„Die Entscheidung ist die richtige für unseren SV Werder“

DR. HUBERTUS HESS-GRUNEWALD IM INTERVIEW

10.08.26 von Martin Lange | 4 Min

Hubertus Hess-Grunewald im TV-Studio vor einer Werder-Raute.

Werder-Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald hat bekanntgegeben, bei der Mitgliederversammlung am 15. November 2026 nicht für eine weitere Amtszeit zur Wahl zu stehen. Im Interview begründet der 65-Jährige, der bereits seit 56 Jahren Vereinsmitglied ist, ausführlich diese Entscheidung.

WERDER.DE: Hubertus, du wirst nicht für eine weitere Amtszeit als Präsident des Sport-Verein „Werder“ von 1899 e. V.  zur Wahl stehen. Warum?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: Ich gehe diesen Schritt bewusst und voller Überzeugung. Wir haben schwierige Jahre bewältigt, Werder steht wirtschaftlich wieder stabiler da, wächst als Mitgliederverein und hat wichtige Zukunftsprojekte angestoßen. Auf das gemeinsam Erreichte können wir stolz sein. Ein Wechsel sollte erfolgen, wenn eine neue Führung auf einem tragfähigen Fundament aufbauen kann. Diese Konstellation ist gegeben. Und: Ein Werder-Präsident sollte selbst entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, Verantwortung weiterzugeben. Für mich ist dieser Zeitpunkt jetzt erreicht.

WERDER.DE: Werder bestimmt seit deiner Kindheit dein Leben. Wie schwer ist dir diese Entscheidung gefallen?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: Ich habe das Präsidentenamt in den vergangenen zwölf Jahren voller Stolz und mit der nötigen Demut vor der großen Verantwortung ausgefüllt. Im Hinblick auf die kommenden Jahre habe ich mir immer wieder eine Frage gestellt: Was ist das Beste für Werder? Denn nichts und niemand ist größer als der Verein. Nach reiflicher Überlegung und intensiven Gesprächen in der Familie und meinem Umfeld bin ich zu dem Entschluss gekommen, mich nicht wieder zur Wahl nominieren zu lassen. Es ist mir nicht leichtgefallen. Aber die Entscheidung ist die richtige für unseren SV Werder.

WERDER.DE: Was muss eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für das Amt als Präsidentin oder Präsident mitbringen?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: Werder braucht eine Persönlichkeit mit präsidialem Auftreten und einem klaren gesellschaftlichen Kompass. Eine Persönlichkeit, die Ruhe ausstrahlt, Haltung zeigt, Entscheidungen trifft, in schwierigen Situationen Orientierung gibt und dabei stets die Werder-Werte vertritt. Unseren SV Werder hat schon immer ausgezeichnet, dass wir uns allen Herausforderungen mit Besonnenheit und Zusammenhalt, mit der nötigen Ruhe und Wachsamkeit stellen und einen klaren Fokus auf die zu bewältigende Arbeit haben. Dass eV und KG, Fußball und andere Sportarten, Leistungssport und Breitensport „ein Werder“ bleiben.

Hubertus Hess-Grunewald in Nahaufnahme in einem Mantel.
Dr. Hess-Grunewald wird nach zwölf Jahren nicht nochmal für das Amt des Präsidenten kandidieren (Foto: W.DE).

WERDER.DE: Kannst du dir konkrete Personen vorstellen, die das Anforderungsprofil erfüllen?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: Das ist nicht meine Aufgabe. Der Wahlausschuss hat eine freie, unabhängige und sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Er muss mögliche Kandidatinnen und Kandidaten prüfen und der Mitgliederversammlung einen überzeugenden Vorschlag machen. Diesen Prozess respektiere ich. Noch einmal: Wichtig ist aus meiner Sicht eine Persönlichkeit, die Menschen zusammenführen kann, den Charakter des Mitgliedervereins versteht und gleichzeitig die Anforderungen der Sportabteilungen sowie des Profifußballs im Blick behält.

WERDER.DE: Was bleibt dir besonders aus deiner Amtszeit im Gedächtnis?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: Corona, Abstieg, Aufstieg, die Entwicklung der WERDERFRAUEN, der Umbau am Stadion „Platz 11“, die starke Mitgliederentwicklung, die Entwicklung in den Sportarten neben dem Fußball – es war eine intensive Zeit. Wir haben gemeinsam Erfolge gefeiert, gemeinsam gelitten und gezittert. Werder hat immer wieder seine besondere Strahlkraft und seinen außergewöhnlichen Zusammenhalt bewiesen. Besonders beeindruckt mich, wie viele Menschen bereit sind, für Werder Verantwortung zu übernehmen – als Mitarbeitende, Ehrenamtliche, Mitglieder, Partner*innen oder Fans. Es ist allerdings noch nicht der Zeitpunkt, eine endgültige Bilanz zu ziehen…

WERDER.DE: …denn es sind noch knapp 100 Tage bis zur Mitgliederversammlung. Was wird in dieser Zeit wichtig sein? 

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: Es ist klar, dass ich bis zum Ende meiner Amtszeit meine Verantwortung uneingeschränkt wahrnehmen und eine sorgfältige Übergabe sicherstellen werde. Bei der Mitgliederversammlung geht es unter anderem um Satzungsänderungen, die die Mitgliederinteressen weiter stärken. Das wollen wir bestmöglich vorbereiten. Die nun herbeigeführte Klarheit wird uns dabei helfen, die aktuellen Themen geordnet auf den Weg zu bringen.

WERDER.DE: Als Präsident hast du auch den Vorsitz des Aufsichtsrats inne. Was bedeutet dein Verzicht auf Wiederwahl für dieses Gremium?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: Sobald das Präsidium einen neuen Vertreter oder eine neue Vertreterin entsandt hat, werde ich auch aus dem Aufsichtsrat ausscheiden. Der Sport-Verein „Werder“ ist und bleibt Mehrheitsgesellschafter der Kapitalgesellschaft. Ich halte es daher für wichtig, dass die Person, die das Präsident*innenamt übernimmt, grundsätzlich das Format und die Kompetenz besitzt, einen hochkarätig besetzten Aufsichtsrat führen zu können. Das heißt: Der zukünftige Präsident oder die Präsidentin sollte starke, erfahrene und selbstbewusste Persönlichkeiten zusammenbringen können...

WERDER.DE: Du bist seit 2024 Ehrenmitglied. Wie wirst du Werder darüber hinaus weiter verbunden bleiben?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: Werder war für mich zu jeder Zeit eine Herzensangelegenheit, meine zweite Heimat und wird immer mein Verein bleiben. Meine starke Bindung zum Verein ist bereits als junger Fußballer und somit vor der ersten Übernahme eines Amts entstanden. Und sie wird auch bleiben, wenn ich die Aufgabe als Präsident abgebe. Ich durfte über ein halbes Jahrhundert die Entwicklung des SV Werder Bremen hautnah miterleben und mehr als 30 Jahre davon sogar aktiv mitgestalten. Dieses Amt ausüben zu dürfen, war für mich eines der größten Privilegien meines Lebens. Um mit dem großen Pico Schütz zu sprechen: Ich bin und bleibe Werderaner.

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