"Für uns ist Bremen Heimat"
ROMANO SCHMID IM ABSCHIEDSINTERVIEW
12.08.26 von Fiona John | 4 Min
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Siebeneinhalb Jahre beim SV Werder liegen hinter Romano Schmid. Siebeneinhalb Jahre voller Emotionen zwischen Freud und Leid, Abstieg und Aufstieg, Familie und Nationalmannschaft. Nun hat sich der Österreicher für den nächsten Schritt entschieden. In seinem Abschiedsinterview sprach der 26-Jährige über seine Zeit beim SVW, seine Verbundenheit zu Bremen und seine ganz persönliche Entwicklung auf und neben dem Platz.
WERDER.DE: Moin, Romano. Mehr als sieben Jahre Werder gehen zu Ende. Lass uns ein wenig zurückschauen. Du wurdest 2019 verpflichtet, dann verliehen, es kam der Abstieg, der Aufstieg – gerade in deiner Anfangszeit hier war einiges dabei. Wie schaust du auf die Jahre zurück?
Romano Schmid: Das Genannte ist ja nur ein ganz kleiner Teil. Es ist viel mehr passiert in den ganzen Jahren. Ich bin zum Nationalspieler gereift, habe bei einer Europameisterschaft und einer Weltmeisterschaft gespielt. Und das Wichtigste in meinem Leben: Mein erster Sohn wurde hier in Bremen geboren. Meine Familie und ich fühlen uns hier wie zu Hause. Deshalb ist der Abschied extrem schwer. Ich blicke ausschließlich positiv zurück. Aber ich brauche auch noch Zeit, das Ganze zu realisieren.
WERDER.DE: Wie hast du dich in dieser Zeit sportlich entwickelt?
Romano Schmid: Sportlich ist immer das eine, aber menschlich ist das andere. Ich bin als junger Mann gekommen, mit sehr vielen Ecken und Kanten. Vielleicht habe ich die in den letzten Jahren etwas glätten können. Dadurch, dass ich älter geworden bin. Sportlich ging es für mich in der ersten Saison nach dem Abstieg steil bergauf. Das erste Bundesliga-Jahr war noch etwas holpriger, danach habe ich alles gespielt, was es zu spielen gab. Wir haben zwei überragende Saisons unter Ole Werner gespielt. Der sportliche Höhepunkt war, die letzte Saison unter Ole mit 51 Punkten abzuschließen. Da hatte man das Gefühl, wir sind richtig nah an dem, wo der Verein hingehört.
"Mit vielen Tränen auf den Wechsel reagiert"
WERDER.DE: Warum ist genau jetzt für dich der Zeitpunkt gekommen zu gehen?
Romano Schmid: Das ist schwierig zu beantworten. Es kommen ja immer viele Sachen zusammen. Erstens die Möglichkeit, in einem Land zu spielen, in dem ich es mir immer gewünscht habe. Zweitens die Chance, Teil eines Projekts zu sein, wo ich mich vor zwei Jahren noch gegen entschieden habe. Da wollte ich lieber hier bleiben. Für mich war die letzte Saison echt schwierig. Warum aber genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, kann ich nicht sagen. Ich habe noch ein Jahr Restvertrag. Dass die Situation des Vereins keine leichte ist, ist allen bekannt. Deswegen ist der Transfer für beide Seiten richtig gut und ich kann Werder damit ein Stück weit helfen.
WERDER.DE: Du hast die menschliche Entwicklung gerade schon angesprochen. Du hast in deiner Zeit hier geheiratet, bist zwei Mal Vater geworden. Was bedeutet Bremen für dich und deine Familie? Mit welchem Gefühl werdet ihr die Stadt verlassen?
Romano Schmid: Für uns ist Bremen Heimat. Immer wenn meine Frau aus dem Urlaub oder aus Graz zurückkommt, sagt sie: Eigentlich ist Bremen ihr Zuhause. Dementsprechend hat sie mit vielen Tränen auf den Wechsel reagiert. Der Abschied ist für uns extrem traurig, weil für uns der Klub und die Stadt so besonders sind. Aber wir wollten immer einmal in Italien leben, deshalb haben wir uns dazu entschieden.
WERDER.DE: Du sagst, du bist hergekommen mit Ecken und Kanten. Wie hast du dich persönlich in den letzten Jahren verändert?
