Heimdoppelrunde in der 2. Bundesliga
28.01.26 von David Lobzhanidze
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Am 17. und 18. Januar fand die Heimdoppelrunde der 2. Bundesliga in unserem Vereinslokal in der Hemelinger Straße statt. Als Gegner traten der SV 1920 Hofheim sowie der SC Remagen-Sinzig an.
Am Samstag verlief unsere Begegnung gegen meinen ehemaligen Verein SV 1920 Hofheim, für den ich über zehn Jahre in der 1. und 2. Bundesliga gespielt habe, sehr erfolgreich für unsere Werderaner. Ich selbst habe erfolgreich unserer dritten Mannschaft auswärts in Braunschweig ausgeholfen und konnte meine ehemaligen Mannschaftskameraden aus Hofheim daher nicht in Bremen begrüßen.
Vier Partien endeten recht schnell mit Unentschieden, obwohl die eine oder andere Seite vielleicht noch hätte weiterspielen können. Es folgte ein weiteres Remis: IM Sven Joachim an Brett 6 hatte sich mit Weiß zwar aus der Eröffnung eine sehr vorteilhafte Stellung erspielt, konnte diesen Vorteil jedoch nicht weiter ausbauen.
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Die restlichen drei Partien, allesamt mit Schwarz, konnten wir für uns entscheiden. IM Collin Colbow wählte gegen GM Marin Bosiocic in der Karlsbader Variante des Damengambits mit den schwarzen Figuren eine moderne Linie mit frühem …h6 und erreichte damit problemlos Ausgleich.
In der Diagrammstellung ist Schwarz nach 17…b6, gefolgt von La6, Td8 und c5, dabei, die Initiative zu übernehmen. Es folgte jedoch direkt 17…c5, was ebenfalls eine sehr typische und positionell starke Idee aus schwarzer Sicht in dieser Struktur ist. Allerdings kann Weiß hier mit 18.e4! den Spieß umdrehen. Dieser Zug ist sehr wirkungsvoll, da der Läufer nicht mehr auf d3, sondern auf b1 steht. Dies ermöglicht nach 18…dxe4 den Zwischenzug 19.d5! mit klarem Vorteil für Weiß. Collin spielte stattdessen 18…Td8, geriet jedoch weiterhin stark unter Druck und musste schließlich zwei Figuren für Turm und Bauer abgeben.
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Weiß hätte die Stellung möglicherweise noch präziser behandeln können, doch GM Bosiocic agierte in der Folge ungenau und unvorsichtig, sodass Collin starkes Gegenspiel auf der f-Linie erhielt.
Hier führen die beiden Turmzüge 26.Td1 und der clevere prophylaktische 26.Tg1!? zu klarem Vorteil für Weiß. Am Brett ist dies jedoch nicht leicht zu erkennen. Weiß spielte 26.Te1, was optisch am logischsten erschien, jedoch viel Gegenspiel zulässt. Nach 26…Tf2 27.Dd3 Sg5 erhielt Schwarz plötzlich eine starke Initiative, und nach 28.h4? Tf4! 29.Dg3 Dd4! steht Schwarz auf Gewinn, da Weiß Th4 nicht verhindern kann. Falls stattdessen 29.g3 gespielt wird, gewinnt Schwarz sehr schön mit 29…Df2! 30.gxf4 Sf3!!
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In der Partie IM Martin Breutigam mit Schwarz gegen IM Erik Zude kam ebenfalls das Damengambit aufs Brett. Martin baute seine Stellung sehr solide auf und verbesserte sie nach und nach.
Nach 27…h5! 28.Lxh5 Df5! gewinnt Schwarz den weißen Läufer und kurz darauf die Partie.
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Am längsten, genau 60 Züge, dauerte die Partie von IM Jari Reuker, ebenfalls mit Schwarz, gegen GM Gennadi Ginsburg. Es war eine typische Partie der Caro-Kann-Klassischen Variante. Weiß agierte eher harmlos im Mittelspiel, sodass Schwarz ein besseres Endspiel erhielt, bedingt durch die zentral stärkere Bauernstruktur und den schwachen weißen Bauern auf h5. Am Ende konnte Jari seinen kleinen Vorteil in einen vollen Punkt umsetzen.
Mit 46…Te3+ 47.Kb2 Sd3+ 48.Kb4 Sb4+ gewann Jari die Qualität und anschließend die Partie.
Am Ende stand es 5,5:2,5 für uns. Ein verdienter Sieg, der nach dem Verlauf der Partien jedoch vielleicht etwas zu hoch ausfiel.
