„Fußball ist eine Sprache, die weltweit verstanden wird"

26.06.26 von Undine Jehsert | 4 Min

Kinder und Erwachsene stehen Hand in Hand im Kreis auf einer Wiese und nehmen an einer Gruppenaktivität oder einem Spiel im Freien teil.

Seit vielen Jahren engagiert sich der SV Werder Bremen gemeinsam mit der SCORT Foundation für Kinder und Jugendliche in Krisen- und Fluchtkontexten. Im Mittelpunkt der internationalen Zusammenarbeit steht die Ausbildung sogenannter Young Coaches, die Fußball als Werkzeug für Bildung, Gemeinschaft und persönliche Entwicklung nutzen. Im Interview spricht Henrik Oesau, Vorstandsmitglied der SV Werder Bremen Stiftung, über die langjährige Partnerschaft, gegenseitiges Lernen und die Verantwortung des Sports. 

WERDER.DE: Der SV Werder Bremen arbeitet bereits seit vielen Jahren mit der SCORT Foundation zusammen. Was hat den Verein ursprünglich dazu bewogen, Teil dieses internationalen Netzwerks zu werden?  

Henrik Oesau: Am Anfang stand die Vision, die Kraft des Fußballs zu nutzen, um soziale Herausforderungen weltweit zu bewältigen. Sport kann Lebensbedingungen verbessern, gerade bei jungen Menschen im Kontext von Flucht und Vertreibung, da, wo gesellschaftliche Systeme wie Schule und Bildung nur sehr eingeschränkt vorhanden sind. 

WERDER.DE: Was macht die Zusammenarbeit mit der SCORT Foundation aus deiner Sicht besonders und wie bringt Werder dabei seine eigenen Stärken und Erfahrungen ein?  

Henrik Oesau: Die SCORT Foundation hat über all die Jahre eine hohe Motivation an Professionalisierung beibehalten: bei der Entwicklung der Ausbildungsinhalte, bei der Auswahl der Netzwerkpartner in den Projektländern und auch bei den Kinder- und Datenschutzstandards. SCORT steht für eine sehr hohe Qualität und das entspricht auch unserem eigenen Anspruch. So bringen wir unsere Trainer*innen-Expertise in die (Weiter-)Entwicklung der Ausbildungsinhalte ein, entsenden hochqualifizierte Trainer*innen für die Ausbildung von Young Coaches weltweit und erheben gemeinsam in der Football Club Social Alliance unsere Stimme für die Aufmerksamkeit unserer Themen.

Eine junge Fußballspielerin in einem Trikot von Werder Bremen übt auf einem Feld aus Erde das Dribbeln, umgeben von ihren Mannschaftskameraden und Bäumen im Hintergrund (FOTO: W.DE).
Im Rahmen der Young Coach Ausbildung entsendet der SVW regelmäßig Trainer*innen nach Uganda, die vor Ort geflüchtete Menschen zu Fußballtrainer*innen ausbilden (FOTO: W.DE).

WERDER.DE: In Uganda werden junge Erwachsene aus Geflüchteten-Communities zu Kinderfußballtrainer*innen und sozialen Vorbildern ausgebildet. Welche Wirkung haben solche Projekte aus deiner Sicht, sowohl für die Young Coaches selbst als auch für die Kinder, mit denen sie anschließend arbeiten?  

Henrik Oesau: Das Schöne ist: Fußball ist eine eigene Sprache, die weltweit gesprochen und verstanden wird. Somit ist Fußball ein ideales Medium für soziale Arbeit und Bildung. Damit die Inhalte, die über Fußball vermittelt werden, auch positiv wirksam sind, gibt es ein entsprechendes Ausbildungscurriculum. So steht der Spaß für Kinder im Vordergrund. Für die Young Coaches vor allem, wie die Kinder zu ihnen Vertrauen aufbauen, wie sie sich gegenüber den Kindern vorbildlich verhalten und ihnen niedrigschwellig wichtige Themen für ihr Lebensumfeld beibringen, z.B. gesunde Ernährung oder Körperhygiene.  

WERDER.DE: Vor Ort sind immer wieder Trainer*innen und Übungsleitende von Werder eingebunden, um die “Young Coaches” auszubilden. Welchen Mehrwert siehst du darin auch für die Ausbildung und Weiterentwicklung der Trainer*innen des SVW?  

Henrik Oesau: Es ist mir wichtig zu betonen, dass es in diesem Prozess um ein beidseitiges Lernen geht: wir kommen aus einer extrem privilegierten Situation, in der wir – auch auf Training bezogen – alles im Überfluss haben. Wir bringen in die Ausbildung viel Erfahrung und Denkanstöße für die Young Coaches ein, zudem Wertschätzung, dass Coaches aus den Top-Ligen der Welt, in genau diese Gebiete fahren. Vor Ort lernen dann aber auch unsere Coaches mit welcher Hingabe, Flexibilität und Kreativität unter schwierigsten Umständen hochwertige Trainings durchgeführt werden. Genau hier lernen alle Beteiligten voneinander und miteinander.  

WERDER.DE: Welche Erkenntnisse nimmt Werder für sich aus der Kooperation mit? 

Henrik Oesau: Wir empfinden die Zusammenarbeit als große Bereicherung und sind dankbar, Teil dieses Netzwerks zu sein. Die Kooperation hat Einfluss auf das Selbstverständnis und den Charakter aller unserer Trainer*innen bei Werder Bremen. Dadurch wirkt sie einen direkten Einfluss auf so viele Kinder und Jugendliche hier in Bremen, aber auch weltweit. 

WERDER.DE: Was wünschst du dir für die Zukunft der Zusammenarbeit? 

Henrik Oesau: Ich wünsche mir, dass weltweit viel, viel weniger Menschen gezwungen sind ihre Heimat zu verlassen. Die Anzahl der weltweiten Geflüchteten ist alarmierend. Ich wünsche mir mehr Frieden auf der Welt – besonders für die betroffenen Kinder und Jugendlichen. Und solange es noch so viele Krisengebiete gibt, wünsche ich mir, dass weiterhin viele Young Coaches weltweit ausgebildet werden, die ihr Wissen weitergeben und möglichst vielen Kindern durch Fußball Freude und Bildung ermöglichen. 

WERDER.DE: Danke für deine Zeit, Henrik. 

Wer die Arbeit der SCORT Foundation unterstützen möchte, kann dies aktuell auch im Rahmen einer Auktion tun: Bis zum 29. Juni 2026 können Fans und Sammler*innen auf eBay besondere Werder-Unikate ersteigern. Der gesamte Erlös fließt in die Young-Coach-Ausbildung der Football Club Social Alliance (FCSA) in Uganda.

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