1:3 in Nürnberg: Werder verliert weiter an Boden
01.01.70

Sein 18. Saisontor reichte nicht: Miroslav Klose traf zum zwischenzeitlichen 2:1 in Nürnberg.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 / 01:00 Uhr
Werder Bremen hat am 26. Spieltag der Fußball-Bundesliga weiter an Boden im Kampf um die Champions-League-Plätze verloren. Die Grün-Weißen verloren das Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg mit 1:3 (0:2). Die Gastgeber gingen in der ersten Hälfte durch Vittek (21.) und Schroth (36.) verdient mit 2:0 in Führung. Nach der Pause verstärkte Werder den Druck und kam durch das 18. Saisontor von Miroslav Klose zum Anschlusstreffer (57.). Erneut Vittek nutzte in der 69. Minute einen von vielen Abwehrfehlern der Werderaner und traf zum 3:1-Endstand.
Die Werderaner begannen das Spiel im Mittelfeld mit Daniel Jensen und Jurica Vranjes für die verletzten Johan Micoud und Frank Baumann. Von Beginn an war zu spüren, dass die Schaaf-Elf die Scharte der 0:3-Niederlage gegen Hertha BSC Berlin auswetzen wollte. Mehr als ein 18-m-Schuss von Patrick Owomoyela (3.), der knapp links neben dem Tor aufsetzte, sprang aber in der Anfangsphase nicht heraus. Die zuletzt starken Nürnberger taten sich gegen die zunächst aufmerksame Werder-Defensive schwer. Dies änderte sich erstmals in der 11. Minute, als Saenko eine Schroth-Flanke auf Mnari ablegte, doch der Tunesier verzog aus 19 Metern.
Schulz-Fehlpass leitet 0:1 ein
Christian Schulz und Daniel Jensen im Duell mit dem zweifachen Torschützen Robert Vittek.
Drei Minuten später bot sich dem „Club“ die große Chance zur Führung. Polak überrumpelte die Bremer Viererkette mit einem Steilpass auf den durchstartenden Reinhardt, dessen Querpass von Saenko nur um Haaresbreite verpasst wurde. Damit änderte sich das Bild im frisch umbenannten „easyCredit-Stadion“ allmählich: Werders Offensivbemühungen fruchteten nicht, während die Abwehr gegen die nun gefälliger kombinierenden Nürnberger wacklig wirkte. Ein leichtfertiger Fehlpass im Mittelfeld von Christian Schulz leitete das 0:1 ein. Nürnberg schaltete nach dem Ballgewinn schnell auf Angriff, Vittek setzte sich gegen Frank Fahrenhorst durch, konnte von Naldo und Jensen nicht gebremst werden und schloss mit einem Schuss ins linke Eck eiskalt ab (21.).
Ärgerlicherweise musste Interims-Kapitän Torsten Frings den Platz bereits nach 24 Minuten mit einer Wadenbeinprellung verlassen, nachdem er zuvor von Glauber rüde gefoult worden war. Der junge Däne Leon Andreasen übernahm Frings’ Position zentral vor der Viererkette. Werder war bemüht, den Rückstand wegzustecken, erarbeitete sich aber in der ersten Hälfte nur noch eine echte Torchance. Nach einer Ecke von Tim Borowski kam Frank Fahrenhorst zum Kopfball, doch FCN-Torwart Schäfer fing den etwas zu unplatzierten Ball ohne größere Mühe (25.). In der Defensive unterlief Fahrenhorst zwei Minuten später ein Stellungsfehler gegen Vittek, dessen Querpass auf Schroth jedoch einen Tick zu spät kam.
In der nächsten Situation machte es der Slowake besser und bereitete so das zweite Nürnberger Tor vor. Zunächst nutzte Polak seine Freiräume auf der rechten Seite für einen gut getimten Pass auf Vittek, der den Ball von der Grundlinie auf den zweiten Pfosten hereingab, wo Schroth vor Owomoyela am Ball war und ihn nur noch über die Linie befördern musste (36.). Danach stimmte nichts mehr bei Werder, die Verunsicherung aus dem Hertha-Spiel war vollständig zurückgekehrt.