Am nächsten Tag hatten wir weniger Glück und kassierten unsere erste Mannschaftsniederlage, und das gleich leider ziemlich deutlich. Dadurch wurden wir vom 1. Platz auf den 5. Platz in der Tabelle katapultiert, da es dort sehr eng zugeht.
Es hätte jedoch nicht so kommen müssen, da wir im Verlauf des Wettkampfs ausreichend Chancen hatten. Unser Gegner, der SC Remagen-Sinzig, trat mit vier belgischen, drei polnischen und einem ungarischen Spieler an, darunter insgesamt fünf Großmeister.
Besonders unglücklich verlief die Partie an Brett 7 zwischen IM Sven Joachim und IM Steven Geirnaert. Sven spielte sowohl zu Beginn als auch später über weite Strecken sehr gut und gewann mit Weiß bereits im 15. Zug die gegnerische Dame für Turm und Läufer. Zudem verfügte er über zwei Mehrbauern. Die Stellung war klar gewonnen und für Schwarz eigentlich nicht mehr spielbar. Allerdings ist eine Partie erst entschieden, wenn der Gegner tatsächlich aufgibt. Bis dahin sind höchste Aufmerksamkeit und das genaue Beachten gegnerischer Drohungen erforderlich. Leider unterlief Sven im 26. Zug ein grober Fehler, der direkt zum Partieverlust führte.
Auch IM Jari Reuker stand gegen GM Pawel Jaracz klar auf Gewinn. Beide Spieler gerieten jedoch in Zeitnot und spielten nur noch auf Inkrement. Jari versuchte, den Sieg direkt mit einer taktischen Wendung zu erzwingen, anstatt den Vorteil mit einer einfachen Fortsetzung zu verwerten. Dadurch erhielt der Gegner zu viel Gegenspiel und konnte plötzlich ein Mattnetz gegen Jaris König aufbauen. Unter Zeitdruck fand Jari leider nicht mehr die rettende Fortsetzung zum Remis und verlor auf Zeit.
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IM Collin Colbow spielte in seiner Partie gegen GM Pawel Teclaf am Sonntag nach 1.Sf3 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 die interessante Idee 4.g4.
Danach entstand eine komplizierte Stellung, in der sein Gegner die bessere Struktur, aber Collin dynamische Ideen hatte und Schwarz von der Rochade abhielt. Die Partie endete schließlich früh mit einer Zugwiederholung.
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IM Robert Baskin stand mit Schwarz von Beginn an etwas unter Druck. Sein Gegner, GM Peter Prohaszka, spielte eine Reihe sehr aktiver Züge, die jedoch wahrscheinlich nicht aus eigener Kreativität entstanden, da die Partie einem bekannten Vorgänger folgte.
Diese Stellung kam auch in der Schnellschachpartie zwischen GM Anish Giri (2760) und GM Yi Wei (2754) im Dezember 2025 aufs Brett. In der Stellung ist insbesondere die Drohung Dh6+ unangenehm. Sowohl Yi Wei als auch Robert nahmen das Turmopfer mit 18…Da5 19.Kf1 gxh5 an. Dadurch wird die Drohung Dh6 zwar neutralisiert, allerdings folgt nun das starke 20.Sg5!, wonach Schwarz praktisch aufgeben kann.
Die Partie zeigt erneut, wie tief inzwischen selbst Nebenvarianten theoretisch vorbereitet sind. In der Diagrammstellung empfiehlt die Engine das präzise 18…h6!. Nach 19.Txh6 Txh6 20.Dxh6 Kg8 ist die schwarze Stellung vollkommen in Ordnung.
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IM Spartak Grigorian stand nach der Eröffnung mit Schwarz zunächst sehr gut. Im weiteren Verlauf bekam er jedoch Probleme auf dem Damenflügel und konnte die Stellung nicht halten.
GM Oleg Korneev konnte mit Weiß gegen IM Sim Maerevoet in einer aktuellen Kalaschnikow-Variante keinen Vorteil erzielen. Die Partie endete im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern remis.
Ebenfalls remis endete die Partie von IM Gerlef Meins, der seine leicht schlechtere Stellung mit Schwarz gut verteidigen konnte.
Auch IM Martin Breutigam erreichte in seiner zweiten Schwarzpartie am Wochenende ein solides Remis.
Das Endergebnis von 2:6 fällt am Ende deutlich zu hoch aus. Wir müssen unsere Chancen künftig besser nutzen. Insgesamt sind zwei Mannschaftspunkte an diesem Wochenende jedoch im Rahmen.
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