Werder 3 gewinnt in der Oberliga

Glückliches Drama gegen Nordhorn-Blanke

Collin und Peter mit zwei schönen Siegen an den Spitzenbrettern
Schach
Montag, 13.12.2021 / 10:02 Uhr

Stephan Buchal

Was für ein Drama! Mit einem glücklichen 4,5:3,5-Erfolg gegen die starke Mannschaft des SK Nordhorn-Blanke konnte unsere Dritte im letzten Mannschaftskampf des Jahres ihren zweiten Sieg feiern und hat sich jetzt mit 4:4 Punkten etwas Luft im Abstiegskampf verschafft.

Ganz Schach-Deutschland ist von Corona mattgesetzt? Nein! Im tapferen Nordwesten gibt es noch die Oberliga - und dort stand am Sonntag die letzte Runde vor der Winterpause an. Es durfte Schach gespielt werden, natürlich unter 2G-Bedingungen und unter strenger Einhaltung der AHA+L-Regeln. Beide Teams konnten starke Mannschaften an die Bretter bringen, eine Begegnung "auf Augenhöhe" war zu erwarten und offensichtlich hatten die Grün-Weißen genauso wie unsere Gäste aus Nordhorn-Blanke große Lust auf großes Schach! Pünktlich um 11 Uhr eröffneten unser Abteilungsleiter Dr. Oliver Höpfner und unser bewährter Schiedsrichter Dirk Rütemann das Match.

1. Akt: Vorteil Werder

Nils-Lennart Heldt an Brett 8 war der Held der ersten Stunden. In einer scharfen Sizilianisch-Variante folgten beide Spieler (mehr oder weniger unbewusst) bis zum 17. Zug einer großmeisterlichen Partie zwischen dem indischen GM Parimarjan Negi und dem ukrainischen GM (und Werderaner!) Zahar Efimenko, gespielt in San Marino 2006. Zahar verlor die Partie in 26 Zügen, aber Nils-Lennart saß in dieser Variante auf der richtigen, nämlich der weißen Seite und konnte uns energisch und elegant nach nur 25 Zügen in gut 2 Stunden in Führung bringen: 1:0 für Werder!
Ebenfalls mit den weißen Steinen erarbeitete sich Timur Elmali an Brett 6 leichte Vorteile in der Eröffnung, aber sein Gegner, der niederländische FM Paul Bierenbroodspot (Bierbrotplatz?), konnte die weiße Initiative gut neutralisieren und mit einem passenden Remisangebot ein friedliches Ende der Partie vereinbaren. Es sollte die einzige Punkteteilung in diesem wüsten Wettkampf bleiben.

2. Akt: Nordhorn dreht das Match

Noch vor der ersten Zeitkontrolle konnten unsere Gäste zurückschlagen. Zunächst erwischte es unseren Topscorer Olaf Steffens. Wie üblich gelang es ihm auch diesmal, eine scharfe Stellung aufs Brett zu bekommen, so dass seine Fans in der bevorstehenden Zeitnotphase durchaus optimistisch aufs Brett blicken konnten. Allerdings stand sein Gegner mit den weißen Steinen sehr solide und als sich Olaf zwischen 2 kritischen Varianten entscheiden musste, wählte er die schärfere - was wahrscheinlich in diesem Fall ein Fehler war. Er übersah in der Abwicklung einen starken Zug seines Gegners ... und die weißen Freibauern am Damenflügel waren dann doch stärker als der erhoffte Königsangriff von Olaf. Ausgleich für Nordhorn: 1,5:1,5.
Ebenfalls mit den schwarzen Steinen baute sich Reiner Franke in der englischen Symmetrievariante sehr vernünftig auf und konnte bequemen Ausgleich erzielen. In der sehr anspruchsvollen Stellung verschärfte er die Partie, um seinen Gegner unter Druck zu setzen - aber "dieses kalkulierbare Risiko wurde durch ein fürchterliches Übersehen in einen GAU verwandelt" (Reiner). Sein Gegner Patrick Wiebe ließ sich nicht zweimal bitten und brachte unsere Gäste sicher in Führung: 1,5:2,5.

