„An Spieltagen ist die ganze Stadt Grün-Weiß“
05.03.26 von Tineke Ruchel | 5 Min
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Unsere Frauen bei Werder stehen für Vielfalt und genauso vielfältig sind ihre Geschichten. Ein Teil dieser Frauen, die den SVW jeden Tag prägen und mitgestalten, soll nun vorgestellt werden. Finja Thormann, Referentin Recruiting & Employer Branding, zeigt, dass jeder Weg in die Fußballbranche individuell ist.
WERDER.DE: Vor neun Jahren hast du deinen Handelsfachwirt an der Flensburger Wirtschaftsschule absolviert. Was hast du in dieser Zeit gelernt?
Finja Thormann: Im Einzelhandel hatte ich tagtäglich mit ganz unterschiedlichen Menschen Kontakt, auf die man sich auch immer wieder aufs Neue einstellen muss. Da habe ich viel gelernt und mitgenommen. Ich musste aber auch kreativ sein, neue Lösungswege finden und über den Tellerrand hinausschauen. All diese Punkte, von denen ich heute immer noch profitieren kann, haben mich total geprägt.
WERDER.DE: Im Anschluss daran hast du Wirtschaftspsychologie studiert und bist damit nochmal in eine ganz andere Richtung gegangen. Warum hast du dich dafür entschieden?
Finja Thormann: Während meiner Ausbildung in Husum bin ich Teamleiterin geworden und habe da einfach gemerkt, dass mir die Personalarbeit am meisten Spaß gemacht hat. Da wusste ich, ich möchte mich in diesem Bereich weiterentwickeln, weswegen ich schließlich angefangen habe, Wirtschaftspsychologie zu studieren. Da habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass das die Aufgabe ist, die ich mir immer gewünscht habe und die mir auch mega viel Spaß macht. Mit der Zeit haben mich die Schwerpunkte Personalmarketing, Employer Branding und Recruiting immer mehr gereizt. So kam ich zu dem Entschluss, den Job zu wechseln und den Schritt aus dem Einzelhandel hin zum Personalwesen zu wagen.
WERDER.DE: Bevor du den Schritt in die Fußballbranche gegangen bist, warst du noch im Personalbereich im Einzelhandel tätig. Warum hast du dich dafür entschieden, in einer ganz anderen Branche zu arbeiten?
Finja Thormann: Auch wenn ich in meiner Jugend selbst lange im Amateurfußball aktiv war, hatte ich nie wirklich einen Bezug zur Bundesliga. Das hat mich anfangs nicht gereizt. Aufgrund meines Jobs bei Dodenhof bin ich damals nach Bremen gezogen und habe einfach gemerkt, wenn Spieltag ist, ist die ganze Stadt in Grün-Weiß unterwegs. Das hat bei mir auch das Interesse geweckt. Dadurch bin ich zum ersten Mal mit Werder in Kontakt gekommen. Kurz darauf folgte direkt mein erster Stadionbesuch, bei dem ich sofort von der Stimmung mitgerissen wurde. Das ist so eine großartige Atmosphäre. Tatsächlich hat mich mein Freund darauf aufmerksam gemacht, dass man bei Werder auch arbeiten kann. Das hatte ich damals gar nicht so auf dem Schirm. Er hat mir damals die Stellenausschreibung geschickt und gefragt, ob das nicht etwas für mich wäre. Daraufhin habe ich mich einfach bei Werder beworben und am Ende hat es zum Glück alles ganz schnell geklappt.
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WERDER.DE: Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit in einem Fußballverein von der Arbeit in einem normalen Unternehmen?
Finja Thormann: Ein wesentlicher Unterschied ist die Dynamik. Die Fußballbranche ist sehr schnelllebig. Man muss sich tagtäglich auf neue Herausforderungen und neue Prioritäten einstellen. Das ist ein vehementer Unterschied. Auch wenn es manchmal etwas herausfordernd ist, kann es auch ein Anreiz sein, sich spontan neue Lösungen zu überlegen. Ein weiterer Unterschied ist die Arbeitsatmosphäre. Bei Werder gibt es eher einen familiären Umgang miteinander und auch die Zusammenarbeit ist toll. Das ist eben diese Werder-Familie.
WERDER.DE: Frauen in der Fußballbranche sind immer noch unterrepräsentiert. Hast du das Gefühl, dass genau dieser Punkt auch bei den Bewerberinnen eine Hürde sein könnte?
Finja Thormann: Gerade im sportlichen Bereich merken wir, dass der Anteil an Bewerbungen immer noch überwiegend männlich ist. Grund dafür ist möglicherweise der Fakt, dass es gerade im sportlichen Kontext noch nicht so viele Vorbilder für Frauen gibt. Da müssen wir alle zusammen für mehr Sichtbarkeit von Frauen sorgen. Es muss Formate geben wie diese und wir müssen mit Frauen ins Gespräch kommen, die schon in einem Fußballverein arbeiten und Erfahrungen gesammelt haben. Dazu gehören natürlich auch positive Erfahrungen, um zu zeigen, dass es ein total cooles Arbeitsumfeld ist. Es braucht einfach Frauen mit einer Vorbildfunktion. Mit Anne-Kathrin Laufmann als Geschäftsführerin haben wir eine Person an der Spitze, die für viele Frauen und Mädchen richtungsweisend sein kann.
WERDER.DE: Kannst du uns einen Einblick geben, wie der Stand von Bewerbungen von Frauen bei Werder ist?
Finja Thormann: Das variiert von Abteilung zu Abteilung. Im Personalbereich aber auch im Marketing zum Beispiel bekommen wir viele Bewerbungen auch von Frauen. Wenn wir jetzt den Blick Richtung Scouting oder Trainer*innen richten, ist der Anteil geringer. Das würden wir gerne ändern.
WERDER.DE: Was würdest du jungen Frauen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen, raten?
Finja Thormann: Einfach machen. Habt keine Hemmungen, den ersten Schritt zu machen. Nutzt die verschiedenen Möglichkeiten wie zum Beispiel Jobmessen, bei denen auch andere Sportvereine vertreten sind. Dort könnt ihr die ersten Kontakte knüpfen und ganz viele Fragen stellen. Vielleicht könnt ihr dadurch auch schon ein paar Fragezeichen, die man selber mit sich rumträgt, beseitigen. Genau solche Chancen würde ich auf jeden Fall nutzen. Es gibt dazu noch diverse Frauennetzwerke, auch im Fußball, die einem helfen können, in den Austausch zu kommen.
WERDER.DE: Was wünscht du dir für die Zukunft von Frauen in der Fußballbranche?
Finja Thormann: Ich wünsche mir, dass sich mehr Frauen trauen, diesen Schritt in die Fußballbranche zu machen und sich nicht von Vorurteilen oder Unsicherheiten abhalten lassen. Wenn man sich noch etwas unsicher ist, kann man durch den Austausch mit anderen schon viele Fragezeichen oder Bedenken aufklären. Gleichzeitig finde ich es total wichtig, dass die Frauen, die halt einfach schon da sind, sich zeigen und auch andere Frauen ermutigen, diesen Schritt in die Sportbranche zu machen.
WERDER.DE: Danke für deine Zeit, Finja!
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