Der Tabellenzwölfte aus Nürnberg kontrollierte die Partie nun nach Belieben, während die Bremer meist hinterher liefen. Pinola per Freistoß (39.) und Polak mit einem Pfostentreffer (42.) verpassten es in der Schlussphase der ersten Halbzeit, ein drittes Tor nachzulegen.
Kloses 18. Saisontor sorgt für Hoffnung
Zur zweiten Halbzeit reagierte Thomas Schaaf und brachte mit Nelson Valdez für Naldo einen dritten Stürmer. Werder machte fortan richtig Druck und schnürte die Nürnberger in ihrer Spielhälfte ein. Doch an der Strafraumgrenze war zunächst Endstation – bis zur 57. Minute. Tim Borowski spielte einen tollen Pass auf Miroslav Klose, der zwei Abwehrspieler abschüttelte und gegen den herausstürmenden Raphael Schäfer abgeklärt den Anschlusstreffer markierte.
Die Vorentscheidung: Während Robert Vittek nach seinem zweiten Treffer jubeln in Richtung Fankurve läuft, ist Tim Wiese die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.
Die aufkeimende Hoffnung auf den Ausgleich wurde durch weitere zwei Szenen genährt, bevor der überragende Robert Vittek sie mit seinem zweiten Tor zum 3:1 wieder zunichte machte. Ab der 66. Minute überschlugen sich die Ereignisse. Erst fiel Miro Klose nach einem klasse Pass von Daniel Jensen im Duell mit dem herausgelaufenen Schäfer kurz vor der Strafraumgrenze, doch Schiedsrichter Manuel Gräfe entschied auf Weiterspielen. Zu Recht, wie später auch der für seine Fairness bekannte Bremer Topstürmer zugab.
Vittek stellt alten Abstand wieder her
Dann prüfte Schulz den Nürnberger Torhüter mit einem satten Volleyschuss nach Ecke von Borowski. Im Gegenzug vergab Vittek die erste große Chance zum 3:1, nachdem er sich den Ball gegen Owomoyela erkämpft hatte und aus halbrechter Position knapp am Bremer Tor vorbei schoss. Nur 30 Sekunden später nutzte er jedoch eine ähnliche Situation zum vorentscheidenden dritten Tor. Nach Doppelpass mit Polak ließ der Slowake Andreasen aussteigen und ließ Wiese diesmal keine Chance – der Ball zappelte im linken Eck (70.).
Von dem erneuten Zwei-Tore-Rückstand erholte sich Werder nicht mehr, kam durch Nelson Valdez nur noch zu einer Torchance (76.). Nürnberg brachte den Sieg geschickt nach Hause und war dem 4:1 bei weiteren gefährlichen Gegenstößen näher als die ideenlosen Werderaner dem erneuten Anschlusstreffer.
von Kevin Kohues
1.FC Nürnberg – Werder Bremen 3:1 (2:0)
1. FC Nürnberg: Schäfer - Nikl, Cantaluppi, Glauber - Reinhardt, Mnari (62. Paulus), Pinola - Polak (62. L. Müller) - Vittek, Schroth (81. Kießling), Saenko
Werder Bremen: Wiese - Owomoyela, Fahrenhorst, Naldo (46. Valdez), Schulz - Vranjes - D. Jensen, Borowski - Frings (24. Andreasen) - Klose, Klasnic; auf der Bank: Vander, Pasanen, Lagerblom
Tore: 1:0 Vittek (21.), 2:0 Schroth (36.), 2:1 Klose (57.), 3:1 Vittek (69.)
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
easyCredit-Stadion: 40.924 Zuschauer
Gelbe Karten: Glauber, Mnari, Schäfer - Klose
Torschüsse: 15 : 19
Ecken: 3 : 7
Flanken: 6 : 14
Ballkontakte: 42% : 58%
Gewonnene Zweikämpfe: 48% : 52%
Fouls: 17 : 15
Abseits: 6 : 1
Die meisten Torschüsse: Vittek (5) – Borowski, Klose (je 5)
Die meisten Torschussvorlagen: Vittek (4) – Borowski (6)
Die meisten Ballkontakte: Reinhardt (50) – Vranjes (85)
Die Zweikampfstärksten: Reinhardt (67%) – Klose (68%)
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