Romano Schmid: Ich bin schon mein ganzes Leben lang extrem ehrgeizig – vielleicht sogar zu ehrgeizig. Ich wurde zu schnell sauer. Ich bin zwar immer noch sauer, wenn ich verliere, kann das aber mittlerweile viel besser einordnen als früher. Ich bin viel ruhiger geworden, klarer in meinen Worten. Ich habe ganz vielen jungen Spielern geholfen. Das war in den letzten Jahren meine Zielsetzung: die Jungs zu unterstützen. Das ist mir menschlich extrem gut gelungen.
WERDER.DE: Ein Österreicher ist bei Werder nie allein. Wie war das für dich, immer Landsmänner an deiner Seite zu haben und warum fühlen sich Österreicher hier so wohl?
Romano Schmid: Warum wir uns hier so wohlfühlen, weiß ich nicht. Aber es war immer etwas Besonderes, das wusste ich seit dem Zeitpunkt meiner Unterschrift. Ich habe mit Marco Friedl jedes Leid hier gemeinsam ertragen. Es war eine besondere Zeit mit meinen Freunden, die ich schon lange kenne. Mit Marco Grüll aus der U20, jetzt auch Alexander Schlager und in der Zwischenzeit mit Maximilian Wöber. Man fühlt sich einfach automatisch wohler, wenn man Leute um sich herum hat, die einen schon ewig kennen und wissen, wie man früher war.
WERDER.DE: Wie sehr wirst du die Österreich-Fraktion und auch die anderen Mitspieler vermissen? Welche Freundschaften bleiben?
Romano Schmid: Ich werde jeden vermissen. Die Jungs, mit denen ich letztes Jahr gemeinsam in der Kabine saß und wir fast geheult haben, weil es so eine schlimme Zeit für uns war. So ein Schmerz schweißt genauso zusammen wie die Erfolge. Das habe ich jetzt besonders gespürt, als ich von der WM zurückgekommen bin. Mit Marco habe ich bei Werder wie gesagt alles erlebt, aber hatte mit ihm zwischenzeitlich auch extrem viel Streit, weil wir beide einfach sehr ehrgeizig sind. Mit Grülli habe ich sehr viel Spaß gehabt und sehr viele Diskussionen geführt. Auch die Belgier werde ich vermissen. Genauso Jens, meine Liebe auf dem Platz. Für mich war er nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich die letzten Jahre sehr wichtig. Er hat immer an mich geglaubt, auch wenn es für mich persönlich nicht so gut lief. Dazu kommen die Jungs, die schon weg sind. Michael Zetterer, Leonardo Bittencourt und Marvin Ducksch, mit denen ich viele Jahre zusammengespielt habe.
WERDER.DE: Welchen Werder-Moment wirst du besonders im Gedächtnis behalten?
Romano Schmid: Wahrscheinlich der Wiederaufstieg, weil man da gesehen hat, was der Verein entfachen kann. Wie die Stadt für den Fußball und den Klub in so einem Moment lebt. Das wird mir immer in Erinnerung bleiben. Aber es sind noch so viel mehr Sachen, die bleiben. Dinge, die tagtäglich passiert sind. Der Abstieg, der extrem weh tat. Aber wenn man mal richtig unten ist, kann es wieder nach oben gehen. Das haben wir gezeigt.
WERDER.DE: Zeit für ein paar Abschiedsworte. Was möchtest du den Fans noch sagen?
Romano Schmid: Liebe Werder-Fans, es ist echt schwierig für mich, Worte für all das zu finden, was in meinen siebeneinhalb Jahren hier passiert ist. Ich habe Werder gelebt, wollte jedes Spiel für euch gewinnen und habe immer versucht, alles zu geben. Wir haben gemeinsam richtig coole Spiele gemacht, richtig große Momente gefeiert und richtig viel Leid geteilt. Ich bin dankbar für jeden Einzelnen, der mich unterstützt und hinter mir gestanden hat, auch wenn es für mich schlecht lief. Ich wünsche euch und dem Klub nur das Beste. Ich werde Werder mein Leben lang verfolgen, weil der Verein für mich so besonders ist. Ich hoffe, dass ihr mich in guter Erinnerung behaltet, so wie ich euch als Fans in Erinnerung behalten werde. Ich werde euch vermissen.
WERDER.DE: Wir werden dich auch vermissen und wünschen dir natürlich auch nur das Beste. Danke für alles, Romano!
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