichtsrat hat sich mittlerweile in der neuen Zusammensetzung konstituiert und sollte nun als durch die Mitgliederversammlung legitimiertes Gremium auch das Vertrauen in der kritisch konstruktiven Begleitung der Geschäftsführung haben.
WERDER.DE: Im Rahmen der Petition steht die Forderung im Raum, dass eine außerordentliche Mitgliederversammlung den Aufsichtsrat anweist, eine Veränderung auf der Position des Geschäftsführers Fußball vorzunehmen…
Dr. Hubertus Hess-Grunewald: In der Tat ist diese Petition in meiner Wahrnehmung deutlich gegen Clemens Fritz gerichtet. Klar ist aber: Die Mitgliederversammlung kann den Aufsichtsrat nicht zwingen oder verpflichten, ein Mitglied der Geschäftsführung zu wechseln. Und ich betone an dieser Stelle: Als Präsident des e. V. und Aufsichtsratsvorsitzender der Kapitalgesellschaft habe ich volles Vertrauen zu Clemens Fritz und in seine Arbeit und sehe keine Veranlassung, ihn abzulösen. In meiner Funktion stehe ich hierfür in der Verantwortung und habe dazu eine klare Meinung und Haltung.
WERDER.DE: Wie wird es aus deiner Sicht gelingen, dass der SV Werder im kommenden Jahr auch den 128. Geburtstag mit einer Mannschaft in der ersten Männer-Bundesliga feiern kann?
Dr. Hubertus Hess-Grunewald: Aus vielen Jahrzehnten Mitgliedschaft beim SV Werder und Arbeit in den Gremien weiß ich: Krisen werden nicht durch Unruhe, Misstrauen oder Schuldzuweisungen bewältigt, sondern durch Klarheit, Geschlossenheit und Vertrauen. Vereine, die in schwierigen Momenten auseinanderdriften, haben es schwer. Vereine, die zusammenstehen, wachsen daran. Unseren SV Werder hat schon immer ausgezeichnet, dass wir uns sportlichen Herausforderung mit Besonnenheit und Zusammenhalt, mit der nötigen Ruhe und Wachsamkeit stellen und einen klaren Fokus auf die zu bewältigende Arbeit haben. So kann es uns auch dieses Mal gelingen, die nötige Energie zu entwickeln, um wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden.
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