3. Akt: Collin und Peter bärenstark

Nach der Zeitkontrolle lagen die Gäste in Front, aber der Wettkampf war noch lange nicht verloren. An den ersten vier Brettern tobte der Kampf. Unsere beiden Spitzenspieler Collin Colbow und Peter Lichman hatten deutliche Vorteile gegen ihre holländischen Gegner IM Frank Kroeze (sprich: Kruse - das weckt bei Werder durchaus beachtliche Assoziationen) und FM Rob Bertholee. Auch David Kardoeus stand gegen Fabian Stotyn nach missglückter Eröffnung sehr ansprechend, nur Fabian Brinkmann machte uns Sorgen. Aber ein 4:4 sollte da doch mindestens drin sein?
Zunächste stellte Peter den Ausgleich her. Aus der Eröffnung heraus hatte sich eine zweischneidige Stellung ergeben: Peter hatte Initiative am Königsflügel und konzentrierte dort seine Truppen zum Angriff auf den gegnerischen König. Aber das holländische Gegenspiel am Damenflügel sah ebenfalls sehr gefährlich aus. Dynamisches Gleichgewicht? Wahrscheinlich agierte der holländische FM zu sorglos. Peter konnte kurz vor der Zeitkontrolle am Königsflügel durchbrechen und dadurch entscheidend Material gewinnen. Der Rest war "eine Sache der Technik".
Collin spielte gegen IM Kroeze eine sehr saubere Partie, erreichte mit den schwarzen Steinen eine ausgeglichene Stellung und gewann im Mittelspiel durch einen netten Trick eine Qualität, für die sein Gegner aber einige Kompensation bekam. Trotz großer Zeitnot konnte Collin die gegnerische Initiative eindämmen und ein vorteilhaftes Endspiel erreichen, das er sicher gewann. Ein schöner Sieg gegen einen starken Gegner und mit 3,5:2,5 die grün-weiße Führung!

4. Akt: Finale furioso

Leider drohte das Ganze zu unseren Ungunsten zu kippen. Der Unglücksrabe war David Kardoeus, dem kurz vor der Zeitkontrolle ein Missgeschick bei der Notation unterlaufen war - er glaubte, den 40. Zug schon geschafft zu haben, aber sein Gegner hatte erst 39 Züge notiert? Was war da los? Er hatte einen Zug doppelt aufgeschrieben, geriet in Panik und machte 6 Sekunden vor der Zeitüberschreitung noch schnell seinen 40. Zug. Leider ein grober Fehler, der einen Teil seines Vorteils vergab. Aber immer noch stand er deutlich besser und hatte Gewinnchancen. Nur: der Faden war gerissen und David konnte seine Konzentration nicht mehr hochhalten. Er verlor einen weiteren Bauern, kam nicht zum erhofften Königsangriff und landete in einem verloren Endspiel, das sein Gegner schnörkellos gewann. Glücklicher Fabian Stotyn! Es sollte nicht der einzige glückliche Fabian bleiben.

Unser Fabian Brinkmann spielte ebenfalls eine hochinteressante Partie. Im Mittelspiel brachte er ein aussichtsreiches Qualitätsopfer und setzte auf seine starken Freibauern am Damenflügel. Leider geriet aber nach der Zeitkontrolle sein eigener König in Bedrängnis, die Bauern kamen nur sehr langsam voran und sein Gegner Jens Schulz inszenierte mit kräftigen Zügen einen siegverheißenden Angriff. Der Wettkampf schien für die Grün-Weißen doch noch verloren... Aber Fabian kämpfte wie ein Löwe und stellte seinem Gegner immer wieder praktische Probleme. So gerieten beide nach 6 Stunden Kampf in ein echtes Zeitnot-Lotterie-Finale. Der Nordhorner verpasste einige Gewinnmöglichkeiten und schließlich unterlief ihm der berühmte "letzte Fehler". Er konnte einem leid tun, aber Fabians Kampfstärke sicherte uns schließlich den überaus glücklichen Sieg in einem dramatischen Wettkampf! 

Wir wünschen allen Beteiligten schöne Weihnachtsferien, bleibt gesund und hoffentlich können wir trotz Omikron im Januar die Oberliga fortsetzen.

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